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8. Dezember 2011

Private Equity im Familienunternehmen

Private Equity im Familienunternehmen

Die Büfa-Tochter Gelcoat Plus in Rastede-Liethe

Das 1883 gegründete Familienunternehmen „BÜFA“ aus Oldenburg verfügt bereits seit 17 Jahren über Erfahrung mit Private-Equity-Beteiligungen. Der geschäftsführende Gesellschafter Jan Philipp Wuppermann sieht darin große Vorteile für das Unternehmen. Private-Equity-Gesellschaften haben der Unternehmerfamilie nicht nur geholfen, die Mehrheit der Anteile zu übernehmen, sondern sind in den Augen des 42-Jährigen vor allem Sparringspartner für die Geschäftsführung, die hohe Professionalität garantieren.

Wuppermann, seit 2003 im Beirat des Unternehmens tätig und seit dem 1. Januar 2011 Geschäftsführer, repräsentiert bereits die fünfte Generation der Gesellschafterfamilie Wuppermann-Kolwey in der dreiköpfigen Geschäftsführung der Büfa-Holding. Zu der Gruppe mit Standorten in Deutschland, den Niederlanden, Spanien und China gehören mehrere Unternehmen aus den Bereichen Chemiehandel, Flachglas, Verbundwerkstoffe sowie Reinigung und Hygiene. Mit etwa 500 Mitarbeitern erwirtschaftete die Unternehmensgruppe 2010 einen Umsatz von rund 150 Millionen Euro.

Private Equity statt Schulden

Jan Philipp Wuppermann ist geschäftsführender
Gesellschafter der Büfa aus Oldenburg.

Nach dem Tod des Patriarchen Johann Dietrich Kolwey 1966 wurden die Enkel alleinige Gesellschafter der beständig gewachsenen Firma, die allerdings nicht im operativen Geschäft, sondern nur im Beirat des Unternehmens tätig waren. Als der Mehrheitsgesellschafter 1994 aus dem Unternehmen austrat, erhöhte die Familie Wuppermann-Kolwey ihre Anteile von einer Minderheitsbeteiligung auf 54 Prozent. 46 Prozent gingen an die Equita-Beteiligungsgesellschaft. Die externe Beteiligung ermöglichte dem Unternehmen auch in den folgenden Jahren Wachstum und Investitionen in neue Produktions- und Logistikstandorte.

„Die Entscheidung für eine Beteiligungsgesellschaft fiel damals sicherlich, weil sich die verbleibenden Familiengesellschafter beim Ausstieg des Mehrheitsgesellschafters sonst bis über beide Ohren verschuldet hätten“, sagt Jan Wuppermann. „Die Familie tat sich damit vermutlich leichter als andere Familienunternehmen, weil das Unternehmen bereits durch Fremdgeschäftsführer geleitet wurde.“ Patriarch Johann Dietrich Kolwey hatte schon 1964 das so genannte Gremium installiert, ein Vorläufer des heutigen BMT, Büfa Management Team.

Strategisch denkende Partner

Tanklager in Rastede-Liethe
Foto: Michael Siebert

Als sich die Equita 2003 aus dem Unternehmen zurückzog, stockte die Familie Wuppermann-Kolwey ihren Anteil am Unternehmen auf 74,9 Prozent auf. 25,1 Prozent übernahm die „Hannover Finanz Gruppe“. Zwei Vertreter der Beteiligungsgesellschaft, die mit ihren Evergreen Fonds vor allem auf langfristige Beteiligungen setzt, zogen in den Beirat ein. Die BÜFA-Gruppe beschäftigte mittlerweile fast 500 Mitarbeiter und erzielte einen Umsatz von 114 Millionen Euro.

