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16. Juni 2011

Familienunternehmen Underberg und Jägermeister expandieren

Underberg und Jägermeister expandieren

Kräuterschnaps als Exportschlager: Der Spirituosenhersteller Underberg setzt angesichts des schrumpfenden deutschen Heimatmarktes auf stark wachsende Geschäfte im Ausland. „Wir denken, dass die Eroberung weiterer Märkte außerhalb Deutschlands wichtig und zentral ist“, sagte die Miteigentümerin Hubertine Underberg-Ruder am Mittwoch in Rheinberg bei einer Präsentation anlässlich des 165. Firmen- und Markenjubiläums. Das Familienunternehmen wachse bereits zweistellig im Ausland.

Über die Hälfte des Gruppenumsatzes von etwa einer halben Milliarde Euro werde außerhalb des deutschen Heimatmarktes erzielt, erläuterte sie. Für die Stammmarke, den Magenbitter Underberg, sieht die Familie großes Potenzial beispielsweise in Brasilien, China und Russland. Gut ein Drittel der deutschen Underberg-Produktion geht bisher in den Export. Zur Underberg-Gruppe gehören unter anderem die österreichische Sektmarke Schlumberger und der ungarische Unicum.

Auch für den Konkurrenten Jägermeister spielt das Auslandsgeschäft eine gewichtige Rolle. Mit weltweit 84,6 Millionen verkauften 0,7-Liter-Flaschen meldete die Mast-Jägermeister SE im März für 2010 einen Rekordabsatz. Der Auslandsanteil beträgt mehr als 75 Prozent. Vor allem die Engländer hätten den Kräuterlikör entdeckt – der nunmehr drittgrößte Markt nach den USA und Deutschland. Zweistellige Zuwächse verzeichnete Jägermeister in Asien und Südamerika. Speziell in China, Südkorea und Mexiko konnte der Absatz deutlich gesteigert werden.

Underberg will bei seiner internationalen Expansion auch die Unternehmensanleihe von 50 Millionen Euro nutzen, die Anfang April an der Börse platziert wurde. Dabei gehe es in erster Linie um den Ausbau der bestehenden Aktivitäten, erläuterte die Vorsitzende der Aufsichtsgremien, Underberg-Ruder, die die fünfte Generation im Familienunternehmen vertritt. Zukäufe seien für Underberg zwar nicht ausgeschlossen, stünden aber beim Wachstum nicht im Vordergrund.

Der Konkurrent Mast-Jägermeister hat vor, in den kommenden zehn Jahren ein bis zwei kleinere Spirituosenmarken mit großem Absatzpotenzial zu kaufen. „Kernmarke und Hauptwachstumstreiber ist und bleibt aber die Marke Jägermeister“, sagte der Vorstandssprecher des Familienunternehmens, Paolo Dell‘ Antonio, im März. Auf dem Heimatmarkt konnten die Wolfenbütteler den Absatz 2010 um vier Prozent ausbauen. Underberg spricht von leichtem Wachstum in Deutschland, der Marktanteil soll mit neuen Produkten weiter steigen.

Die deutsche Spirituosenindustrie insgesamt schrumpft dagegen seit längerem: Die Anzahl der Betriebe hat sich nach Branchendaten im vergangenen Jahrzehnt auf 50 fast halbiert. Die Mitarbeiterzahl ging um fast ein Drittel auf knapp 3.100 bis 2.009 zurück. Der Umsatz der Industrie war ebenfalls rückläufig auf zuletzt gut 2,6 Milliarden Euro. Inklusive Importe wird er auf 4,5 Milliarden Euro geschätzt.

Auch Underberg verdient mit, wenn einige große ausländische Spirituosenmarken in Deutschland über die Kassen oder Tische gehen. Das Familienunternehmen ist hierzulande Vertriebspartner unter anderem für Metaxa, Remy Martin und Cointreau. Auf der anderen Seite nutzt Underberg in einer Reihe von Ländern die Kanäle ausländischer Hersteller für den Vertrieb seiner Produkte außerhalb Deutschlands. (Von Volker Danisch, dpa)