Aktuelles
13. April 2010

Projektmanagement – Defizite im Mittelstand

Von den Unternehmen wird heute immer mehr Flexibilität verlangt. Deshalb nimmt die Projektarbeit einen stetig wachsenden Raum ein. Viele Vorhaben werden in Form von Projekten durchgeführt, Tendenz steigend. Das heißt, dass Wettbewerbsfähigkeit und Unternehmenserfolg zunehmend von der Qualität des Projektmanagements abhängen werden. Eine Studie zeigt jedoch, dass gerade die mittelständischen Unternehmen die Wichtigkeit eines professionellen Projektmanagements unterschätzen.

Die Autoren der Studie, Regina Kern von der Haufe-Akademie und Prof. Dr. Johann Nagengast von der Hochschule Deggendorf, haben sich für die Studie bewusst auf mittelständische Unternehmen der Größenordnung 100 bis 1.000 Mitarbeiter fokussiert. Schließlich, so die Autoren, „werden über 40 Prozent der innerdeutschen Nettowertschöpfung in Betrieben dieser Größe erwirtschaftet.“ Zwei Fragen standen im Mittelpunkt: Zum einen, inwieweit es dem Mittelstand inzwischen gelungen ist, Projektmanagement als Organisationsform und Methode im betrieblichen Alltag zu verankern. Zum anderen, wie es um die spezielle Qualifikation von Projektmitarbeitern und –leitern bestellt ist. Gleich vorneweg: Nicht zum Besten.

Hierarchische Strukturen contra erfolgreiche Projektarbeit

„Der deutsche Mittelstand ist überwiegend hierarchisch in Linienstrukturen organisiert“, schreiben die Autoren. „Bei der Ernennung von Projektleitern geben daher hauptsächlich Vorgesetztenentscheidungen den Ausschlag, erst dann geht es auch um die persönliche Eignung der Kandidaten.“ Obwohl bei 55,7 Prozent der befragten Unternehmen über zehn Projekte gleichzeitig bearbeitet wurden, dominierte auch dort die Linienorganisation. Die Linien- oder Stab-/Linien-Organisation war in 59,2 Prozent der Unternehmen vorherrschend. Fachleute gehen jedoch davon aus, dass Projektarbeit nur dann wirklich gedeihen kann, wenn sie im Umfeld einer Matrixorganisation stattfindet.

Verschwendung durch fehlende Methodik

Die Studie hat auch gezeigt, dass mittelständisches Projektmanagement einen relativ niedrigen Grad an Methodennutzung aufweist. Dadurch werden mitunter Ressourcen verschwendet, weil das „Wissen um Effizienzsteigerung durch den Einsatz einer Projektmanagement-Methode nicht vorhanden ist oder nicht genutzt wird“, heißt es in der Studie. Der Erfolg von Projekten wird zudem überwiegend nur im Hinblick auf Ziele, Inhalt und zeitliche Fristen betrachtet. Budget, die Einmaligkeit, die Innovation und die übergreifende Zusammenarbeit werden vernachlässigt. Die fehlende Qualifikation der Projektteilnehmer und –leiter führt zu Ressourcenverschwendung. Doch das Interesse an der notwendigen Qualifizierung scheint, wenn man der Studie folgt, relativ gering ausgeprägt.

Qualifizierung nötig

Bernhard Berning ist Inhaber von Consens Unternehmerberater.

Unternehmerberater Bernhard Berning unterstreicht die Nachteile mangelnder Qualifizierung: „Das Bewusstsein der Unternehmer dafür, welche Erfolgssteigerungen durch richtiges Projektmanagement möglich sind, ist relativ gering.“. Dabei könne man sich dadurch nicht nur einen Vorsprung in globalisierten Märkten verschaffen, sondern auch einen Vorsprung bei der Krisenbewältigung. „Mit professionellem Projektmanagement lassen sich Synergien und Innovationen erzielen, Aufbruchstimmung, Initiative und Zuversicht entwickeln.“

Nach Bernings Verständnis umfasst Projektmanagement die Planung, Steuerung und Kontrolle von Projekten, der dazu notwendigen Aktivitäten und die hierfür erforderliche projektorientierte Führung. Außerdem seien die Elemente Zieldefinition und -formulierung, Situations- und Problemanalyse, Lösungsalternativen und -auswahl, Entscheidung, Maßnahmenplanung und – durchführung, die Steuerung und Kontrolle für Zeit, Termine und Kosten erforderlich. „Je nach Umfang, Inhalt und Ziel gestalten sich Projektpläne in Teilprojekte oder Projektphasen mit Arbeitspaketen und Meilensteinen, so der Berater. „Diese definieren ein terminlich abgeschlossenes Teilziel. Zur Steuerung der Abwicklung werden die zeitlichen und inhaltlichen Abhängigkeiten einzelner Phasen oder Aktivitäten in so genannten Projektstrukturplänen oder Netzplänen dargestellt.“

Projektmanagement-Berater Sven Opitz
ist Mitveranstalter der Zukunftskonferenz.

Die Kostenplanung, -einhaltung und –kontrolle spiele während der gesamten Projektlaufzeit eine entscheidende Rolle. Eine der wichtigsten Aufgaben sei die projektorientierte Führung. Sie müsse die Führung interner Mitarbeiter (auch aus unterschiedlichen Fachabteilungen) und externer Mitarbeiter, der Kunden und Fremdfirmen sowie deren unterschiedlichste Interessen integrieren. „Erfolgreiches Projektmanagement ist damit einer der wesentlichen Aufgaben der gesamten Unternehmensführung und der Unternehmensstrategie“, ist Berning überzeugt. „Es erfordert ganzheitliche Führung, Einbeziehung der Mitarbeiter und führt zu Krisensicherheit und unschlagbaren Wettbewerbsvorteilen.“

Zusammen mit seinem Kollegen, dem Projektmanagement-Berater Sven Opitz, führt Berning am 16. Juli 2010 im Hotel Pyramide in Fürth die „Zukunftskonferenz – Erfolgsfaktor Projektmanagement im Mittelstand“ durch. Geschäftsführer und Vorstände sowie Verantwortliche für Projektmanagement von mittelständischen Unternehmen sollen hier nicht nur Vorträge hören, sondern gemeinsam neue Ideen, Projekte und Maßnahmen für ihre Unternehmen entwickeln.

www.mensch-system-erfolg.de/zukunftskonferenz/