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30. März 2012

Familienunterneher Klaus Grohe wird 75

Familienunternehmer Klaus Grohe wird 75

Klaus Grohe führte das Unternehmen bis 2008.

Viel weiter unten kann man kaum anfangen, die Karriereleiter hochzuklettern. Ein einfacher Ferienjob war es, mit dem Klaus Grohe im Unternehmen seines Vaters einstiegen musste. Dass er später Vorstandschef werden und den Sanitärausstatter Hansgrohe zum globalen Konzern mit 3.200 Mitarbeitern machen würde, war damals alles andere aus ausgemacht. „Bei Hansgrohe wird niemand in den Chefsessel hineingeboren“, erzählt er. Im Nachhinein ist er seinem Vater dankbar für diese harte Linie. Heute handhabt er es bei seinen Kindern ganz genauso. Am 3. April 2012 feiert der Sanitärunternehmer aus Schiltach bei Rottweil seinen 75. Geburtstag. Als junger Mann hat er einen kleinen Abfluss-Hersteller übernommen – als er ging, war aus dem Sanitärausstatter „Hansgrohe“ ein Weltkonzern geworden. Klaus Grohe hat das Familienunternehmen groß gemacht. Mit 75 Jahren will er nun noch einmal ganz neue Projekte angehen.

Rennstrecke oder Sanitär?

Fertigung bei Hansgrohe.

Wenn er gekonnt hätte, wäre Klaus Grohe vielleicht nicht Sanitärunternehmer geworden, sondern Rennfahrer. Die engen Schwarzwaldstraßen hatten es ihm genauso angetan wie große Rennstrecken. Zusammen mit Heinrich Baumgartner, dem Gründer des Felgenherstellers BBS, schraubte er manche Nacht an schicken Rennflitzern. Und vielleicht hat ihm seine Vorliebe für schnittige Autos manchmal auch als Sanitärunternehmer geholfen. Denn Design sollte eines seiner größten Themen werden.

Klaus Grohe war ein Nachzügler. Als er am 3. April 1937 geboren wurde, war sein Vater Hans Grohe schon 66. Seine beiden ältesten Brüder waren mit mehr als 30 Jahren Altersunterschied eher wie Onkel. Ein echter Feger muss er als Junge damals gewesen sein, ein „fauler Strick“ und „liederlich bis dorthinaus“ – so beschrieb ihn sein Vater in Briefen, die das Unternehmen in seiner Chronik veröffentlicht hat.

Um ihm Disziplin beizubringen, schickte sein Vater ihn auf ein Internat. Später studierte er Volks- und Betriebswirtschaft. Doch in den väterlichen Betrieb durfte er danach noch nicht. „Der ‚Alte Herr‘, wie man Hans Grohe respektvoll nannte, hatte testamentarisch verfügt, dass ich nicht vor meinem 25. Lebensjahr bei Hansgrohe aktiv werden dürfe“, erzählt der Junior.

Bad mit Design

Transport bei Hansgrohe gestern…

Erst 1968 kam er in den Familienbetrieb nach Schiltach. Es sei eine Umbruchphase gewesen, erinnert er sich. Nach dem Weltkrieg hätten die Menschen den Badausstattern die Produkte zunächst aus der Hand gerissen. Doch in den 60ern seien allmählich alle eingedeckt gewesen. Klaus Grohe begann mit etwas damals noch relativ Neuem: Er entwickelte eine farbenfrohe Werbung, zeigte nackte Frauen beim Duschen, verkaufte das Duschen als emotionales Erlebnis.

Schließlich engagierte er Designer, mit denen zusammen er den traditionell silbernen Badbrausen bunte Farben verpasste, mit Formen und Funktionen experimentierte und den Wasserverbrauch senkte. „Es ist fast eine erotische Beziehung, die man zu solchen Produkten entwickelt“, sagte er einmal.

… und heute.

Nach mehr als 30 Jahren an der Unternehmensspitze zog sich Klaus Grohe 2008 aus dem Alltagsgeschäft zurück. Seitdem fungiert er als Aufsichtsratsvorsitzender. Drei seiner vier Kinder sind schon im Unternehmen: Mit Richard Grohe (46) soll in ein paar Jahren wieder ein Familienmitglied Vorstandschef werden. Mehr als 20 Jahre lang hat auch er sich dann im eigenen Unternehmen hocharbeiten müssen.

Klaus Grohe gönnt sich inzwischen etwas häufiger Urlaub. Auf der spanischen Insel Formentera und in Arizona hat er Ferienhäuschen. Und trotzdem bleibt er Unternehmer. Erst vor ein paar Wochen ist er als Großaktionär beim Freiburger Unternehmen Solar-Fabrik eingestiegen, in Frankreich hat er ein Weingut gekauft und aufgemöbelt. Es sei interessant, in Branchen reinzuschauen, die mit Hansgrohe gar nichts zu tun haben, sagt er. „So wird zum Beispiel die altehrwürdige Weinbranche von jungen Leuten marketingseitig mit frischen Ideen neu gemischt – da macht es Spaß, mit dabei zu sein.“

Von Marc Herwig, dpa