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9. Juni 2011

Was tun gegen Kinderarbeit? – Aktion der deutschen Industrie

Aktionen der deutschen Industrie

In Deutschland ist Kinderarbeit zwar klar verboten. In vielen anderen Ländern sehen jedoch Realität und Gesetzeslage ganz anders aus, etwa in asiatischen Staaten. Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) macht sich darum auch gegen Kinderarbeit in anderen Ländern stark. „Kinderarbeit darf auch außerhalb Deutschlands keine Zukunft haben“, sagte ein BDA-Sprecher der Nachrichtenagentur dpa. Viele BDA-Mitglieder versuchten darauf zu achten, dass auch ihre Zulieferer keine Kinder beschäftigen.

Auch in anderen Verbänden spielt das Thema laut einer dpa-Umfrage ein große Rolle. Der Präsident des Mittelstandsverbandes BVMW, Mario Ohoven, betonte: „Unsere Mitgliedsunternehmen verpflichten sich ausdrücklich zu ethischem, fairem Handeln. Das gilt genauso für Produktionsstätten im Ausland und Zulieferer.“ Nach Angaben des BDA-Sprechers liegt die Verantwortung jedoch in erster Linie bei den jeweiligen Regierungen. Sie müssten Konventionen der Internationalen Arbeitsorganisation ILO umsetzen und auch kontrollieren. Diese ILO-Normen werden auch vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag befürwortet, berichtete DIHK-Experte Heiko Schwiderowski. Zudem würden weitere Abkommen wie das Deutsche Global Compact Netzwerk (DGCN) unterstützt.

Der Arbeitgeberverband wies darauf hin, dass Armut eine der Hauptursachen für Kinderarbeit sei. „Ein Schwerpunkt der Entwicklungszusammenarbeit muss deshalb sein, den informellen Arbeitsmarkt zurückzudrängen und die Privatwirtschaft zu stärken.“ So fördere die BDA die Kampagne der Welthungerhilfe gegen Kinderarbeit. Mit dem internationalen Arbeitgeberverband IOE hat sie einen Ratgeber herausgebracht und informiert auf dem Internetportal „CSR Germany“.

CSR – Corporate Social Responsibility- ist laut DIHK-Experte Schwiderowski in der deutschen Außenwirtschaft ein wichtiges Thema. „So hat das Netzwerk der deutschen Auslandshandelskammern eigene CSR-Kompetenzzentren gegründet.“ Etwa in Brasilien oder in Südafrika. Auch in China oder Indien werde das Thema angesprochen. Dabei gehe es um konkrete Hilfestellungen wie Ausbildung und Aufklärung vor Ort. Der DIHK fordert von der deutschen Politik, stärker Institutionen zu unterstützen, die das Verbot von Kinderarbeit überwachen. BVMW-Präsident Ohoven sagte der dpa mit Blick auf Millionen von arbeitenden Kindern: „Hier müssten die führenden Wirtschaftsnationen stärkeren politischen Druck auf die jeweiligen Länder ausüben.“ Seiner Meinung nach sollen Firmen, die Kinderarbeit nutzen oder stillschweigend dulden, rechtlich belangt werden.

Viele Industrieverbände wie der Gesamtverband „textil + mode“ haben freiwillige Verhaltenskodizes aufgestellt. „Viele Unternehmen haben zudem ihre eigenen Richtlinien, die Arbeitsbedingungen in eigenen Auslandsproduktionsstätten sowie bei Zulieferern regeln“, sagte Sprecherin Kirsten Rahmann. Auch der Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie(ZVEI) hat einen freiwilligen Verhaltenskodex aufgestellt, der Kinderarbeit verbietet. Er wird vom Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) unterstützt. Nach Angaben eines Sprechers wächst die Zahl der Unterzeichner stetig. Gleiches gilt für die Chemie-Industrie. Laut VCI gibt es verschiedenen Kodizes innerhalb der Lieferkette sowie bestimmte Leitlinien. Zudem unterstützten Chemieunternehmen die Global-Compact-Initiative der Vereinten Nationen, die sich gegen Kinderarbeit ausspricht. (Von Julian Mieth, dpa)