Aktuelles
16. Oktober 2010

Vermögensverwaltung: Neue Strategien nötig

Unternehmen sichern, Vermögen mehren

Armin Eiche ist bei der Deutschen Bank in
Stuttgart verantwortlich für Private Wealth Management.

Die Globalisierung macht auch vor der Geldanlage und der Vermögensverwaltung nicht halt. Der Anleger selbst ist dem kaum noch gewachsen, vor allem dann nicht, wenn es um ein größeres Vermögen geht, das mit Unternehmensbesitz verbunden ist. Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat ein Übriges zur Verunsicherung der Anleger beigetragen. Große Vermögen werden deshalb zunehmend von Banken betreut, die auf ein globales Netzwerk von Experten und Spezialisten für die einzelnen Segmente des Anlagemarkts sowie Juristen und Steuerberater zurückgreifen können.

Trend zum Mandatsgeschäft

„Die Anleger sind angesichts volatiler Märkte vorsichtiger geworden“, sagt Armin Eiche, bei der Deutschen Bank in Stuttgart verantwortlich für Private Wealth Management und Vorsitzender der Geschäftsleitung Region Württemberg. „Zusätzlich verunsichern die immer kürzeren Abstände, in denen Krisen stattfinden.“ Die historische Aufteilung des Anlagevermögens in Aktien, Renten und Liquidität funktioniere nicht mehr so einfach. In den meisten Vermögen gebe es zu wenig Assetklassen. „Währungen als Sicherungsinstrument werden zum Beispiel unterschätzt“, so Eiche. „Viele Depots sind außerdem zu Europa- oder Deutschlandlastig. Einige europäische Länder sind noch weit davon entfernt, die Krise zu überwinden. Es wäre besser, den Blick auf die Emerging Markets oder auch Commodities, also Rohstoffe, zu richten. Wer einen Teil seines Vermögens in Rohstoffe investiert hatte, hat die Auswirkungen der Krise besser abgefedert.“

Eiche sieht bei vielen Groß-Anlegern eine deutliche Notwendigkeit für eine strategische Neuausrichtung. Doch dazu bedürfe es der Expertise. „Nehmen Sie als Beispiel die Emerging Markets, die Schwellenländer. Wer in Aktien dieser Länder investieren möchte, muss nicht nur über die Substanz und die Aussichten der einzelnen Länder Bescheid wissen, sondern auch über das politische und das Währungsrisiko. Außerdem braucht er ein Verständnis der Unternehmen, in denen er sein Geld anlegen möchte, und deren Unternehmensrisiko“, erklärt der Bankier. „Selbst unsere Experten und Fondsmanager in Deutschland tun sich damit schwer, doch wir können auf unsere Fachleute vor Ort zurückgreifen, die mit den Märkten bestens vertraut sind. Gerade für Anleger mit großen Vermögen lohnt es sich deshalb, ein Mandat an eine Bank zu vergeben.“

Strategie für Unternehmen und Vermögen

Unternehmer sehen sich bei der Verwaltung ihres Vermögens einer besonderen Verantwortung gegenüber, denn es geht nicht nur um den Erhalt und die Mehrung des Vermögens, sondern auch um den Erhalt und Schutz des Unternehmens. Dies bedingt, dass sich eine ständige Notwendigkeit zur Anpassung ergibt, zum Beispiel wenn es um die Ordnung des Erbes oder die Nachfolge geht. Deshalb ist eine strategische Ausrichtung der Vermögensverwaltung unabdingbar.

„Am Anfang jeder strategischen Neuausrichtung sollte eine umfassende Finanzanalyse stehen“, empfiehlt Eiche. „Das Unternehmen bzw. die Beteiligung wird dabei als eine Art Aktie betrachtet. Zentraler Punkt für die daraus folgende Entwicklung der Strategie muss die Zielsetzung des Unternehmers für sein Vermögen sein, inklusive besonderer Entwicklungen im Unternehmen wie Nachfolge und der möglichen Abweichungen vom Plan. Dabei müssen unbedingt die Cashflows der Zukunft miteinbezogen werden. Eine strategische Diskussion sollte sich nicht an der Vergangenheit orientieren.“ Am Ende der strategischen Überlegungen stehe meistens die Neuausrichtung des Portfolios. Hier müssten angesichts der komplexen Märkte und Möglichkeiten versierte Portfoliomanager ins Spiel kommen sowie Experten für die einzelnen Bereiche wie Stiftungsberater oder auch Kunstfachleute. „Die Stiftung als Möglichkeit der Werterhaltung von Unternehmen und Privatvermögen gewinnt immer mehr Freunde“, so Eiche. „Doch damit eine Stiftung wirklich den beabsichtigten Zweck erfüllt, geht es nicht ohne versierte Fachleute, die alle Aspekte der Gründung und Führung einer Stiftung abdecken.“

Transparenz mindert Risiko

Ähnlich einer Unternehmensstrategie muss auch die Anlagestrategie immer wieder den Entwicklungen angepasst werden. Dazu ist es sinnvoll, wenn alle Anlagen und Maßnahmen stets abrufbar sind. „Ein Unternehmer oder vermögender Privatanleger arbeitet meistens mit mehreren Banken zusammen. Damit er stets über alle Assets und Entwicklungen informiert ist, empfehlen wir ein so genanntes Overlay-Management, eine Absicherung bei einer Bank über alle Portfolien“, sagt der Deutsche-Bank-Manager. „Wir haben dafür eine Bankenübergreifende Plattform geschaffen, über die der Kunde jederzeit Zugriff auf alle Depotwerte, auch die bei anderen Banken, hat. Der Kunde entscheidet, wer zugriffsberechtigt ist.“ Durch diese Transparenz könne man zum Beispiel im Krisenfall fiel schneller reagieren. Das Risiko liege nämlich nicht nur in den Assetklassen, sondern gehe tiefer. Oft verbergen sich bestimmte Risiken auch in Fonds, deren Zusammensetzung dem Anleger meistens nicht im Detail bekannt ist. Die Plattform bietet die Möglichkeit, in solchen Fällen schnell Transparenz zu schaffen.“

Sie eignet sich besonders für Unternehmen, kirchliche Einrichtungen, Stiftungen, Versorgungswerke und vermögende Privatkunden. „Wie alle unsere Beratungsleistungen funktioniert sie nach dem Baukasten-Prinzip. Der Kunde entscheidet je nach Bedarf, welche Dienstleistung er in Anspruch nehmen möchte,“ erklärt Eiche. Das Beratungsangebot umfasst dabei ein breites Themenspektrum wie beispielsweise professionelles Portfoliomanagement, Nachlassmanagement, Stiftungsverwaltung, Kunstexpertise oder auch die Betrachtung steuerlicher Sondersituationen wie im Falle verschiedener Staatsangehörigkeiten der Familienmitglieder. „Wir möchten damit dem Kunden die Möglichkeiten einer langfristigen Anlagestrategie geben, bei der kurzfristiges Handeln dank einer hohen Transparenz und Expertise jederzeit möglich ist.“.