Aktuelles
19. Dezember 2011

Maschinenbau trotz guter Aussichten vorsichtig

Die deutschen Maschinenbauer machen trotz Währungskrise glänzende

Geschäfte. Doch sie trauen dem Frieden nur bedingt und sorgen für den

Krisenfall vor. Thomas Lindner glaubt nicht mehr daran,

dass das Wirtschaftsleben wieder zu einem langsamen, ruhigen Fluss

werden könnte. „Das Wildwasser wird zur Dauerinstitution für uns

werden“, ist der Präsident des Verbandes Deutscher Maschinen- und

Anlagenbau (VDMA) überzeugt.

Die extrem exportorientierteVorzeigebranche will und muss beweglich bleiben, um auf das immer

schnellere Auf und Ab der Weltwirtschaft reagieren zu können.

Sorgen machen auch die Banken, bei denen die Kredite wegen schärferer

Vorschriften möglicherweise bald nicht mehr so locker sitzen. Selbst den eigenen Prognosen mögen die erfolgsverwöhnten Maschinenbauer nicht mehr so recht trauen. Das für 2012 vorhergesagte

Produktionsplus von vier Prozent nach dem Super-Boom in diesem Jahr (+ 14

Prozent) sei ein „bisschen kippelig“, sagt Lindner, dessen Mitglieder

auf der anderen Seite fast nur von ausgelasteten Fabriken und prall

gefüllten Auftragsbüchern berichten.

Liquidität ansammeln für die Krise

Doch die Order sind im Ernstfall wenig bis nichts wert, wie die

Branche vor drei Jahren nach der Lehman-Pleite lernen musste. „Die

Polster waren schnell weg, da wird verschoben und storniert.“

Trotzdem habe die Branche den tiefen Einschnitt überstanden. „Wir

haben bewiesen: Wir kommen mit Krisen zurecht.“ Die Mittel der

schnellen Anpassungen sind Leiharbeit, befristete Verträge,

Kurzarbeit und Arbeitszeitkonten, die aber kaum so gut gefüllt sein

dürften wie noch 2008.

Und obwohl nach Lehman die auch vom VDMA viel beschworene

Kreditklemme nicht Realität wurde, geht wieder die Sorge um die

überlebensnotwendigen Kredite für die teuren Investitionsgüter um. Er

könne derzeit den Beweis nicht führen, dass es bei der Kreditvergabe

an den Mittelstand stocke, sagt Lindner. Vielmehr seien die Budgets

der Großbanken wohl nicht ausgelastet. Aber das könne sich angesichts

der notwendigen Verkleinerung des Bankwesens schnell ändern. Wer es

sich unter den Maschinenbauern leisten kann, sammelt derzeit zur

konkreten Risikovorsorge Liquidität, berichtet Hauptgeschäftsführer

Hannes Hesse.

Licht und Schatten

Die Aussichten für die einzelnen Branchenzweige im Maschinenbau

liegen teils himmelweit auseinander. Während etwa

Werkzeugmaschinenbauer wie die in Bielefeld ansässige Gildemeister AG

weiter unter „Volldampf“ laufen, wie Unternehmenschef Rüdiger Kapitza

sagt, steckt die Druckmaschinenbranche in einer tiefen Strukturkrise.

Nicht zuletzt die Insolvenz von Manroland im November und erneute

drohende Einschnitte beim Marktführer Heidelberger Druck führten das

vor Augen.

Mit einer lange Zeit unbekannten Malaise kämpft der auf

Leuchtdioden-Anlagen spezialisierte Spezialmaschinenbauer Aixtron.

Galt China mit seinen staatlich gestützten Investitionen in die

energiesparende LED-Technik lange Zeit als eine Art gelobtes Land für

die Aachener, spürt das Unternehmen nun spätestens seit dem Sommer

eine große Unsicherheit im Markt. In der Folge brachen die

Investitionen und damit die Aufträge aus Asien ein. Analysten sehen

starke Überkapazitäten am Markt, Aixtron-Chef Paul Hyland hingegen

nur „eine vorübergehende Phase der Unsicherheit“.

Optimisten in den Vorstandsetagen

Verbandschef Lindner sieht die Nachfrage aus dem Reich der Mitte

sogar noch weiter steigen: Die schnell wachsenden Lohnkosten machten

Druck zum Einsatz hochwertiger Technologien – die notwendigen

Maschinen liefern die deutschen Hersteller gerne. Das Lager der

Optimisten überwiegt denn auch in den Vorständen. So kann etwa

Hans-Jürgen Thaus, Finanzchef des Getränkeabfüllanlagen-Herstellers

Krones, keine Krisenstimmung bei den Kunden ausmachen. Aktuell werde

zu viel über die Euro-Krise gesprochen, meint der Manager. „Auf der

Welt gibt es im Moment keine Krise in dem Sinne, dass die Menschen

nicht essen und trinken müssen. Das wächst, und da sind wir richtig

unterwegs.“

Christian Ebner, dpa, und Stefan Bauer, dpa-AFX