Aktuelles
28. März 2011

Global Compact – Werte weltweit fördern

Global Compact als Verpflichtung für Unternehmen, mehr zu tun

Seit über zehn Jahren gibt es Global Compact (GC) – eine freiwillige Initiative der Vereinigten Nationen, bei der sich Unternehmen verpflichten, universelle Prinzipien rund um Korruption, Arbeitsrechte, Menschenrechte und Umwelt weltweit einzuhalten. Mit der Mitgliedschaft im GC müssen die Unternehmen jedes Jahr einen Bericht vorlegen, in dem sie ihre Fortschritte im Bereich Nachhaltigkeit dokumentieren.

Rund 6.100 Unternehmen aus über 120 Ländern sind Mitglied des GC – in Deutschland gehören derzeit 140 Unternehmen zum Pakt. Darunter sind Großkonzerne wie Siemens, aber auch zahlreiche Familienunternehmen wie die Apetito AG. „Als erstes deutsches Lebensmittelunternehmen verpflichten wir uns damit, Nachhaltigkeitsprinzipien in unserer Organisation umzusetzen. Wir setzen dabei auf den höchsten Standard, den Global Compact“, sagte der Apetito-Vorstandsvorsitzende Andres Ruff bei der Unterzeichnung.

Jedes Mitglied verpflichtet sich, die zehn Prinzipien im täglichen Geschäft umzusetzen. Damit dies keine reinen Lippenbekenntnisse bleiben, müssen die Mitglieder jedes Jahr einen öffentlich zugänglichen Fortschrittsbericht vorlegen. In den ersten fünf Jahren nach dem Beitritt können sich die Unternehmen auf zwei Bereiche konzentrieren. Danach müssen sie zu allen Prinzipien schriftlich Stellung beziehen. Um den Unternehmen bei der Berichterstattung unter die Arme zu greifen, gibt es zu manchen Bereichen Leitfäden: So hilft der Leitfaden „Antikorruption“ den Unternehmen dabei, klare und vor allem messbare Indikatoren für ihre eigenen Antikorruptionsbemühungen zu entwickeln.

Wer nicht berichtet, fliegt raus

Die Erfahrung der vergangenen Jahr hat gezeigt, dass es einige beigetretene Unternehmen gibt, bei denen es mit ihrem Bekenntnis zu den Prinzipien des GC nicht weit her ist. Andere scheitern an mangelnden Ressourcen oder Kapazitäten. Kommen sie aber ihrer Verpflichtung, jährlich über ihre Forschritte zu berichten, nicht nach, droht ein Delisting. „Wir haben immer wieder betont, dass auch Unternehmen mit großen Herausforderungen und Konflikten einen Platz im Global Compact haben. Das ist allerdings nur dann vertretbar, wenn ein Wille zur kontinuierlichen Verbesserung zu erkennen ist“, unterstreicht Georg Kell, Executive Director des Global Compact. Vor diesem Hintergrund seien die Berichte der einzige Weg, tatsächliche Veränderung sichtbar zu machen und auf den öffentlichen Prüfstand zu stellen. „Aus diesem Grund haben wir im Jahr 2008 damit begonnen, Firmen für wiederholte Fristversäumnis aus dem Global Compact zu entfernen.“ Laut dem aktuellsten Bericht traf es im Februar 2011 über 50 Unternehmen – seit der Gründung vor zehn Jahren sind es über 2.000 Unternehmen. „Das ist sicherlich kein Grund zum Jubeln, aber ein wichtiger Schritt zu mehr Glaubwürdigkeit. Gleichzeitig wertet dies die Arbeit der anderen Unternehmen auf, die sich ernsthaft und mit teilweise beachtlichen strategischen Investitionen mit Umwelt- und Sozialfragen befassen und um wirklichen Fortschritt bemüht sind“, so Kell weiter.

Georg Kell, Leiter des UN-Global-Compact-Büros in
New York, sieht die Initiative auf einem guten Weg.

Von anderen lernen

Auf der ganzen Welt sind über die Jahre viele nationale und regionale GC-Netzwerke – auch in Deutschland – entstanden. Dort haben Unternehmen die Möglichkeit, ihre Erfahrungen auszutauschen, sich gegenseitig bei der Umsetzung der Global-Compact-Regeln zu unterstützten oder gemeinsam entsprechende Projekte umzusetzen. Auch Coachings werden angeboten. Zudem können Mitglieder ihrer Geschäftspraktiken, Erfahrungen und Erkenntnisse auf der deutschen Homepage des Global Compact publizieren. Best-Practice-Beispiele der Unternehmen finden sich auch im jährlich erscheinenden Global-Compact-Deutschland-Jahrbuch.

Es gibt aber auch kritische Stimmen zum Global Compact. So wird etwa bemängelt, dass die Aufnahmehürden für die Unternehmen zu niedrig seien. Zudem würde man beteiligte Unternehmen einerseits nicht nachweislich dazu verpflichten, soziale und ökologische Mindeststandards einzuhalten, andererseits würden diese aber vom guten Ruf der UNO profitieren. Einige Kritiker werfen den Verantwortlichen außerdem vor, dass die Berichte nicht auf ihren Wahrheitsgehalt hin überprüft würden.

www.globalcompact.de

Die 10 Prinzipien des Global Compact

Menschenrechte

Prinzip 1: Unternehmen sollen den Schutz der internationalen Menschenrechte innerhalb ihres Einflussbereichs unterstützen und achten und

Prinzip 2: sicherstellen, dass sie sich nicht an Menschenrechtsverletzungen mitschuldig machen.

Arbeitsnormen

Prinzip 3: Unternehmen sollen die Vereinigungsfreiheit und die wirksame Anerkennung des Rechts auf Kollektivverhandlungen wahren sowie ferner für

Prinzip 4: die Beseitigung aller Formen der Zwangsarbeit,

Prinzip 5: die Abschaffung der Kinderarbeit und

Prinzip 6: die Beseitigung von Diskriminierung bei Anstellung und Beschäftigung eintreten.

Umweltschutz

Prinzip 7: Unternehmen sollen im Umgang mit Umweltproblemen einen vorsorgenden Ansatz unterstützen,

Prinzip 8: Initiativen ergreifen, um ein größeres Verantwortungsbewusstsein für die Umwelt zu erzeugen, und

Prinzip 9: die Entwicklung und Verbreitung umweltfreundlicher Technologien fördern.

Korruptionsbekämpfung

Prinzip 10: Unternehmen sollen gegen alle Arten der Korruption eintreten, einschließlich Erpressung und Bestechung.