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11. Februar 2011

Facebook für kleine Familienunternehmen

Facebook für kleine Familienunternehmen

Die großen machen es vor, aber viele kleine Unternehmen tun sich schwer mit Social Media. Viele Verantwortliche wissen nicht so genau, was Social Media überhaupt ist oder sie zweifeln daran, dass sich der Aufwand lohnt. Bodo Schradi, Inhaber der „symweb GmbH“ in Leonberg, hat es selbst ausprobiert, denn Internet und alles, was dazu gehört ist sein Geschäft. In einem Facebook-Workshop hat er seine Kenntnisse und Einschätzungen an Unternehmer weitergegeben.

Für Schradi ist es keine Frage, dass Social Media, speziell Facebook, gerade kleinen Unternehmen enorme Chancen bei der Kundenakquise bieten. Immerhin seien in Deutschland bereits zwölf Millionen Menschen in Facebook aktiv, so der Internet-Spezialist. „Wenn man dann bedenkt, dass sich zwei Drittel aller Kunden von Empfehlungen und Kritiken von Freunden im Social Web beeinflussen lassen, bieten sich hier enorme Chancen. Ein Unternehmen kann sich kaum irgendwo sonst so schnell einem so großen Kreis von potenziellen Kunden bekannt machen.“ Allerdings müsse man schon wissen, was man tue und was man erreichen wolle.

Facebook statt Milchhäusle

Mit anschaulichen Bildern erklärte Schradi den Workshop-Teilnehmern, was es mit Facebook auf sich hat. Die Plattform sei im Grunde genommen das Milchhäusle oder der Dorfbrunnen vergangener Zeiten. Dort habe man sich getroffen und ausgetauscht, habe über nicht Anwesende getratscht und über Politik diskutiert. Diese Funktion habe mittlerweile für viele Menschen Facebook übernommen. Die Online-Plattform würde der gesellschaftlichen Entwicklung Rechnung tragen, denn längst seien Familie und Freunde über weit entfernte Orte oder gar Kontinente verteilt. „Facebook ermöglicht es uns, 24 Stunden online zu sein und die Beziehungen zu anderen Menschen aufrechtzuerhalten, egal wo man selbst ist oder die anderen gerade sind“, so der Internet-Spezialist. Zudem kostet eine Facebook-Seite weder einen Privatmenschen noch ein Unternehmen etwas. Über die sowieso angebotenen Funktionen kann man durch eine eigene Programmierung noch weit hinausgehen.

Wenn man sich früher ein neues Auto oder einen neuen Fernseher kaufen wollte, habe man darüber am Dorfbrunnen oder beim Bäcker mit Freunden und Bekannten gesprochen und sie nach ihren Erfahrungen mit Händlern und Marken befragt. „Das machen die Leute heute noch“, so Schradi, „aber eben online.“ Freunden vertraue man. Das Empfehlungsmarketing spiele eine immer größere Rolle.

Gewinnspiele und Kooperationen

Genau wie im realen Leben gebe es auch auf Facebook Möglichkeiten, den eigenen Bekanntheitsgrad am Anfang etwas anzuschieben. „Früher schenkte das Autohaus den Kindern bunte Luftballons, damit sich Kinder und Eltern positiv an das Geschäft erinnerten. Auf Facebook kann man mit Gewinnspielen arbeiten, um die Anzahl der ‚Freunde‘ zu steigern“, erklärte Schradi. „Ein Freund bringt im Schnitt 30 zusätzliche Kontakte. Wenn ich also 150 Kontakte habe, werden daraus 4.500.“

Schradi hat die Sache mit dem Gewinnspiel selbst ausprobiert. „Hier eröffnen sich auch Kooperationsmöglichkeiten mit Kunden und anderen Partnern. Das nutzt beiden. Wir haben als Preis zum Beispiel ein Produkt eines Kunden, ein Fahrrad, eingesetzt. Das hat hervorragend funktioniert.“ Nicht jede kleine Firma könne ausreichend viele Freunde hochziehen, aber über gemeinsame Aktionen wie Gewinnspiele könne man zusätzliche Reichweite generieren und zum Beispiel zu einer Veranstaltung viel mehr Menschen einladen, als man je durch Briefe und Flyer erreichen könne.

Ein gelungenes Facebook-Beispiel ist für Schradi die Seite der McDonald-Filiale in Leonberg. Die Filiale hat mittlerweile um die 5.000 Fans, Freunde oder Follower. Die können dort ihren Geburtstag hinterlegen. Der Filialchef gratuliert ihnen dann zum Geburtstag. Schradi ist begeistert über den Run, den diese kleine Geste ausgelöst hat.

Und natürlich gibt es bei Facebook auch die Möglichkeit, durch Werbung auf sich aufmerksam zu machen. Mit verschiedenen Selektionsmöglichkeiten kann man das Kundenprofil ziemlich genau eingrenzen. Bezahlt wird nach Klicks.

Fettnäpfchen vermeiden

Ein Engagement in Facebook ist nicht ohne Tücken. Zwar bietet die Plattform auch eine Vernetzung der Online-Aktivitäten mit Twitter, der Firmen-Website und anderen Netzwerken, aber das lohne sich nur „wenn man weiß, was man will“, sagt Schradi. Der Online-Auftritt eines Unternehmens sollte aus einem Guss sein und der Zweck klar. Außerdem müsse man sich der Fallstricke bewusst sein. „Die Online-Plattform ist ein offenes Netzwerk. Man kann nicht kontrollieren, was die anderen sagen. Das heißt, man muss auch mit Kritik umgehen können. Die User reagieren sehr sensibel auf Zensur und erwarten gerade von Unternehmen Ehrlichkeit. Wenn also ein Fehler passiert ist und sich Leute im Netzwerk dazu äußern, sollte man das auch zugeben und sich dafür entschuldigen.“

Am Besten eigne sich Facebook für kleine Unternehmen, die direkt mit dem Kunden zu tun hätten. Interessierten Unternehmern empfiehlt Schradi, zunächst einmal eine private Facebook-Seite anzulegen und daran zu üben. Später könne man die mit einem Unternehmensprofil und der Unternehmenswebsite verknüpfen. Übrigens hat für Privatpersonen auch die Anzahl der Freunde nicht nur positive Aspekte. Ab 5.000 Freunde gilt man als „öffentliche Person“ und kann deshalb die eigene Seite nicht mehr kontrollieren. Man kann zwar weiterhin darauf posten, aber nicht mehr darüber bestimmen, wen man als Freund haben möchte. Doch das sei alles halb so schlimm, meint Internet-Profi Schradi. „Sollte sich jemand rassistisch oder politisch extrem äußern, kann jeder das an Facebook melden. Die Betreiber sind verpflichtet, dafür zu sorgen, dass solche Äußerungen unterbunden werden.“

Symweb setzt die Facebook-Workshops fort. Informationen unter www.symweb.de