Aktuelles
25. März 2011

Interkulturelle Kompetenz gewinnt an Bedeutung

Dr. Wolfgang Holtkamp ist Dozent für Amerikanistik
in Stuttgart und Landeslehrpreisträger.

Unternehmen sind zunehmend global engagiert. Sie beschäftigen Mitarbeiter aus verschiedenen Nationen, unterhalten Tochtergesellschaften in anderen Ländern und Erdteilen und arbeiten mit Unternehmen aus anderen Ländern zusammen. Damit das funktioniert, sind Kenntnisse über die Sitten und Geschäftsgebräuche in anderen Kulturen unabdingbar. An der Universität Stuttgart befasst sich Dr. Wolfgang Holtkamp, Dozent für Amerikanistik, mit dem Thema interkulturelle Kompetenz. Die Redaktion sprach mit ihm über sein Projekt.

Redaktion: Sie arbeiten mit dem Xavier’s College in Mumbai und der Universität in St. Louis in einem interkulturellen Projekt zusammen. Würden Sie kurz schildern, worum es dabei geht?

Gruppenarbeit am St. Xavier’s College in Mumbai.

Dr. Holtkamp: Mit dem St. Xavier’s College besteht seit 2008 eine Kooperationsvereinbarung, die gemeinsame Online-Seminare und Exkursionsprojekte vorsieht. Diese Vereinbarung wurde im Rahmen des 40. Jahrestags der Städtepartnerschaft zwischen Stuttgart und Mumbai unterzeichnet. Im vergangenen Jahr konnte ich die St. Louis University für dieses Projekt interessieren. Anlass war der 50. Jahrestag der Städtepartnerschaft Stuttgarts mit St. Louis. Die Online-Seminare finden zu Themen aus dem Bereich „In Conversation with Globalization“ jeweils in den Wintersemestern statt und enden mit einer Projektwoche an einer der beteiligten Universitäten. Nach der Theorie, die in Einzel- und Gruppenarbeit themenweise online studiert wird, treffen sich alle Kursteilnehmer, um in internationaler Teamarbeit praktische Erfahrungen zum Thema zu erlangen. Von den drei Universitäten nehmen jeweils pro Seminar und Exkursion insgesamt 20 Studierende teil. Ich sehe die Universität Stuttgart als Teil der Stadt Stuttgart und möchte in der internationalen Arbeit daher Netzwerke zwischen den Bildungseinrichtungen einzelner Partnerstädte ausbauen bzw. herstellen.

Redaktion: Welche Rolle spielt Ihrer Meinung nach das Verständnis anderer Kulturen für die Unternehmen in Deutschland?

Studierende aus Stuttgart, Mumbai und St. Louis vor einer Buchhandlung.

Dr. Holtkamp: Einer Studie des Arbeitskreises Ingenieurausbildung im Zentralverband Elektrotechnik und Elektroindustrie (ZVEI) zufolge schätzen Unternehmen Auslandserfahrungen während des Studiums als sehr hoch ein. Personalchefs bewerten dabei ein Praktikum höher als eine Studienphase im Ausland. Ich sehe diese Unterteilung nicht so graduell: Wer im Studium Herausforderungen im Ausland gemeistert hat, sei es an der Partneruniversität oder im Praktikum, wird auch später im Unternehmen der internationalen Zusammenarbeit positiv gegenüberstehen und wertvolle Erfahrungen einbringen können.

Redaktion: Welche Auswirkungen hat es, wenn Unternehmen kein Verständnis für die Kulturen in anderen Ländern entwickeln?

Dr. Holtkamp: Für global agierende mittelständische Unternehmen sind Mitarbeiter, die eine interkulturelle Kompetenz aufweisen, sehr wertvoll. In einem Praktikum erschließen sich Denkweisen verschiedener Kulturen wie unterschiedliche Herangehensweisen bei Problemlösungen. Im Auslandsstudium werden der Horizont erweitert, neue Schwerpunkte gesetzt und Grundlagen für Netzwerke gelegt. Ich glaube nicht, dass Unternehmen auf Mitarbeiter verzichten können und wollen, die Eigenständigkeit, Kompetenz und Interesse an Neuem auch außerhalb Deutschlands bewiesen haben.

Redaktion: Inwiefern könnten Unternehmen Ihr Projekt unterstützen und von welchem Nutzen könnte Ihre Arbeit für Unternehmen sein?

Dr. Holtkamp: Im Online- und Exkursionsprojekt werden Theorie und Praxis miteinander verbunden. Das ist für Studierende geisteswissenschaftlicher Fächer, insbesondere der Sprachen, oft eine neue Erfahrung im Studium. Im Projekt interessieren globale (interkulturelle) Themen, die auch in Unternehmen eine Rolle spielen. Wenn diese benannt werden, können wir dafür Lösungsmöglichkeiten ermitteln und diese in die Unternehmen einbringen, zum Beispiel während eines Betriebspraktikums.

wolfgang.holtkamp@ilw.uni-stuttgart.de