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4. April 2011

Keine Revolution bei Traditionsmarke Dr. Oetker

Richard Oetker hat bei seinem Schritt an die Spitze des Familienunternehmens Kontinuität angekündigt und so ist es auch gekommen. Solide und schrittweise robbt sich die Gruppe voran, Revolutionen bleiben aus. Wenn Richard Oetker an diesem Dienstag, eineinviertel Jahre nach Amtsantritt, mal wieder vor die Presse tritt, wird er solide Zahlen vorstellen und von einem zufriedenstellenden Ergebnis sprechen, wie so oft.

Es geht zunächst um die Zahlen der Dr. Oetker GmbH, also Pizza, Pudding, Desserts und Backmischungen für den Privatkunden. Vor einem Jahr hatte Richard Oetker einen Geschäftsbericht vorgestellt, den noch sein Vorgänger und Bruder August zu verantworten hatte. Jetzt folgt der erste Bericht, der ganz auf Richard Oetkers Arbeit zurückgeht. Im April 2010 hatte Richard Oetker den Einstieg in das Tiefkühl-Pizzageschäft in Afrika verkündet. Passend zur bevorstehenden Fußball-Weltmeisterschaft wurde damals der südafrikanische Marktführer aufgekauft. Ende 2010 trennte sich Oetker vom Joghurtgeschäft. Die Schweizer Emmi-Gruppe übernahm die Markenrechte, das Oetker-Werk in Moers soll aber die Produkte weiterhin herstellen.

Anfang April wird auch die Übernahme des australischen Pizza-Herstellers Simplot wirksam. Simplot ist die Nr. 2 auf dem Tiefkühlpizza-Markt in Australien und Neuseeland. Damit hat das Familienunternehmen wie angekündigt auf allen fünf Kontinenten Fuß gefasst. Zuletzt wurde bekannt, dass Dr. Oetker erstmals in das Geschäft mit den Fertigkuchen einsteigen will. Ab Mai bekommen Platzhirsche wie Kuchenmeister in Soest und Bahlsen in Hannover Konkurrenz aus Bielefeld.

Eine Altlast ist offenbar das Verfahren des Kartellamts gegen die Konsumgüterhersteller Kraft Foods Deutschland, Unilever Deutschland und eben Dr. Oetker. Insgesamt 38 Millionen Euro sollen die Unternehmen zahlen, weil sie nach Überzeugung des Kartellamts über Jahre Informationen über geplante Preiserhöhungen und zu Verhandlungen mit Einzelhändlern ausgetauscht haben. Oetker schweigt dazu, will die Strafe aber zahlen.

Der 60-jährige Oetker will bis zur firmeninternen Altersgrenze von 65 an der Spitze der Gruppe bleiben. Das Amt sei keine Last, sagte er kürzlich in einem seiner seltenen Interviews. Es mache ihm Freude, so vielen Menschen Arbeit und Einkommen zu geben. Richard Oetker war im Dezember 1976 entführt und schwer verletzt worden. Der Entführer hatte auf der Suche nach einem reichen Opfer etwas über den jungen Mann in einem Wirtschaftsmagazin gelesen. Gegen ein Lösegeld von 21 Millionen Mark kam Richard Oetker frei, bis heute gezeichnet von schweren Verletzungen. 30 Jahre lang gab er keine Interviews, scheute die Öffentlichkeit.

Seit Anfang 2010 steht der Oldtimer-Fan und Vater zweiter Kinder an der Spitze der Oetker-Gruppe. Zu der gehören neben der Nahrungsmittel-Sparte auch die Containerflotte Hamburg Süd, das Bankhaus Lampe, eine Chemiefabrik, Luxushotels, die Radeberger-Gruppe mit Bier und „Bionade“, der Bereich Wein, Sekt („Metternich“, „Henkell“), Champagner und Wodka („Gorbatschow“) und die Douglas-Gruppe. Der Gesamtumsatz lag 2009 bei knapp acht Milliarden Euro. Die Gruppen-Bilanz für 2010 stellt Richard Oetker im Sommer vor. (Von Matthias Benirschke, dpa)