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11. Juli 2011

Mitarbeiterbeteiligung sichert Wettbewerbsposition

Wenn die Belegschaft zur Finanzierung beiträgt

In Punkto Finanzierung denken viele Unternehmen traditionell und finanzieren sich über ihr Kreditinstitut oder eventuell über Private Equity. Aber warum nicht auch die eigenen Beschäftigten mit ins Boot nehmen? Davon profitieren Unternehmen und Mitarbeiter gleichermaßen. Über die reine Finanzierung hinaus werden weitgehende Effekte erreicht. Zudem können steuerliche Förderinstrumente genutzt werden.

Unter dem Aspekt der Unternehmensfinanzierung sind im Großen und Ganzen drei Typen von Unternehmen zu unterscheiden: unterfinanzierte Unternehmen, Firmen mit „normalem“ Finanzbedarf und Unternehmen mit höchst solidem Finanzpolster. Die erste Kategorie weiß ein Lied von der vielfach benannten Kreditklemme zu singen, Unternehmen der zweiten Kategorie sind ein guter und willkommener Kunde der Hausbank. Firmen der Kategorie drei werden regelmäßig von der Hausbank umworben, finanzieren sich aber lieber aus eigener Kraft.

Dies ist die Betrachtung der Beziehung Firma-Bank. Legen wir aber unser Augenmerk auf die Beziehung Firma zu Mitarbeiter(-kapitalanleger), dann sieht die Relation anders aus: Da die Beteiligung der Mitarbeiter am Arbeit gebenden Unternehmen eine gute und solide Vertrauensbasis voraussetzt, können auch hier Firmen der Kategorie eins in Einzelfällen mit einem finanziellen Engagement der Beschäftigten rechnen. Der Standardfall von Unternehmen, die ihre Mitarbeiter beteiligen, ist in Kategorie zwei, aber auch (immer häufiger) in Kategorie drei anzutreffen. Warum letzteres? Was lässt hier die Beteiligung zu einem wichtigen Instrument werden, obwohl der Kapitalbedarf nahe Null ist?

Hinter der Mitarbeiterbeteiligung steckt ein einfacher Gedanke: Geht es dem Unternehmen gut, haben auch die Beschäftigten etwas davon, indem sie am Erfolg oder am Kapital beteiligt werden. Eine Erfolgsbeteiligung kommt einer Gehaltszulage auf der Grundlage erreichter Ziele oder des Unternehmensergebnisses gleich. Im Gegensatz dazu setzt die Kapitalbeteiligung eine Finanzeinlage des Mitarbeiters voraus. Hier stehen unterschiedliche Formen zur Verfügung: angefangen vom einfachen Darlehen über eine mezzanine Beteiligung bis hin zur Beteiligung am gezeichneten Kapital, meist für Führungskräfte.

Vorteile für Mitarbeiter und Unternehmen

Im Trend liegen derzeit mezzanine Beteiligungsmodelle, da sie Vorteile für Mitarbeiter und Unternehmen zugleich verkörpern: Das Unternehmen stärkt seine Kapitalausstattung und erlangt Finanzierungsmittel, die dem Eigenkapital zugerechnet werden können. Der Mitarbeiter geht eine meist mittelfristige Kapitalbindung mit dem Unternehmen ein und hat somit die Option, sich seine Einlage zu einem späteren Zeitpunkt auch wieder auszahlen zu lassen. In der Ausgestaltung jeder dieser Beteiligungsformen besteht weitgehend Vertragsfreiheit. Das macht es möglich, die Bedürfnisse von Unternehmen und Mitarbeitern in einem hohen Maß zu berücksichtigen und das Modell exakt auf die Belange der Beteiligten abzustimmen.

