Aktuelles
3. Februar 2012

Familienunternehmen erobert Märkte Schritt für Schritt

Familienunternehmen schaut über Asien hinaus

Alexander Fackelmann ist geschäftsführender Gesellschafter
des Familienunternehmens Fackelmann.

Der Haushaltswaren-Hersteller Fackelmann ist weltweit mit über 30 Niederlassungen vertreten. Das Hersbrucker Familienunternehmen ist vor allem im asiatischen Raum aktiv, sieht aber auch in anderen Regionen viel Wachstumspotenzial. Familienunternehmer-News-Redakteur Hendrik Fuchs sprach mit dem geschäftsführenden Gesellschafter Alexander Fackelmann unter anderen über seine internationale Wachstumsstrategie.

Auf welche Strategie setzen Sie bei der Erschließung neuer Märkte im Ausland?

Alexander Fackelmann: Als Hersteller von Haushaltsartikeln sollten wir immer in den Märkten präsent sein, in denen auch unsere Kunden wie Metro, Kaufland und Walmart aktiv sind. In neuen ungesättigten Märkten suchen wir den Einstieg in der Regel über den Export und dann über einen Partner. Das ist bei uns häufig ein Kunde vor Ort in unserer Größenordnung, der sich mit den Gegebenheiten im Land auskennt. Ziel ist es immer, Schritt für Schritt eine eigene Niederlassung zu gründen, bei der wir über die Mehrheit verfügen. So sind wir in der Lage, unsere Philosophie auch an den internationalen Standorten durchzusetzen und unsere Unabhängigkeit als Familienunternehmen ist gewahrt.

Welche Rolle spielen dabei Joint Ventures?

Das hängt natürlich vom jeweiligen Land ab. Wir hatten zum Beispiel in China das Glück, bei dem Bau unserer Fabriken keine klassischen Joint Ventures eingehen zu müssen. Dann hätte sicherlich die Gefahr bestanden, dass wichtiges Know-how abfließt. Eine Fabrik haben wir ohne Partner realisiert, eine andere entstand als Joint Venture mit einem französischen Unternehmen, aber eben auf freiwilliger Basis. Joint Ventures sind soweit in Ordnung, solange wir den Kurs bestimmen können.

Wären Sie denn auch nach China gegangen, wenn der Staat Ihnen ein Joint Venture vorgeschrieben hätte?

Natürlich. Ich bin aber davon überzeugt, dass wir hier einen für uns gangbaren Weg gefunden hätten. Sicherlich haben es Unternehmen aus dem Bereichen Maschinenbau und Automotive in diesem Zusammenhang deutlich schwieriger als wir, ihre Vorstellungen durchzusetzen.

Wie sehen Sie die Chancen für deutsche Unternehmen, die bisher in China oder auch in Indien noch nicht Fuß gefasst haben?

In China hat sich in den vergangenen Jahren viel getan. Was Rechtssicherheit und Bürokratie anbelangt, hat sich beides gebessert. Auch die Entwicklung der Infrastruktur und der Aufbau des Know-hows sind auf einem guten Weg. Unternehmen, die jetzt noch in China aktiv werden möchten, müssen sich aber im Klaren sein, dass inzwischen dort die Lohnkosten und die Bereitschaft zu Streiks stark gestiegen sind. Die Zeiten der „Billigen Werkbank“ sind jedenfalls vorbei. So gibt es einen klaren Trend hin zu einem stärkeren Maschineneinsatz, was natürlich nur mit weiteren Investitionen zu bewerkstelligen ist – Arbeit wird also in Kapital umgewandelt.

In Indien haben wir eine etwas andere Situation. Dort kostet ein Arbeiter im Vergleich zu China viel weniger. Wir mussten aber die Erfahrungen machen, dass der Output schlechter ist. Das heißt, dass sich Unternehmen sehr intensiv um Mitarbeiter und Prozesse kümmern müssen, um vergleichbare Ergebnisse wie in China zu erreichen.

