Aktuelles
10. Dezember 2010

Jahresausblick für die Finanzmärkte 2011

Jahresausblick für die Finanzmärkte 2011:

Armin Eiche, Deutsche Bank, zu den Finanzmärkten im neuen Jahr.

Der fundamentale Hintergrund für die Finanzmärkte in 2011 sieht nach Meinung der Deutschen Bank freundlich aus: kräftiges Weltwirtschaftswachstum nahe vier Prozent, moderate Inflationsraten in den Industrieländern und eine großzügige Liquiditätsversorgung. Dennoch rät Armin Eiche, Mitglied der Geschäftsleitung der Deutschen Bank in Stuttgart und verantwortlich für das Private Wealth Management in der Region, zur differenzierten Betrachtung der Märkte.

„Zwischen den einzelnen Regionen und Ländern gibt es erhebliche Unterschiede. Die Schere zwischen dem dynamischen Wachstum der Schwellenländer, beispielsweise in Asien, und den niedrigeren Wachstumsraten der entwickelten Länder ist beachtlich“, so der Experte. Auch innerhalb der Eurozone werden die Unterschiede immer deutlicher, wie zwischen der robust wachsenden deutschen Wirtschaft und überschuldeten Peripheriestaaten wie Irland oder Portugal.

Internationale Geld- und Fiskalpolitik im Auge behalten

Die internationalen Kapitalmärkte schauen auf die Geld- und Fiskalpolitik der Länder, also auf Maßnahmen der Notenbanken sowie wirtschaftspolitische Entscheidungen der Regierungen zu Steuern und Staatsausgaben. Im nächsten Jahr stehen einschneidende Weichenstellungen bevor, die den Ausblick auf die Rentenmärkte erschweren. Daher empfiehlt Armin Eiche: „Bei der Vermögensanlage in Renten sollten Anleger auf Flexibilität setzen, um ihr Portfolio an geänderte Rahmenbedingungen anpassen zu können.“ Auch wenn die Inflationserwartungen in der Eurozone weiterhin niedrig bleiben dürften, möchte die Europäische Zentralbank EZB die liquiditätsschaffenden Maßnahmen nicht länger als notwendig beibehalten. Die amerikanische Notenbank Fed dürfte dagegen eher länger bei einer expansiven Geldpolitik bleiben. Spätestens im Laufe des zweiten Halbjahres 2011 könnte aber ein Ende dieser Maßnahmen absehbar sein.

Die Fiskalpolitik hat ebenfalls entscheidenden Einfluss auf die Finanzmärkte in 2011. Ob und wie stark in den USA der Schuldenaufbau gebremst wird, dürfte von der Konjunkturentwicklung abhängen. In der Eurozone müssen die Regierungen die politischen Weichen für den Stabilitätspakt und den Umgang mit zahlungsunfähigen Banken und Staaten stellen.

„Das dritte Jahr nach der Krise birgt also weiter Risiken, aber auch Chancen“, so Eiche. Nach einer Erholungsphase an den Aktienmärkten 2009/2010 gibt es auch in 2011 weiteres Aufwärtspotenzial. Die wirtschaftliche Erholung sowie erfolgreiche Restrukturierungsmaßnahmen sollten die Ertragsentwicklung der Unternehmen begünstigen. Dadurch bleiben die Aktienmärkte ebenso wie durch günstige Bewertungen und vergleichsweise hohe Ausschüttungen unterstützt. Allerdings dürfte sich die Entwicklung nach Ländern, Branchen und Unternehmen sehr unterschiedlich gestalten.

Die Deutsche Bank empfiehlt ihren vermögenden
Privatkunden in der Region Stuttgart aktuell folgende Aufteilung ihrer Geldanlagen

Der Ausblick 2011 für die einzelnen Anlageklassen im Überblick


Aktienmärkte der entwickelten Länder

Neben den oben genannten Faktoren profitieren die Aktienmärkte auf verschiedene Weise vom niedrigen Zinsumfeld: relative Attraktivität gegenüber Anleihen und anziehende Fusions- und Übernahmeaktivitäten. Eine verbesserte Liquiditätssituation und die positive Ertragsentwicklung sprechen für höhere Ausschüttungen. Die Deutsche Bank rechnet mit einem guten ersten Halbjahr für die Aktienmärkte und einer schwächeren, aber immer noch positiven Kursentwicklung im zweiten Halbjahr 2011.


