Aktuelles
14. September 2011

Familienunternehmen initiiert internationalen Wettbewerb

Auf der Suche nach neuartigen Geschäftsideen im Web- und IT-Bereich

Ulrich Dietz, Grunder und Vorstandsvorsitzender der GFT Technologies AG,
hat einen IT-Wettbewerb ins Leben gerufen.

Auf der Jagd nach neuen Ideen war Ulrich Dietz, Vorstandsvorsitzender der GFT Technologies AG aus Stuttgart, wohl schon immer. Auch und vor allem im eigenen Unternehmen. Seit>er Maschinenbau- und Wirtschaftsingenieur die GFT 1987 gründete, entwickelte sich das Unternehmen zu einem der führenden IT-Dienstleister im Finanzsektor und beschäftigt heute rund 1.300 Menschen an Standorten in sieben Ländern. Jetzt möchte der Unternehmer jungen Firmen mit innovativen Geschäftsmodellen dabei helfen, sich zu entwickeln.

Plattform für die Avantgarde

Zu diesem Zweck hat Dietz eine Allianz mit vielen Partnern in aller Welt geschmiedet, denn der Wettbewerb „Code _n“ soll keine deutsche Veranstaltung sein, sondern eine internationale. Dahinter steckt die Absicht, in Deutschland eine Plattform, eine Drehscheibe zu etablieren für die internationale Avantgarde im Digital Business. Und natürlich hofft man, damit endlich aus dem Schatten der USA zu treten, wo immer noch viel, viel mehr Unternehmen gegründet werden als hierzulande. Und wo könnte man eine solche Plattform besser etablieren als auf der weltgrößten ITK-Messe, der Cebit in Hannover? Deshalb stellt die Deutsche Messe als Veranstalter der Cebit eine 3.000 Quadratmeter große Halle zur Verfügung, in der sich die 50 Besten aus dem Wettbewerb auf der Cebit 2012 kostenfrei präsentieren können. Und es werde sich nicht um eine einfache Halle handeln, betont Ernst Raue, Vorstand der Deutsche Messe AG, die strategischer Partner beim Wettbewerb ist. Mit dem Künstler Tobias Rehberger und dem Architekten Jürgen Mayer H. Habe man kreative Köpfe gefunden, die die Messehalle entsprechend gestalten könnten. Normale Messestände solle es nicht geben, stattdessen eine „spektakuläre Landschaft für Interaktion und Inspiration“. „Wir machen hier etwas ganz Besonderes, weil wir damit kein Geld verdienen“, so Raue. „Wir investieren in die Zukunft der IT-Branche.“

Machen statt maulen

Bei der Frage nach den Motiven der GFT für diesen Preis, der letztlich viel mehr kosten wird, als die ausgelobten 25.000 Euro für den Sieger, erzählt Dietz die Geschichte von einem Rapper in New York, der auf die Frage, weshalb er denn seine Musik ins Netz stelle, damit erziele er doch gar keine Einnahmen, sagte: „Wenn ich hundert Millionen Downloads habe, dann kommt irgendwann auch etwas zurück.“ Auf gut schwäbisch heißt das dann „machen statt maulen“. Man könne nicht immer nur beklagen, dass es in Deutschland kein Google gäbe, man müsse etwas dafür tun, dass es in Zukunft überhaupt möglich sei, in Deutschland ein Google zu werden. „Ich will einfach coole Unternehmen finden“, sagt Dietz. „Gute Ideen entstehen überall, aber sie brauchen Freunde, kritischen Austausch und die nötige Förderung, damit sich daraus auch attraktive Geschäftsmodelle entwickeln“. Auf der Plattforme Code_n können sich künftig innovative Unternehmen aus der ganzen Welt finden, untereinander austauschen, möglicherweise sogar größere Unternehmen oder Investoren zur Umsetzung ihrer Ideen und als Partner finden.

Ganz ähnlich sieht es auch Gerhard Müller vom strategischen Partner Ernst & Young: „Heutzutage ist alles sehr komplex und verzahnt wie nie zuvor. In Deutschland muss man junge IT-Unternehmen suchen. In den USA ist Entrepreneurship viel weiter verbreitet. Mit der Teilnahme am Wettbewerb können die Unternehmen testen, ob sie eine reelle Chance haben.“ Junge Unternehmen hätten es schwer, die richtigen Kunden zu treffen, so Gisela Strnad vom dritten strategischen Partner, Fujitsu Technology Solutions. Auf der Cebit hätten sie dazu Gelegenheit. „Shaping Mobil Life“, das Thema des Preises, sei auch das Thema, das Fujitsu bewege. „Wir möchten die jungen Unternehmen begleiten und fördern und damit ein Zeichen setzen, dass Innovation nicht nur in Konzernen möglich ist, so die Marketing-Verantwortliche. Durch die internationale Vernetzung der Partner sei das auf der ganzen Welt möglich.

Ein innovatives Experiment

Preis und Plattform sind für alle Partner, zu denen auch der Branchenverband Bitkom und das Zentrum für Kunst und Medientechnologie in Karlsruhe zählen, ein Experiment. Wenn man etwas zum ersten Mal mache, könne man es nicht bis ins Detail planen, so Initiator Dietz. Das beginne schon bei der Teilnehmerzahl – „wir erwarten mehrere Tausend“ – und auch die Kriterien für die Teilnahme seien nicht so starr wie bei einem eingeführten Businesswettbewerb. „Wir können das Ganze nicht zu sehr eingrenzen“, sagt Raue. „Es braucht Raum, um sich entwickeln zu können.“ Man wolle Firmen die Möglichkeit geben, aus dem Schatten zu treten, so Strnad, und Müller sagt: „Bei der Beurteilung wird es nicht so sehr um Geschäftszahlen gehen, sondern darum, was der Jury spannend erscheint. Es wird sicherlich eine gewisse Subjektivität einfließen. Wir werden uns auf viel Neues einlassen müssen.“ Dietz bringt es auf den Punkt: „Wir wollen neue Denkansätze und Querdenker sehen und die präsentieren, die sonst keine Plattform haben.“

Die Bewerbung um den Preis ist noch bis 30. November über die Website www.code-n.de möglich. Teilnehmen können Unternehmen aus aller Welt und in allen Größen. Es gibt keine Beschränkung hinsichtlich des Unternehmensalters, aber „Firmen, die seit zehn Jahren existieren und immer noch nicht gewachsen sind, haben vielleicht doch keine so gute Idee wie sie glauben“, sagt Müller schmunzelnd. Der Wettbewerb um den „Code_n12Award“ steht unter dem Motto „Shaping Mobile Life“ und zeichnet das Unternehmen mit der herausragendsten, neuartigen Geschäftsidee im Web- und IT-Bereich aus. Der Award ist mit 25.000 Euro dotiert und der Gewinner wird zwei Jahre lang von führenden Managern der Partner gecoacht.