Aktuelles
18. Mai 2011

Familienunternehmen positiver gegenüber Finanzinvestoren

Andreas Schober und Jürgen von Wendorff
bei der Vorstellung der Studie.

Der Mittelstand ist selbstbewusst. Das zeigt eine Studie der Hannover Finanz Gruppe mit dem Titel „Wettbewerbsfähigkeit und Finanzierung im deutschen Mittelstand“. Die befragten Unternehmen sehen sich als sehr wettbewerbsfähig und international gut aufgestellt an, sind sich aber durchaus des steigenden Margendrucks und des zunehmenden Investitionsbedarfs bewusst. Angesichts dieses Hintergrunds ziehen auch Familienunternehmen zunehmend Finanzinvestoren als Finanzierungspartner in Betracht.

Nach den Ergebnissen der Studie, die gemeinsam mit „Markt und Mittelstand“ durchgeführt wurde, rechnen die Befragten mit einem stark erhöhten Kapitalmehrbedarf. 90 Prozent der befragten Unternehmen befürchten einen steigenden Margendruck in den kommenden fünf Jahren, knapp die Hälfte geht sogar von einer deutlichen Verschärfung aus. Der Investitionsbedarf wird nach Jahren der Zurückhaltung während der Wirtschafts- und Finanzkrise, nach Einschätzung der Studienteilnehmer massiv ansteigen. Obwohl sich alle Unternehmen, gleich welcher Sparte, egal ob Qualitäts- oder Preisführer, Spezialist oder Allrounder, über die anstehenden Marktveränderungen bis 2016 einig sind, lässt sich beobachten, dass Spezialisten, Innovatoren und Qualitätsführer jeweils mit deutlich stärkeren Veränderungen rechnen als ihre jeweiligen Counterparts.

Investition, Internationalisierung, Spezialisierung

Auf die Marktveränderungen reagieren die Unternehmen mit Maßnahmen auf breiter Front. Jeweils rund ein Drittel der Betriebe möchte die Internationalisierung vorantreiben und über die Weiterqualifikation der Mitarbeiter zusätzliche Potenziale heben. Auch Spezialisierung, Controlling und Vertrieb wollen jeweils mehr als 20 Prozent massiv ausbauen. Unternehmen, die bis 2016 mit einer deutlichen Zunahme ihrer Wettbewerbsfähigkeit rechnen, sind besonders engagiert. Sie treiben Internationalisierung und Spezialisierung weiter voran als der Durchschnitt, wollen ihre Kosten stärker senken, mehr neue Mitarbeiter einstellen. Rund 40 Prozent planen eine deutliche Ausweitung von Marketing und Vertrieb.

Über zwei Drittel der Unternehmen rechnen für die geplanten Wachstumsprojekte und Veränderungen insgesamt mit einem Kapitalmehrbedarf von mindestens einer Million Euro. Fast 30 Prozent erwarten sogar einen Mehrbedarf in Höhe von mindestens zehn Millionen Euro. Finanzieren wollen sie diesen Kapitalbedarf an erster Stelle über Gewinnthesaurierung sowie die Erhöhung bestehender Kreditlinien. Auch Gesellschafterdarlehen bleiben ein beliebtes Instrument im Mittelstand. Allerdings wollen immer mehr Mittelständler auf alternative Finanzierungsinstrumente wie Leasing oder Schuldscheindarlehen zurückgreifen. Auffällig ist, dass im Gegensatz zur bisherigen Finanzierungsstruktur, rund 20 Prozent der befragten Unternehmen den Einstieg eines Finanzinvestors in Erwägung ziehen.

Langer Atem in der Finanzierung

Dafür verantwortlich sind unter anderem die Befürchtungen einer zunehmenden Erschwernis der Kreditvergabe durch die weiter verstärkten Eigenkapitalanforderungen an die Banken (Basel III) sowie der erhöhte Investitionsbedarf. „Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass neben der Bodenständigkeit auch die Anpassungsfähigkeit zu den Stärken des deutschen Mittelstands gehört. Er hat sowohl die Krise als auch die zunehmende Internationalisierung durch seine Bereitschaft zur Erneuerung und seine Innovationskraft gemeistert“, kommentiert Andreas Schober, Vorstandssprecher der Hannover Finanz Gruppe, die Studie.

Die Gruppe, die in den soliden Mittelstand ab einer Umsatzgröße von 20 und bis zu 500 Millionen Euro investiert, sieht sich in ihrem Geschäftsmodell bestätigt. „Familienunternehmen geben einer Beteiligung als stiller oder Minderheitsgesellschafter den Vorzug. Eine möglichst lange Beteiligungsdauer und Branchenerfahrung sind ebenfalls positive Auswahlkriterien. Mit ihrem auf Langfristigkeit und mittelständische Bodenständigkeit ausgerichteten Geschäftsmodell liegt die Hannover Finanz Gruppe hier genau richtig“, sagt Schober. „Inhabergeführte Unternehmen und Unternehmerfamilien schätzen aber nicht nur unseren langen Atem, sondern auch die Expertise unseres interdisziplinären Teams, das bereit ist, die Innovationsbereitschaft mittelständischer Unternehmer mitzutragen.“

Das Interesse von Familienunternehmen zeigt sich an der Mitte 2010 eingegangenen Beteiligung an dem Dämmfolienhersteller „Faist ChemTec GmbH“ und an der Anfang 2011 realisierten Beteiligung an der „Biesterfeld VV GmbH & Co. KG“. Die Faist Chemtec ist aus der Foliensparte der insolventen Aksys-Gruppe hervorgegangen. Der Familienunternehmer Michael Faist erwarb die Sparte zusammen mit der Hannover Finanz, um einen neuen Mittelständler zu formen. Die Unternehmerfamilie der Firma Biesterfeld untermauert mit dem Kapital des Investors aus Hannover den für die Zukunft erwarteten Investitionsbedarf. „Auch für den weiteren Verlauf des Jahres 2011 erwarten wir interessante Abschlüsse“, sagt Vorstandsmitglied Jürgen von Wendorff. „Vor dem Hintergrund starker Umsatzzuwächse – insbesondere bei familiengeführten mittelständischen Unternehmen – sehen wir einen zunehmenden Bedarf an Wachstumsfinanzierungen zur Verbesserung der Eigenkapitalausstattung.“

www.hannoverfinanz.de