Produktion und Bearbeitung von Haushaltswaren
bei der „Fackelmann Plastic & Metal (Shenzhen) Co. LTD“.

Setzt das Unternehmen in den ausländischen Niederlassungen auf deutsche oder hauptsächlich auf Führungskräfte aus den Ländern, wo die Niederlassung gegründet wurde? Wie sind Sie in China und Indien vorgegangen?

Generell besetzen wir Führungspositionen in unseren ausländischen Niederlassungen mit Menschen, die von dort kommen. Denn sie können die Sprache, kennen sich mit den Gegebenheiten und den Umgangsformen vor Ort bestens aus. In Indien zum Beispiel ist es sogar vorgeschrieben, einen indischen Geschäftsführer einzustellen. Leider hat sich die Suche nach einem passenden Kandidaten dort als sehr schwierig erwiesen. Die Stelle haben wir mit einem jungen Inder besetzt, der ein Studium absolviert und mehrere Jahre in London gelebt hat. Doch es lief in der Produktion nicht alles so rund, wie wir uns das vorgestellt hatten. Daher haben wir ihm noch einen unserer Experten aus Deutschland zur Seite gestellt. In China sind ausschließlich Chinesen an der Spitze unserer Niederlassung. Sie agieren sehr selbstständig und sind hoch motiviert.

Wie bringen Sie Ihre Unternehmensphilosophie den Führungskräften und den Mitarbeitern in den ausländischen Niederlassungen näher?

Im Laufe meines Lebens habe ich festgestellt, dass alle Menschen ähnlich ticken – egal, aus welchem Kulturkreis sie kommen. Wir verfahren da nach unserem Leitspruch: „Zufriedene Kunden und engagierte Mitarbeiter sind Garanten für dauerhaften Erfolg“. Alle Führungskräfte werden bei uns auf ihre Aufgaben detailliert vorbereitet. Uns ist dabei sehr wichtig, dass sie unser Fackelmann-Know-how „inhalieren“. Ich bin der festen Überzeugung, dass wenn alle Führungskräfte – inklusive mir – unsere Philosophie glaubhaft vorleben, sie auch von den Mitarbeitern angenommen wird – egal, wo sie auf der Welt arbeiten.

Die Metallstanzerei des Familienunternehmens im
indischen Produktionsbetrieb in Kundli.

Alle sprechen nur noch von China und Indien. In welchen Ländern sehen Sie weitere Potenziale für Ihr Unternehmen?

Vom Volumen her ist Russland sehr interessant. Dort sind wir nur mit einem Partner vor Ort, möchten aber unser Engagement weiter ausbauen. In Brasilien sind wir da schon weiter. Gerade der südamerikanische Markt bietet in den nächsten Jahren sehr gute Entwicklungsmöglichkeiten. Australien ist strategisch für uns ein idealer Markt, lässt sich doch so ein großer Teil des asiatisch-pazifischen Raums abdecken. Dort wachsen wir demnächst durch die Übernahme eines Mitbewerbers. Schaut man etwas weiter in die Zukunft, ist für mich der afrikanische Kontinent der Markt von morgen. Wir bearbeiten diesen riesigen Wirtschaftraum bereits zusammen mit einem Partner von Südafrika aus.

Das Unternehmen

Die Fackelmann GmbH + Co. KG wurde 1948 von Sebastian Fackelmann als Handelsvertretung für Eisen- und Haushaltswaren gegründet. Heute beschäftigt der Hersteller von Haushaltswaren und Badmöbeln an seinen weltweit 36 Standorten rund 4.500 Mitarbeiter, davon rund 750 in Deutschland. Seit 1992 führt Alexander Fackelmann in zweiter Generation das Familienunternehmen.

www.fackelmann.de

In der Januar/Februar-Ausgabe der News (erscheint am 6. Februar) dreht sich im Titelthema alles um die Internationalisierung.