Aktuelles
9. Dezember 2011

Familienunternehmer zwischen Kinderzeit und Joggingrunden

Familienunternehmer zwischen Kinderzeit und Joggingrunden

Unternehmer mit klaren Prinzipien: Norbert Samhammer

Arbeiten, Arbeiten, Arbeiten… mancher Unternehmer rackert sich ausschließlich für seine Firma ab, verliert dabei Wesentliches aus dem Auge. Norbert Samhammer, Vorstand der Samhammer AG in Weiden, hat sich bewusst für einen anderen Weg entschieden und setzt klare Prioritäten: Zuerst kommt die Gesundheit, dann die Familie und an dritter Stelle das Familienunternehmen. Familienunternehmer-News-Redakteur Hendrik Fuchs sprach mit ihm über seinen Lebensentwurf.

Um die Work-Life-Balance vieler Unternehmer ist es nicht besonders gut bestellt. Inwieweit profitieren Unternehmen und Mitarbeiter, wenn der Chef kein Workaholic ist?

Norbert Samhammer: Der Chef ist das Vorbild seiner Mitarbeiter. Jeder kennt ihn und misst ihn an seinem Verhalten. Ist er kein Workaholic, muss er zwangsläufig mehr Verantwortung an seine Mitarbeiter abgeben. Das setzt ein mehr an Vertrauen voraus, das sich aber in den meisten Fällen für ein Unternehmen und den Unternehmer auszahlt. Zudem ist es seine Aufgabe, die Mitarbeiter zu fördern und sie zu befähigen, Großes zu leisten. Der Unternehmer profitiert unter anderem von mehr Freiräumen und hat mehr Zeit, am und nicht im Unternehmen zu arbeiten.

Was machen Sie persönlich, damit Ihre Gesundheit, Ihre Familie und der Beruf nicht aus dem Gleichgewicht geraten?

An erster Stelle steht meine Gesundheit, denn nur, wenn ich gesund bin, kann ich Familie und Beruf in der Balance halten. Für meine Gesundheit tue ich eine ganze Menge. Ich ernähre mich zum Beispiel nach dem Schema „5+2“: Unter der Woche kommen nur gesunde Sachen auf den Tisch und kein Alkohol, am Wochenende gibt es „Essen für die Seele“. Jeden Tag gehe ich in der Mittagspause für eine halbe Stunde joggen, Sommer wie Winter. Einmal die Woche geht’s ins Fitnessstudio und mit meiner Frau auf den Tennisplatz. Außerdem laufe ich jedes Jahr einen Marathon oder Halbmarathon. Ich bilde mich regelmäßig zum Thema Gesundheitsseminaren weiter.

Auch die Familie hat einen festen Platz in meinem Leben. Wir nehmen uns die Zeit, jeden Tag gemeinsam zu frühstücken. Das Wochenende gehört komplett der Familie. Wir unternehmen viele Ausflüge, an denen alle Spaß haben sollen. Unter der Woche bin ich bis auf wenige Ausnahmen um 18 Uhr zuhause. Dann beginnt die Kinderzeit bis 20 Uhr. Da wird ausschließlich über Themen gesprochen, die meine Kinder interessieren. Ab 20 Uhr beginnt die Zeit für die Beziehungspflege mit meiner Frau – gemeinsam lesen, ins Kino gehen oder sich einfach nur Dinge erzählen. Einmal pro Jahr machen wir einen längeren „Elternurlaub“ (Urlaub ohne Kinder), um der Beziehung neue Energie zu geben.

Dies alles ist nur möglich, wenn mein Arbeitsalltag klar strukturiert ist. Ich arbeite von morgens um 8 Uhr bis 18 Uhr – mehr Zeit habe ich einfach nicht. Darin enthalten ist eine Stunde Mittagspause. Vormittags ist meine Projektzeit, nachmittags plane ich Kunden- und Entscheidungsmeetings ein.

In jeder Mittagspause geht Firmenchef Norbert Samhammer (r.)
eine halbe Stunde joggen – alleine oder, wie hier auf dem Bild,
mit seinem zweiten Vorstand Thomas Hellerich.

Sie haben sicherlich nicht immer nach diesen Prinzipien gelebt. Gab es denn ein einschneidendes Erlebnis, das zum Umdenken geführt hat?

