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9. August 2011

Maria-Elisabeth Schaeffler wird 70

Der Weg einer starken Frau und Unternehmerin

Jahrelang als mächtige Strippenzieherin geachtet, stand Maria-Elisabeth Schaeffler nach der wackeligen Conti-Übernahme plötzlich als Hasardeurin am Pranger. Inzwischen hat sich die Lage beruhigt. Bald feiert die Familienunternehmerin ihren 70. Geburtstag. Auf die stürmischen Turbulenzen während der Wirtschaftskrise hätte Maria-Elisabeth Schaeffler sicherlich gerne verzichtet. Nicht nur, dass das Desaster um die Conti-Übernahme die demütigende Bitte um Staatshilfen und zahlreiche, auch persönliche Angriffe mit sich brachte – das von Schaeffler ausgebaute Lebenswerk ihres Mannes stand auf dem Spiel. Inzwischen hat sich der noch immer unter einer gigantischen Schuldenlast ächzende Autozulieferer wieder stabilisiert. Am 17. August wird Schaeffler 70 Jahre alt.

Die in Prag geborene und in Wien aufgewachsene „Schaefflerin“, wie sie am Hauptsitz in Herzogenaurach ehrfurchtsvoll genannt wird, traf als junge Medizinstudentin auf den 24 Jahre älteren Georg Schaeffler. Die beiden sahen sich vor ihrer Hochzeit 1963 nur dreimal, dennoch brach Schaeffler ihr Studium ab und folgte ihm in die fränkische Provinz. Obwohl ihr Mann sie schon bald ins Tagesgeschäft einbezog, fiel sie in der Öffentlichkeit lange nur dann auf, wenn sie ihm beim Rauchen den Aschenbecher hielt.

Hoher Einsatz

1996 jedoch, nach dem Tod ihres Mannes, trat sie aus dem Schatten: Für die männerdominierte Branche überraschend übernahm Maria-Elisabeth Schaeffler selbst die Geschäfte, baute das Unternehmen unter anderem mit der feindlichen Übernahme des börsennotierten Konkurrenten FAG Kugelfischer weiter aus, verdoppelte die Mitarbeiterzahl und vervielfachte die Erlöse. 2007 arbeiten 66 000 Menschen bei dem Wälzlagerhersteller, der als einer der weltweit größten Anbieter einen Umsatz von 8,9 Milliarden Euro macht.

Als „listige Witwe“ galt Schaeffler zu dieser Zeit, von den Bossen der Konzerne ob ihres Einflusses geachtet und für ihren Wiener Charme und ihre Verschwiegenheit geschätzt. Doch dann kam der tiefe Fall: Schaeffler wollte den dreimal so großen Konkurrenten Continental übernehmen, schlich sich heimlich an und machte dann ein unerwünschtes Übernahmeangebot. Das Problem:

Eigentlich wollten die Franken nur 49,9 Prozent der Aktien, doch weil in der Zwischenzeit die Wirtschaftskrise die Autobranche erzittern ließ, flüchteten sich die Anleger zuhauf in den sicheren Hafen.

Am Ende saß das Familienunternehmen auf 90 Prozent der Anteile – und fast zwölf Milliarden Euro Schulden. Damit waren selbst die Schaefflers überfordert, obwohl Maria-Elisabeth und ihr Sohn und Mehrheitseigentümer Georg noch im Vorjahr mit einem Vermögen von geschätzt 8,5 Milliarden US-Dollar (damals etwa 5,4 Mrd. Euro) vom Forbes-Magazin unter den zehn reichsten Deutschen platziert wurden.

Mitarbeiter halten zu Schaeffler

Anfang 2009 folgte deshalb der bittere Schritt: Die Bundesverdienstkreuzträgerin bat um Staatshilfen. Fatal war jedoch, dass zeitgleich ein Foto auf den Titeln der Boulevardblätter erschien, das die stets perfekt geschminkte Blondine im Pelzmantel auf einer Party in ihrem Zweitwohnsitz Kitzbühel zeigte. Das Bild der sonst zurückgezogen lebenden Schaeffler wurde zum Politikum, und die frühere Bewunderung schlug in Häme um.

Wie sehr Schaeffler die Kritik – von Zockerin und Hasardeurin war ebenso die Rede wie von Vabanque-Spiel – zugesetzt haben muss, lässt sich nur erahnen. Als ihre Mitarbeiter eine Solidaritätsdemonstration abhielten, wurde Schaeffler von Gefühlen übermannt. Der sonst unnahbar und streng wirkenden Matriarchin stiegen die Tränen in die Augen – was ihr sofort wieder als kühle Berechnung ausgelegt wurde.

Der Unternehmerin blieb keine andere Wahl, die Familie musste von ihrer bislang unumschränkten Machtfülle abgeben. Das bis dato extrem verschlossene Unternehmen brauchte zum Überleben dringendst Kapital – und auch die Unterstützung der Arbeitnehmer. Schaeffler trat deshalb den Gang zur IG Metall nach Frankfurt an. Als „Büßergewand“ trug sie einen roten Schal – die Demutsgeste wurde landesweit im Fernsehen ausgestrahlt.

Nach Monaten der Ungewissheit einigte sich das Unternehmen mit den Banken auf ein Finanzierungskonzept. Inzwischen sind die Zeiten der Kurzarbeit längst passé. Die Mitarbeiter haben in all der Zeit zu Schaeffler gehalten, kein schlechtes Wort über sie verloren. Denn die streng katholisch erzogene Opernliebhaberin und Mäzenin gilt nicht nur als harte Verhandlungspartnerin, sondern zugleich auch als sehr menschlich und sozial engagiert – ohne dass sie darum jemals großes Aufhebens machen würde.

Von Elke Richter, dpa