Aktienmärkte Emerging Markets

Die bessere Wertentwicklung der Schwellenländer dürfte sich fortsetzten. Deutlich höheres Wirtschaftswachstum und bessere Fundamentaldaten als in den Industrieländern ermöglichen höhere Unternehmensgewinne. Die steigende Bedeutung der Konsumnachfrage reduziert die Abhängigkeit von der globalen Exportnachfrage.


Rentenmärkte

Zunächst dürfte die Unterstützung durch großzügige Liquiditätsversorgung der Zentralbanken, moderate Inflationserwartungen und die Aussicht auf eine Verlangsamung des Wirtschaftswachstums in 2011 anhalten. Gegenwind erwartet die Deutsche Bank im Laufe des Jahres von der beabsichtigten Normalisierung der Geldpolitik der EZB und im späteren Jahresverlauf von der Aussicht auf ein absehbares Ende der außergewöhnlichen Stützmaßnahmen der US Fed. An den Euro-Rentenmärkten ist mit hoher Volatilität zu rechnen.

Die Perspektiven für Unternehmensanleihen bleiben günstig, da Unternehmen zunehmend solide Bilanzen und deutlich höhere Gewinne aufweisen als in den Vorjahren.


Währungen

Hohe Schuldenstände der öffentlichen Haushalte in Industrieländern und notwendige fiskalpolitische Sparmaßnahmen begrenzen das Wachstumspotenzial und werden die Währungen dieser Länder belasten. Für das Verhältnis von Euro und US-Dollar ist aufgrund zahlreicher Belastungsfaktoren für beide Währungen mit einem volatilen Verlauf ohne klare Tendenz zu rechnen. Höhere Wachstumsraten, Zinsniveaus und Außenhandelsüberschüsse stützen hingegen die Währungen in Schwellenländern und lassen Aufwertungen erwarten.


Immobilien

Angesichts der weiteren Erholung der Mietmärkte und ihrer relativen Attraktivität gegenüber den Rentenmärkten sollten sich Immobilienanlagen auch im Jahr 2011 weiter positiv entwickeln. Allerdings ist damit zu rechnen, dass der Anstieg der Immobilienpreise 2011 insgesamt verhaltener ausfällt als in den vergangenen 18 Monaten, da ein Teil der weiteren Erholung der Mietmärkte bereits in den gegenwärtigen Immobilienpreisen berücksichtigt ist.


Rohstoffe

Bei etwas moderaterem globalem Wirtschaftswachstum dürfte auch die Dynamik der Rohstoffnachfrage nachlassen. Die Preise für konjunktursensitive Rohstoffe wie Energie und Industriemetalle dürften daher nur begrenztes Potenzial für weitere Anstiege aufweisen, bleiben aber weiter gut durch die Nachfrage aus den dynamisch wachsenden Emerging Markets abgesichert. Preisrückgänge sind erst zu erwarten, wenn sich ein Umschwenken zu einer geldpolitischen Verknappung durch die Fed oder EZB abzeichnen sollte. Dies gilt auch für den Goldpreis, da die Unsicherheiten in Zusammenhang mit den Anleihekäufen durch die Zentralbanken zuletzt ein wichtiger Treiber für den Goldpreisanstieg waren.


Hedge Fonds

Aktive Handelsstrategien können in einem weiterhin von erheblichen Risiken geprägten Marktumfeld einen Beitrag zur Portfoliostabilisierung leisten. Die Branche profitiert vom regen Interesse, insbesondere von institutioneller Anlegerseite. Der Weg hin zu regulierten Varianten erfolgreich agierender Hedgefonds ebnet den Weg für einen erweiterten Anlegerkreis und birgt entsprechendes Potenzial für weiteres Wachstum der Branche.