In 52 Jahren gab es mehrere. Dazu zählt sicherlich die Scheidung meiner ersten Ehe nach 20 Jahren. Als ich mit 24 Jahren mein Unternehmen gegründet habe, habe ich viele Dinge anders gesehen und sehr viel Energie in die Firma gesteckt – andere Dinge vernachlässigt. Zudem machte ich den Fehler, all meine Sorgen meiner damaligen Frau aufzubürden, mehr zu nehmen als zu geben. Bei meiner jetzigen Frau achte ich auf einen Austausch auf gleicher Augenhöhe. Auch im Unternehmen gab es Zeiten, die nicht besonders rosig waren und mich zwangen, mir Gedanken über mein künftiges Leben zu machen.

Unternehmern fällt es häufig schwer, ihr Lebenswerk weiterzugeben. Nicht wenige haben Angst, in ein tiefes Loch zu fallen. Wie bereiten Sie sich auf Ihr Leben nach dem Unternehmer-Dasein vor?

Seit ein paar Jahren arbeitete ich mit Lebensplänen, in denen ich meine Vorstellungen von meiner Zukunft als Privatperson, aber auch die von meinem Unternehmen niederschreibe. In jeweils einem Plan schreibe ich auf, was ich nach einem Jahr, sieben Jahren und nach 21 Jahren erreichen möchte. Dies ist spannend, führt zu Selbsterkenntnissen und macht Freude. Der 21-Jahres-Plan ist sehr visionär, aber dennoch unverzichtbar, um dem Leben eine Richtung zu geben. Der Sieben-Jahres-Plan ist konkreter. Da steckt einiges an Arbeit dahinter. In meinem ersten Plan 2005 habe ich geschrieben, dass ich Anfang 2012 in Rente gehen möchte. Vor einem Dreiviertel-Jahr bin ich mit meinen damals 51 Lenzen richtig ins Grübeln gekommen, habe darüber viel mit meiner Familie und Freunden gesprochen.

Für mich selbst habe ich festgestellt, dass ein plötzlicher Ausstieg noch nicht in Frage kommt. Denn mein Beruf bereitet mir täglich große Freude, fordert mich geistig und gibt mir Anerkennung. Heute bin ich 52 Jahre alt und nehme mir 38 Tage Urlaub, etwa für Reisen mit meiner Familie. Das mache ich noch fünf Jahre. Dann erhöhe ich meinen Urlaub auf 45 Tage und gebe weitere Aufgaben ab. Ab 60 will ich nur noch beratend oder für strategische Projekte für mein Unternehmen tätig sein.

Welche konkreten Tipps haben Sie für Unternehmer, damit das Loslassen eventuell leichter fällt?

Es ist sehr wichtig, sich über einen längeren Zeitraum mit sich selbst zu beschäftigen und sich kennen zu lernen. Ich nenne das Ich-Zeit. Hilfreich sind offene Gespräche mit der Familie und Freunden. Ich empfehle auch gerne die professionelle Unterstützung durch ein Psychologen. Ich weiß, dass der Berufsstand in Deutschland nicht gerade einen herausragenden Ruf für aktive Lebensentwicklung hat, ganz anders aber in den USA: Als ich in den USA für Hewlett Packard arbeitete, habe ich gelernt, dass dort Psychologen als Coach betrachtet und sehr geschätzt werden. Wer hier was auf sich hält, der hat seinen Lebenscoach. Mir hat es jedenfalls geholfen, mich besser kennenzulernen und mein Leben im Zusammenspiel mit der Familie viel besser zu verstehen und auszurichten.

Viele Unternehmer machen außerdem den Fehler, dass sie meinen, die Art und Weise, wie sie ihr Unternehmen führen, sei die einzig richtige, um zu überleben. Dabei gibt es hunderte von Arten, dasselbe Unternehmen erfolgreich zu führen. Der Unternehmer kennt sie nur nicht. Dessen muss er sich bewusst werden. Letztlich muss der Unternehmer immer wieder alles auf den Prüfstand stellen und schauen, ob seine eigene persönliche Lebenssituation noch stimmig ist, denn man verändert sich ja auch selbst.

Das Unternehmen

Die Samhammer AG hat ihren Sitz im oberpfälzischen Weiden. Das Familienunternehmen mit seinen 400 Mitarbeitern hat sich auf Servicedienstleistungen und Software für die Service-Organisationssteuerung spezialisiert. Das Motto „Mit Service Menschen begeis­tern“ steht laut Norbert Samhammer für gelebte Service Excellence, die sich am Kunden ori­en­tiert. In der eige­nen Service-Management-Akademie wer­den dazu die Mitarbeiter wei­ter­ge­bil­det.

www.samhammer.de

In der Dezember-Ausgabe der News (erscheint am 12. Dezember) geht es im Titelthema um die Lebensplanung des Familienunternehmers.