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21. März 2011

Stiftungen frühzeitig auf den Weg bringen

Familienunternehmen:

Im Jahr 1989 gründete der heute 68-jährige Peter Pohlmann in Bergkamen die Firma Poco, die sich 2007 mit den Marken Domäne und Möbelix zusammenschloss und heute unter der Poco-Domäne Holding 89 Einrichtungshäuser und 6.000 Mitarbeiter versammelt. Der Umsatz wird in diesem Jahr die Milliardenschwelle überschreiten. Der Gründer hat sein Familienunternehmen frühzeitig in eine Doppelstiftung überführt und sich 2003 aus dem Tagesgeschäft in den Aufsichtsrat zurückgezogen. Mit den Familienunternehmer-News sprach er über die Gründung der Stiftung und seine Beweggründe.

Sie haben Ihr Unternehmen in eine Stiftung überführt, obwohl Sie drei Kinder haben. Was waren Ihre Gründe dafür?

Peter Pohlmann: Die Absicht dazu habe ich bereits im Alter von 55 Jahren mit mir herumgetragen, nachdem ich Reinhard Mohn kennengelernt hatte. Es hat mich tief beeindruckt, was er geschaffen hat. Er sagte, dass er das Unternehmen nicht für sich aufgebaut habe, sondern für seine Mitarbeiter, die ihn dabei unterstützt hätten.

Gemeinsam mit meinen Kindern habe ich überlegt, wie wir das unternehmerische Kapital langfristig sichern können. Außerdem wollte ich meinen Kindern die Möglichkeit geben, sich frei zu entwickeln. Damals war noch nicht abzusehen, welchen Weg sie einmal einschlagen würden. Meine Kinder haben selbst an den Verträgen für die Stiftung mitgearbeitet. Durch die Konstruktion haben wir als Unternehmerfamilie immer noch die Entscheidungshoheit. Die gemeinnützige Peter-Pohlmann-Stiftung, hält zwar 95 Prozent des Kapitals, aber die privatnützige Familienstiftung 95 Prozent der Stimmrechte. Unterhalb der Familienstiftung haben wir die Tripos GmbH angesiedelt. Meine Kinder führen heute diese Gesellschaft. Sie erhalten ein Geschäftsführergehalt und eine Gewinnbeteiligung von bis zu 50 Prozent.

Was passiert mit den Stimmrechten ihrer Kinder in der Familienstiftung in der nächsten Generation?

Sie können nicht vererbt werden. Meine Kinder können zwar jedes einen Nachfolger für sich benennen. Der muss aber von einem Beirat bestätigt werden.

Peter Pohlmann, Gründer von Poco, hat
sich frühzeitig mit dem Thema Stiftung befasst.

Weshalb haben Sie sich für eine Doppelstiftung entschieden?

Prof. Dr. Brun-Hagen Hennerkes hat mir seinerzeit dazu geraten. Nach den gesetzlichen Änderungen bei der Erbschaftsteuer ist diese Konstruktion jetzt nicht mehr unbedingt nötig. Die Gemeinnützigkeit war für mich sicherlich nicht der Hauptzweck der Stiftungserrichtung. Unser Unternehmen hat sich schon immer gemeinnützig engagiert, im Kunst- und Kulturbereich, bei der Ausbildung junger Menschen und am Institut für Familienunternehmen der privaten Universität Witten-Herdecke, deren Kuratoriumsvorsitzender ich heute bin. Seit 1992 verleihen wir den Poco-Preis für Handelsforschung. Außerdem unterstützen wir das von Bundesverdienstkreuzträger Murat Vural gegründete Chancenwerk, das sich besonders um Kinder mit Migrationshintergrund kümmert.

Wie profitiert die gemeinnützige Stiftung von den Erträgen des Unternehmens?

Ihr fließen die Erträge des Stiftungskapitals zu. Der Stiftung wurden von mir zwei Millionen Euro Stiftungskapital zur Verfügung gestellt. Da sie 95 Prozent des Kapitals hält, stehen ihr natürlich von allem, was ausgeschüttet wird, 95 Prozent zur Verfügung. Zusätzlich bekommt sie jedes Jahr einen festen Anteil aus den Erträgen der Tripos GmbH.

Manche Unternehmer behaupten, eine Stiftung sei eine freiwillige Enteignung. Wie sehen Sie das?

Wenn der Unternehmer oder die Familie davon ausgehen, dass alles Geld aus dem Unternehmen ihnen privat gehört, dann ist diese Sichtweise sicherlich richtig. Ich sehe mich jedoch nicht als Besitzer, sondern meine Aufgabe als Unternehmer ist es, das Unternehmen zu entwickeln. Mit der Stiftung kann ich das Unternehmen nicht nur vor dem Zugriff von Erben schützen, die sich das Geld privat aneignen möchten, sondern auch vor der Zersplitterung bei einer wachsenden Anzahl von Erben. Durch die Stiftung habe ich außerdem sichergestellt, dass Gewinne reinvestiert werden.

Welchen Ratschlag können Sie aus Ihrer Erfahrung Unternehmern geben, die eine Stiftung gründen möchten?

Am wichtigsten ist es, rechtzeitig mit der Familie über diese Absicht zu sprechen und innerhalb der Familie Klarheit zu schaffen. Eine Stiftung sollte ein gemeinsames Projekt sein. Doch letztlich hat jeder Unternehmer für die Nachfolge seine eigene Lösung. Ein Patentrezept gibt es nicht. Auf jeden Fall sollte man sich Zeit für eine ausführliche Beratung nehmen, durch Anwälte, Steuerberater und Stiftungsexperten, aber auch für den Austausch mit anderen Unternehmern. Gerade bei gemeinnützigen Stiftungen gibt es so viele Ideen, dass man leicht in Gefahr gerät, sich zu verzetteln. Dann fließt viel Geld in die Verwaltung, das anderweitig besser eingesetzt werden könnte. Im Wittener Institut für Familienunternehmen finden Unternehmen Expertenrat und unternehmerische Erfahrung zugleich. Auch ich persönlich bin dafür ansprechbar.

www.wifu.eu

In der März-Ausgabe der News dreht sich im Titelthema alles um Stiftungen.