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27. März 2012

Deutscher Fiskus greift bei Unternehmen besonders kräftig zu

Studie:

Innerhalb der Europäischen Union greift der Fiskus in Deutschland bei Unternehmen besonders stark zu. Das ergab von der Stiftung für Familienunternehmen in Auftrag gegebenen Studie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) und der Universität Mannheim. Danach landete die Bundesrepublik im Vergleich mit den 27 EU-Mitgliedsstaaten auf Platz 21.

Das ZEW hat anhand des Simulationsmodells „European Tax Analyzer“ Auswirkungen von Veränderungen im Steuersystem auf die Unternehmen über einem Zeitraum von zehn Jahren ermittelt. Das Instrument berücksichtigt dabei sämtliche relevanten Steuerarten. So lassen sich im Detail die Folgen abschätzen, die die Steuerreformpläne der verschiedenen Parteien nach sich ziehen würden. „Nicht nur die Regierung, auch die Oppositionsparteien, speziell die linken Parteien, wollen das Rad der Steuergeschichte zurückdrehen, indem sie die Einkommen- und Körperschaftsteuersätze erhöhen und mit der Vermögensteuer eine kapitalvernichtende Abgabe wieder einführen. Dabei müssten sie spätestens im Lichte der Weltfinanzkrise wissen, dass ihr ideologischer Feind nicht in Flensburg, Osnabrück oder Biberach sitzt, sondern an der Achse zwischen Themse und Hudson-River“, so Prof. Dr. Dr. h.c. Brun-Hagen Hennerkes, Vorstand der Stiftung Familienunternehmen.

Familienunternehmen steuerlich benachteiligt

Die Studie konstatiert zudem, dass die gegenwärtige Steuerpolitik die zentralen Anforderungen an die Unternehmensbesteuerung nicht erfüllt. Dazu zählen Entscheidungsneutralität und Einfachheit der Besteuerung sowie die Stärkung der Standortattraktivität. „Die Probleme der Unternehmenssteuerreform 2008 bestehen damit nach wie vor“, so Prof. Dr. Christoph Spengel, Projektleiter der Studie beim ZEW. Größere Probleme sieht er etwa bei überproportionalen Steuererhöhungen, die gerade die standorttreuen Familienunternehmen stärker als internationale Konzerne benachteiligen würden. Mit Einführung der Abgeltungssteuer hätte man „die Eigenkapitalfinanzierung noch stärker als zuvor diskriminiert“. Hinzu komme die Benachteiligung bei der Besteuerung von Zinsen für Gesellschafterdarlehen im Vergleich zu Bankzinsen. „Dabei hat die Finanzkrise gezeigt, wie wichtig eine Stärkung des Eigenkapitals ist“, unterstrich Spengel.

Auch die steuerliche Benachteiligung für Familienunternehmer, die ihre Gewinne im Unternehmen belassen möchten, kritisierte der Experte.

„Übel an der Wurzel packen“

Im Rahmen der Studie wurden auch Unternehmensvertreter, Steuerberater und Vertreter der Finanzverwaltung befragt, um die zentralen Problemfelder des deutschen Unternehmensteuersystems zu identifizieren. Das Ergebnis: Besonders kompliziert und damit reformbedürftig sind die steuerliche Behandlung grenzüberschreitender Geschäfte, die Besteuerung von Personengesellschaften, die so genannte Zinsschranke und die Erbschaftsteuer. „Dass es der Staat den Unternehmen dort besonders schwer macht, wo sie stark sind und auch Deutschland stark machen, nämlich im Export, das ist widersinnig“, so Hennerkes. Der Vorstand der Stiftung Familienunternehmen sieht jetzt die politischen Akteure gefordert, macht sich aber wenig Hoffnung auf eine Verbesserung der Rahmenbedingungen: „Die Familienunternehmen vermissen nach wie vor den großen Wurf einer umfassenden Steuerreform, die das Übel bei der Wurzel packt. Offenbar fehlt es der Politik quer über alle Parteien an Mut, vielleicht auch an Kraft, den gordischen Knoten des heutigen Steuerwirrwarrs zu durchschlagen. Dabei liegen Ansätze auf dem Tisch wie das Kirchhof-Modell oder das der Dualen Einkommensteuer.“