Aktuelles
21. November 2010

Wissensmanagement fördert Innovation

Der Autor dieses Beitrags, Matthias Nolden, ist selbstständiger Unternehmensberater, u.a. mit den
Schwerpunkten Strategieimplementierung, Innovationsmanagement und Vertriebsprozesse.

Zwei Themen werden die Zukunft des Wirtschaftsstandortes Deutschland mitbestimmen: der zunehmende Fachkräftemangel und die Herausforderung, aus vielversprechenden Ideen erfolgreiche und profitable Produkte und Dienstleistungen am Markt zu platzieren. Aktiv praktiziertes Wissensmanagement kann helfen, die aktuellen Herausforderungen zu meistern.

Eine Volkswirtschaft kann nur wachsen, wenn schlaue Köpfe neue Produkte erfinden, innovative Dienstleistungen anbieten oder dazu beitragen, dass Güter effizienter bzw. preiswerter gefertigt werden können. In den nächsten Jahren wird der Bedarf an Akademikern allein schon aufgrund des Innovationsdruck und des Beschäftigungsstrukturwandel weiter steigen.

Laut einer aktuellen Studie der Kultusminister haben nur etwas 20 Prozent der Erwerbstätigen in Deutschland zwischen 30 und 65 Jahren einen Hochschulabschluss. Somit werden bis 2024 nach heutigem Stand fast 50 Prozent der Akademiker frisch von den Hochschulen kommen und in das Arbeitsleben einsteigen. Das heißt im Umkehrschluss, dass 50 Prozent der heutigen Know-how- und Erfahrungsträger in etwa zehn Jahren anfangen, in Rente zu gehen.

Eine weitere Studie der Ruhr-Universität Bochum besagt, dass die Deutschen zwar Weltmeister in der Ideengenerierung sind, aber die wirklichen „Big Ideas“ oft nicht erkennen. Von 100 Produktideen, die für verfolgungswürdig erachtet werden, schaffen es gerade einmal 13 bis zur Markteinführung. Die Hälfte davon verschwindet sogar relativ schnell wieder vom Markt, weil sie nicht erfolgreich sind.

Wissen teilen, Fachkräfte aufbauen

Was sind die Gründe dafür? Es werden vielversprechende Ideen nicht erkannt, Ressourcen in Projekte gesteckt, die wenig zukunftsträchtig sind und es fehlt den Führungskräften die Zeit, um sich mit den kreativen Ideen ihrer Mitarbeiter auseinanderzusetzen.

Professor Dr. Martin Kaschny von der Fachhochschule Koblenz geht sogar noch weiter: Die Probleme und Hemmnisse bei der Umsetzung von Ideen seien vielfältig, angefangen bei Quantität und Qualität des Personals, über fehlende Strategie, unzureichende technische Ressourcen, fehlende finanzielle Mittel, suboptimale Prozesse bis hin zu einer innovationskritischen Unternehmenskultur, die wenig offen sei für Neuerungen und in der Fehler nicht als Chancen gesehen würden. Ein Innovationsaudit könnte nach Ansicht von Kaschny Abhilfe schaffen.

Vor dem Hintergrund, dass die geburtenstarken Jahrgänge (1960er) in nicht allzu ferner Zukunft in den Ruhestand gehen, muss es das Ziel sein, das vorhandene Know-how weiterzugeben Sind die Mitarbeiter erst mal weg, ist in der Regel auch das Wissen verloren.

Der Mitarbeiter muss aber nicht einmal das Unternehmen verlassen. Eine banale Krankheit kann schon dafür sorgen, dass sein Wissen temporär nicht verfügbar ist.

Wissensmanagement lässt sich nicht allein durch den Einsatz eines Tools praktizieren. So können gemeinsame Gruppenlaufwerke zwar erste Ansatzpunkte sein, um Wissen zu teilen. Üblicherweise werden wichtige Informationen jedoch oft nur lokal gespeichert.

