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12. Oktober 2011

Studie: Familienunternehmen mit Nachfolgeproblemen

Der Generationswechsel wird in vielen Familienunternehmen zunehmend zum Risiko. Das Problem könnte in den nächsten Jahren zahlreiche Arbeitsplätze bedrohen. Das ergab eine aktuelle Studie von TNS Emnid für die Deutsche Unternehmerbörse (DUB). Einer der Hauptgründe: Viele Unternehmer gehen die Regelung der eigenen Nachfolge nur halbherzig an oder schieben sie auf die lange Bank.

Das Meinungsforschungsinstitut TNS Emnid befragte insgesamt 321 Unternehmen. 57 Prozent gaben an, noch keine beziehungsweise keine abschließende Nachfolgeregelung getroffen zu haben. Besonders alarmierend: Die Generation der über 50-Jährigen ist nicht unbedingt gewissenhafter vorbereitet als die Jüngeren. „Wir registrieren, dass Mittelständler häufig fahrlässig mit der Nachfolgefrage umgehen. Viele Inhaber arbeiten, bis sie krankheitsbedingt aufgeben müssen oder sogar bis zum Tod – ohne entsprechende Nachfolgeregelungen getroffen zu haben“, unterstreicht Michael Grote, Geschäftsführer der Deutschen Unternehmerbörse, und ergänzt: „Früher hatten Unternehmer viele Kinder. Darunter war in der Regel immer ein fähiger Nachfolger. Heute gibt es weniger Nachwuchs und dem stehen auch noch viele berufliche Alternativen offen.“

100.000 Übergaben stehen an

Aktuelle Erhebungen des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn haben gezeigt, dass bis 2014 für mehr als 100.000 Familienunternehmen die Regelung der Nachfolge relevant sein wird. Laut dem Institut hängt damit die Existenz von rund 290.000 Beschäftigten pro Jahr von einer erfolgreichen Übergabe ab. „Es kommt bisweilen vor, dass kerngesunde Mittelständler abgewickelt werden müssen, weil kein Nachfolger in Sicht ist oder nicht rechtzeitig gesucht wurde“, so Grote.

An Externe denken

DUB-Chef Grote rät Unternehmen, sich auch über die Möglichkeit, einen externen Manager bei der Nachfolge einzusetzen, Gedanken zu machen. In Deutschland seien tausende Manager auf einer Suche nach einer etablierten Firma, um sich selbstständig zu machen. Allein bei der Deutschen Unternehmerbörse hätten sich 12.500 Interessenten für einen Firmenkauf registrieren lassen. „Für Mittelständler, die einen geeigneten Nachfolger suchen, ist die Deutsche Unternehmerbörse deshalb eine interessante Option“, erklärt Grote, dessen Unternehmen eine Online-Plattform (DUB.de) für Käufer und Verkäufer von Firmen und Unternehmensbeteiligungen anbietet. „Wenn die Existenz zahlreicher Betriebe in Gefahr ist und hunderttausende Arbeitsplätze zur Disposition stehen, müssen Familienunternehmen auch mal nach links und rechts schauen. Nur so kann es gelingen, den Mittelstand als Rückgrat der deutschen Wirtschaft zu erhalten.“