Aktuelles
10. Oktober 2010

IFRS-SME wird Familienunternehmen nicht gerecht

Ein Gewand, das keinem passt

IFRS-SME wird Familienunternehmen nicht gerecht

Redaktion: Sie zählen zu den schärfsten Kritikern der IFRS-SME. Was stört Sie?

Frank Reuther: Es ist nicht klar definiert, für wen dieser Standard überhaupt gedacht ist – angeblich für kleine und mittelgroße Unternehmen, die nicht börsennotiert sind. Das betrifft in Deutschland die Mehrzahl der Familienunternehmen. Als Modell wird ein Unternehmen mit 10 Millionen Euro Umsatz genannt. Die Vielfalt der deutschen Familienunternehmen kann damit jedoch nicht abgebildet werden. Für die einen ist dieser Standard viel zu aufwändig, für die anderen geht er nicht weit genug.

Nehmen Sie als Beispiel die Freudenberg-Gruppe. Wir haben uns entschieden, nach Voll-IFRS zu bilanzieren, weil wir weltweit aufgestellt sind und dadurch eine international vergleichbare Bilanz vorlegen können. Viele kleinere Unternehmen brauchen diese internationale Vergleichbarkeit nicht bzw. es würde ihnen gar nichts nützen, weil zum Beispiel in den USA nicht kapitalmarktnotierte Unternehmen gar nicht veröffentlichen müssen. Würden wir dagegen zur Bilanzierung nach IFRS-SME gezwungen, würden wir dadurch die Vergleichbarkeit wieder verlieren.

Außerdem fehlte meiner Meinung nach im IASB die Kompetenz, Standards für kleine und mittlere Unternehmen zu entwickeln.

Redaktion: Die Standards wurden vom internationalen Bilanzierungsgremium IASB in London entwickelt, das auch für die Voll-IFRS verantwortlich zeichnet, nach denen Sie bilanzieren. Weshalb sollte es an Kompetenz mangeln?

Frank Reuther: Das IASB ein privater Verein, in dem überwiegend Vertreter internationaler Wirtschaftsprüfungsgesellschaften, Banken und Versicherungen sitzen. Das verleiht ihnen sicherlich Kompetenz, wenn es um Standards für kapitalmarktorientierte Unternehmen geht. Die Familienunternehmen aber haben dort keinen einzigen Abgesandten. Deshalb spreche ich dem Gremium in Bezug auf SME die Kompetenz ab.

Redaktion: Trotzdem liebäugelt die EU mit der Idee, die IFRS-SME zu übernehmen. Was würde das für Deutschland bedeuten?

Frank Reuther: Der EU geht es um einheitliche Rechnungslegung in der Gemeinschaft. Die IFRS für SME würden eine Lücke schließen und die EU könnte sich die aufwändige Entwicklung eigener Standards sparen. Das ist verständlich. Dadurch bestünde allerdings die Gefahr, dass die Wahlfreiheit der Bilanzierung nach HGB mit dem Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz und Voll-IFRS durch die Hintertür gekippt würde, wenn IFRS-SME sich als faktischer Standard durchsetzen würde.

www.vmebf.de