Vorteilhaft für Unternehmen und Belegschaft sind auch die steuerlichen Förderinstrumente. Geprüft werden sollte die Anlage Vermögenswirksamer Leistungen (VL) und die Nutzung des Paragraphen 3 Ziffer 39 des Einkommensteuergesetzes (EStG). In vielen Unternehmen werden Vermögenswirksame Leistungen arbeitsvertraglich oder tariflich gewährt. Das Kapital gelangt in der Regel zur Anlage bei Fonds oder Bauspargesellschaften. Somit stehen diese Lohnbestandteile nicht mehr zur Unternehmensfinanzierung zur Verfügung. Oft ist nicht bekannt, dass Vermögenswirksame Leistungen auch im eigenen Unternehmen angelegt werden können. Hieraus kann sich im Zeitverlauf bereits ein statthafter Kapitalbetrag ergeben, wie die folgende Rechnung zeigt: VL (monatlich) 28 Euro x 100 Mitarbeiter x 12 Monate x 5 Jahre = 168.000 Euro. Der zweite Förderbestandteil (Paragraph 3 Ziffer 39 EStG) ermöglicht einen steuer- und abgabenfreien Zuschuss zu einer Beteiligung bis zu einer Obergrenze von 360 Euro jährlich. Die Gewährung des Zuschusses ist für den Arbeitgeber freiwillig. Grenzen werden lediglich durch das Arbeitsrecht (Gleichbehandlungsgrundsatz) und die Bestimmung im Paragraphen gesetzt, dass allen Mitarbeitern die Zuwendung zu gewähren ist, die ein Jahr oder länger dem Arbeit gebenden Unternehmen dauerhaft angehören. Beträgt der vom Arbeitgeber gewährte Zuschuss weniger als 360 Euro, kann der Mitarbeiter den Differenzbetrag durch steuerfreie (nicht abgabenfreie) Entgeltumwandlung aufstocken.

Beide Fördertatbestände in der Summe können zu beachtlichen Effekten führen. Geht man zum Beispiel von einer durchschnittlichen Verzinsung der Beteiligung von fünf Prozent aus, kann durch Zuhilfenahme der Förderinstrumente die Rendite einer Beteiligung von 1.000 Euro bei einer Laufzeit von sechs Jahren auf attraktive 19 Prozent erhöht werden. Eine derartige Renditeaussicht ermöglicht es dann auch dem Mitarbeiter, seine Hemmschwellen zur Zeichnung mezzaninen Kapitals mit möglicher Verlustbeteiligung relativ leicht zu überwinden, das wiederum Eigenkapitalqualität besitzt. Das gezeichnete Kapital steht dem Unternehmer in unserem Beispiel für konkurrenzlose 6,7 Prozent mittel- bis langfristig zur Verfügung. Private-Equity-Gesellschaften verlangen derzeit etwa zehn bis zwölf Prozent.

Darf es noch ein bisschen mehr sein?

Bei den Überlegungen über die Vorteile einer Mitarbeiterbeteiligung sollten jedoch nicht nur Finanzierungsaspekte berücksichtigt werden. Insgesamt werden in Praxis und Forschung diverse Effekte ausgemacht und bestätigt.

Eine aktuelle Studie der Cass Business School zeigt noch einen weiteren Aspekt auf: Unternehmen mit Mitarbeiterbeteiligung weisen im Durchschnitt erhebliche Effizienzvorteile gegenüber der Konkurrenz auf. Deren Umsatzwachstum betrug in den Rezessionsjahren 2008 und 2009 im Durchschnitt 11,08 Prozent, verglichen mit 0,61 Prozent bei Unternehmen ohne Mitarbeiterbeteiligung. Darüber hinaus ergeben sich Vorteile bei der Bindung und Gewinnung von Mitarbeitern. Unternehmen mit weniger als 75 Mitarbeitern und solche, die entscheidend von dem Wissen und dem persönlichen Einsatz ihrer Beschäftigten leben, profitieren besonders stark.

Die Mitarbeiterbeteiligung ist also mehr als ein Beitrag zur Unternehmensfinanzierung. Die Effekte sind vielseitig und in ihrer Tragweite bedeutender im Bereich der weichen Faktoren. Unter dem Strich messen einige Untersuchungen und Erfahrungen aus der Praxis der Mitarbeiterbeteiligung solide Effekte zur Verbesserung der Produktivität zu. Mitarbeiterbeteiligung ist eher als Mittel zum Zweck zu sehen, um diese Effekte nutzbar zu machen. Daher sollten auch Unternehmen, die grundsätzlich keinen direkten Finanzierungsbedarf haben, ihre Mitarbeiter mit ins Boot holen, um sich im Branchenvergleich weiterhin eine solide Wettbewerbsposition zu sichern.

www.mit-unternehmer.com

Der Autor

Stefan Fritz

Unser Gastautor Stefan Fritz hat im Symposion-Verlag das Buch „Mitarbeiterbeteiligung im Mittelstand – Ein Atlas erfolgreicher Beteiligungsmodell“ herausgegeben. Darin enthalten sind über 30 Fallstudien. Das Buch bietet das Rüstzeug zur Einführung oder Optimierung eines Mitarbeiterbeteiligungsmodells.