Geschäftsführer Jan Wuppermann kennt die Bedenken vieler Familienunternehmen gegenüber Private-Equity-Gesellschaften, kann sie aber nicht teilen. „Ein unschätzbarer Vorteil für uns ist, dass wir mit den beiden Vertretern der Hannover Finanz Partner im Beirat haben, die strategisch mit- und auch querdenken. Dabei steht die Entwicklung langfristiger Strategien im Vordergrund“, sagt er. „Sie tragen mit ihrer Expertise viel dazu bei, dass das Unternehmen professionell geführt wird, vor allem hinsichtlich Controlling und Transparenz. Vieles stellt sich von außen betrachtet anders dar.“ Dabei sei es entscheidend, dass die Vertreter des Beteiligungsunternehmens im Beirat unabhängig agieren könnten, weil sie nicht von der Familie bestellt seien. Ein weiterer positiver Punkt sei die Sicherheit, die das langfristige Engagement der Beteiligungsgesellschaft dem Unternehmen biete.

Gefahrstofflager bei Gelcoat Plus.
Foto: Michael Siebert

Als sich die Gruppe 2008 von einem Joint Venture trennte, entschied sich die Familie, ihre Anteile weiter aufzustocken. „Die Hannover Finanz hält jetzt nur noch zwölf Prozent der Anteile, aber wir können weiterhin von ihrer Professionalität profitieren“, so Wuppermann. „Im Nachhinein hat sich die Entscheidung für eine Fortsetzung der Partnerschaft als doppelt richtig erwiesen, denn natürlich wurde auch Büfa von der Krise gebeutelt. Die Ausschüttung, die der Beteiligungspartner für seine Anleger entnimmt, kann das Unternehmen gut verkraften.“

Private-Equity beschleunigt Wachstum

Christoph Schopp ist Vorstand der GBK Beteiligungen AG
und wurde als Vertreter der Hannover Finanz Gruppe in den Büfa-Beirat entsandt.

Christoph Schopp, seit 2003 für die Hannover Finanz Gruppe Beiratsmitglied bei Büfa, sieht die Vorteile einer Beteiligung für die Unternehmen ganz ähnlich wie Wuppermann: „Als langfristig denkender Investor liegt uns an der Sicherstellung eines nachhaltigen und profitablen Wachstums und der Auswahl des richtigen Managements. Durch eine Beteiligung wird das Eigenkapital erhöht, die Finanzierungsfähigkeit des Unternehmens verbessert und seine Solidität gestärkt.“ Außerdem stehe dem Unternehmen die strategische Erfahrung und das Netzwerk der Beteiligungsgesellschaft zur Verfügung sowie Analysen und Impulse aus der „Helikopter“-Perspektive.

Studien haben ergeben, dass Private-Equity-finanzierte Unternehmen beim Umsatz fast doppelt so schnell wie vergleichbare Unternehmen ohne Private-Equity wachsen und im Inland mehr als doppelt so viele Arbeitsplätze schaffen. „Durch Private-Equity können Unternehmen ihre Selbstständigkeit erhalten und ein Signal an Banken und Geschäftspartner in Richtung Stabilität und Vertrauen geben. Sie erweitern ihre Entscheidungs- und Gestaltungsspielräume, stärken ihr Netzwerk und verschaffen sich Sicherheit in unsicheren Zeiten“, fasst Schopp den Nutzen einer Beteiligungsgesellschaft für Unternehmer zusammen.

Die Chemie muss stimmen

Nicht jede Private-Equity-Gesellschaft passt zu jedem Unternehmen. Familienunternehmen, die auf eine langfristige und nachhaltige Partnerschaft setzen, sollten sich deshalb ihren künftigen Teilhaber genau anschauen. Jan Wuppermann nennt folgende Punkte: die Möglichkeit einer langfristigen Beteiligung; Verständnis für Wachstumsstrategien; die Möglichkeit zum Rückkauf der Anteile auf bis zu 100 Prozent durch die Unternehmerfamilie; flexible Ausgestaltung des Beteiligungsmodells nebst Konditionen; Referenzen und Netzwerk. „Ganz wichtig ist außerdem, dass die Chemie zwischen den Partnern stimmt“, so der Büfa-Geschäftsführer. „Nur so ist es möglich, die Partnerschaft mit dem Finanzinvestor auch zu leben und davon zu profitieren.“ Dazu gehöre, externe Beiratsmitglieder als Bereicherung und nicht als Last zu empfinden, offen und zeitnah zu kommunizieren und vor allem, den Finanzinvestor „rechtzeitig in strategische und andere wesentliche Fragestellungen einzubinden“.

www.buefa.de

www.hannoverfinanz.de