Aktuelles
15. Dezember 2009

Vom Familienunternehmer zum Kapitalgeber

Studie Family Investors

Dr. Arno Lehmann-Tolkmitt ist Autor einer Studie
über Familienunternehmer, die Investoren werden.

Schaeffler und Porsche haben gezeigt, dass auch Familienunternehmen als aggressiv agierende Investoren auftreten können. Doch Dr. Arno Lehmann-Tolkmitt und Claus Wattendrup halten das für Ausnahmen. In ihrer Studie „Family Investors. Entstehung, Strukturen und Investitionsverhalten“, die von der Hauck & Aufhäuser Finance Management GmbH herausgegeben wird, schreiben sie: „Zumeist unterscheiden sich diese Investoren aber grundsätzlich von reinen Finanzinvestoren, denn auch in den Beteiligungsstrukturen setzen sich die typischen Handlungsmaximen der Familie fort und bestimmen weiterhin das unternehmerische Handeln. Damit bestehen sowohl die Vorzüge als auch die besonderen Risiken der Familienunternehmer fort.

Die beiden Autoren haben mit ihrer Studie eine Entwicklung aufgegriffen, die sich mittlerweile fast schon als Trend bezeichnen lässt: Immer mehr Familienunternehmer oder deren Nachfolger lösen sich von der klassischen Vorstellung, ein von den Vorvätern ererbtes Unternehmen eines Tages gänzlich selbst auf die eigenen Kinder zu übertragen. Stattdessen werde freies Kapital in unterschiedliche unternehmerische Beteiligungen reinvestiert. Die Vermögensinhaber treten als „stille Investoren“ auf.

Langfristig investieren, konservativ finanzieren

Die Autoren sprechen von „Family Investors“. Dabei unterscheiden sie sich deutlich von reinen Finanzinvestoren. „Sie investieren langfristig und finanzieren konservativ. Trotzdem scheuen sie nicht das unternehmerische Risiko“, so die Lehmann-Tolkmitt und Wattendrup. Um die wenig erforschte Spezies und die Motive ihres Handelns besser kennenzulernen, wurden für die Studie von Mai bis August 2009 insgesamt 21 ausführliche Gespräche geführt – hauptsächlich mit den Besitzern der Vermögen. Die verwalteten Vermögen beliefen sich auf Werte von zehn Millionen bis zu 1,5 Milliarden Euro. Wichtigstes Ergebnis war für die Autoren, dass die Vermögens- und Investitionsstrukturen der Family Investors so individuell und vielgestaltig waren, wie die Familien und ihre Unternehmen selbst. Letztlich identifizierte man jedoch drei Grundmodelle: der Deal Investor, das Family Office und die Industrie-Holding: „Diese Grundmuster prägen auch das Investitionsverhalten. Typische Investitionsprämissen lassen sich den drei Modellen zuordnen“, so Lehmann-Tolkmitt. „Das gilt insbesondere für den Anteil der Direktbeteiligungen, den unternehmerischen Gestaltungswillen sowie die Professionalisierung der Organisationsstrukturen.“

Deal Investor

Für sehr unternehmerisch geprägte Investoren

Family Office

Unternehmerfamilien, die der klassischen Vermögensverwaltung einen höheren Stellenwert geben als unternehmerischen Engagments.

Industrie-Holding

Zielgerichteter Aufbau einer unternehmerisch geprägten Beteiligungsgesellschaft

Die Ziele der Family Investors für sich selbst

Häufig erfolgt die Wandlung vom Familienunternehmen zum Family Investor im Zuge der Nachfolgeregelung. Wenn kein Nachfolger in Sicht ist, dynastische Konflikte drohen oder das Unternehmen aus strategischen Erwägungen heraus nicht mehr komplett oder gar nicht weitergeführt und liquidiert werden soll, bleibt Vermögen übrig, mit dem etwas geschehen muss. Vermögenserhalt ist also ein großes Thema, wenn es um die Family Investors geht. Außerdem natürlich Risikodiversifikation, der unternehmerische Gestaltungswille und der Erhalt familiärer Wert und Einflusses. 15 der Befragten nannten den Vermögenserhalt als Ziel der Vermögensanlage. Das primär finanzielle Ziel wurde nur von acht Befragten genannt.

Kontrollwunsch

„Einmal Unternehmer, immer Unternehmer“ könnte man sagen, wenn man sieht, das annährend drei Viertel der Befragten eine klare Mehrheitsbeteiligung anstreben. Das entspricht der Vorstellung, das Unternehmen langfristig zu begleiten und starken Einfluss zu nehmen. Fast 80 Prozent der Familien begleiten ihre Investments verhältnismäßig eng und suchen eine direkte operative Einbindung. Diesem Wunsch entspricht auch die Erkenntnis, dass gerade die Deal Investors (die einzelnen Unternehmer) vorzugsweise in einer Branche investieren, in der sie sich auskennen. Auch das Geschäftsmodell und das Management werden genau geprüft. Schließlich kennen Familienunternehmer die Fallstricke aus eigener Anschauung.

Nur ein Fünftel der befragten Familien ist mit einer gering ausgeprägten Begleitung der Unternehmen zufrieden, in die investiert wird. Dabei handelt es sich ausnahmslos um Familien, die bei ihren Investments primär finanzielle Ziele verfolgen.

6 Tipps, damit das Investment erfolgreich wird

1. Chancen neuer Modelle erkennen

2. Eigene Ziele und Modell definieren

3. Familie einbinden

4. Erfolgsfaktoren nutzen

5. Externen Rat einholen

6. Ausreichend Zeit nehmen

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