Viel wichtiger sind die Unternehmenskultur und damit auch die persönliche Kommunikation unter den Mitarbeitern. Wissensaustausch bzw. -transfer kann nur stattfinden, wenn die Mitarbeiter auch über die notwendigen Freiräume verfügen. Wir haben alle schon die Erfahrung gemacht, dass oft wichtige Informationen an der Kaffeemaschine ausgetauscht werden. Nur, wenn der Arbeitsdruck so groß ist, dass für eine gelegentliche Kaffeepause keine Zeit ist, dann können diese Informationen nicht fließen.

Netzwerke für mehr Wertschöpfung

Ganz wichtig in diesem Zusammenhang sind auch Netzwerke. Diese können die Wissensnutzung und die eigenen Fähigkeiten entscheidend fördern.

So zeigen die Ergebnisse des Fraunhofer-Projekts „IMP3rove“ eindeutig, dass die „Wachstumschampions“ ihren Erfolg einer offenen Wertschöpfung verdanken: Stark vernetzte Vorreiter, die diverse Partner über den gesamten Innovationsprozess hinweg einbinden, machen mehr als 25 Prozent ihres Umsatzes aus Produkt- und Dienstleistungsinnovationen, die jünger sind als drei Jahre. Im Vergleich dazu sind es nur etwa zehn Prozent bei den weniger vernetzten Unternehmen. Dieser Vorsprung wirkt sich direkt auf ein mehr als doppelt so schnelles Wachstum aus: Die Umsatzsteigerung im Durchschnitt der letzten vier Jahre liegt bei sieben Prozent bei den stark vernetzten Unternehmen, beziehungsweise bei nur drei Prozent bei den weniger stark vernetzten Unternehmen.

Audit für mehr erfolgreiche Innovationen

Bei allen Themen ist es so, dass Verbesserungen erst dann zielgerichtet angegangen werden können, wenn Ausgangspunkt und Ziel bekannt sind. Genauso verhält es sich auch beim Thema Innovationsfähigkeit. Wo steht mein Unternehmen bei Thema Innovationen, wo sind die Stärken und wo die Schwächen, an denen ich arbeiten möchte? Um dies festzustellen, gibt es so genannte Innovationsaudits in unterschiedlichen Ausprägungen. Wichtig ist, dass in einer solchen Untersuchung nicht nur die üblichen Themen wie Technologie, Patente und Entwicklungsprozesse untersucht werden, sondern auch die Themen Markt und Wettbewerb, Budgets für Innovationen sowie Unternehmenskultur, Einsatz von Wissensmanagement und Motivation / Ausbildung der Mitarbeiter. Erst dadurch erhält man einen umfassenden und ganzheitlichen Überblick über die Unternehmensaktivitäten. Ebenso wichtig ist, dass das Innovationsaudit eine aussagekräftige und nachvollziehbare Bewertung der aktuellen Bemühungen aufzeigt. Nur so besteht eine Chance, mit eigenen Ressourcen und/oder mit externer Unterstützung die Verbesserungspotenziale zu erkennen und umzusetzen.

Eine Methodik für ein solches Innovationsaudit hat der Autor selbst entwickelt. In diesem Ansatz werden alle oben genannten Themen behandelt und untersucht. Somit entsteht eine umfassende und ganzheitliche Bestandsaufnahme. Aufgrund der Methodik ergeben sich schon bei der Durchsprache eines strukturierten Fragebogens konkrete Ansatzpunkte und Handlungsvorschläge. Dabei ist die Struktur des Fragebogens so angelegt, dass die Analysephase einfach und mit minimalem Aufwand abläuft. Letztlich basieren die Fragestellungen auf langjährigen Erfahrungen mit diversen Unternehmen in Bezug auf die Innovationsfähigkeit.

www.wachstumsmacher.de

In der Dezemberausgabe der News befasst sich das Titelthema ausführlich mit dem Thema Fachkräftemangel. Die Ausgabe erscheint am 10. Dezember.