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29. März 2012

Trigema-Chef Grupp wird 70

Exzentrischer T-Shirt-Fabrikant:

Wolfgang Grupp

Angefangen hat alles mit seinen fast jähzornigen Talkshow-Auftritten. Wenn Trigema-Chef Wolfgang Grupp einmal richtig loslegt, dann zieht er über Manager und Politiker her wie kein zweiter. Diese Auftritte haben den Textilunternehmer aus Burladingen (Zollernalbkreis) längst zu einem der berühmtesten Mittelständler im Land gemacht. Die „nackte Kanone unter den deutschen Unternehmern“ hat Entertainer Harald Schmidt ihn einmal genannt. Für seine Firma ist Grupp dadurch zur besten Werbefigur geworden, die er sich überhaupt nur wünschen kann. Am Mittwoch (4. April) wird der exzentrische Mittelständler 70 Jahre alt.

Wer den Familienunternehmer verstehen will, sollte vielleicht auf den Burladinger Friedhof gehen. Dort findet man das Grab des derzeit quicklebendigen Unternehmers. 45 Meter lang und 15 Meter breit ist es. Als er es bauen ließ, haben viele Anwohner in dem schwäbischen Kleinstädtchen erstmal ungläubig den Kopf geschüttelt. Inzwischen nehmen sie das Grab als eine der vielen Marotten hin, die ihr prominentester Mitbürger sich leistet. Genau wie die gläserne Garage für seinen Privathelikopter oder die Villa mit englischem Butler. Es sind solche Marotten, die Grupp außergewöhnlich machen. Denn als Unternehmer hat er nüchtern betrachtet keine herausragende Position. Mit 1.200 Angestellten ist er zwar einer der größten Arbeitgeber im Zollernalbkreis. Aber mit einem Jahresumsatz von 86,4 Millionen Euro gehört Trigema nicht zu den großen Unternehmen.

Kein Jahr mit Verlusten abgeschlossen

Grupp ist einer der wenigen, die den Niedergang der Textilbranche auf der Schwäbischen Alb überstanden haben. Als die billige Konkurrenz aus Fernost immer dominierender wurde, stimmte er seinen Werbeauftritt ganz darauf ab, dass er komplett in Deutschland produziert. Das sichert ihm seit Jahren öffentliche Aufmerksamkeit. Als er die „Trikotwarenfabrik Gebrüder Mayer“ (Trigema) 1969 von seinem Vater in dritter Generation übernahm, war der Familienbetrieb wirtschaftlich stark angeschlagen. Doch Wolfgang Grupp, der gerade frisch von der Uni kam, straffte und modernisierte das Sortiment und konzentrierte sich ganz auf Sport- und Freizeitkleidung. Mit Erfolg. Seit 1969 hat Trigema nach seinen Angaben kein Jahr mit Verlust abgeschlossen und durchschnittlich mindestens zehn Prozent Umsatzrendite erwirtschaftet.

Noch nie musste Grupp aus Arbeitsmangel jemanden entlassen oder in Kurzarbeit schicken. Allen Kindern seiner Mitarbeiter garantiert er einen Arbeitsplatz. Auch damit macht er gerne Werbung. Den Vorwurf der Gewerkschaft IG Metall, dass Trigema seine Beschäftigten deutlich unter den Sätzen des Flächentarifvertrags bezahle, weist Grupp empört zurück. Bei ihm gebe es eben Leistungsanreize. Wer gute Arbeit liefere, verdiene mindestens genauso viel wie bei der Konkurrenz. Apropos Konkurrenz. Für viele Unternehmer ist er ein Nestbeschmutzer par excellence. Kollegen wie den Drogerieunternehmer Anton Schlecker bezeichnet Grupp öffentlich als größenwahnsinnig. Und Managern, die Arbeitsplätze ins Ausland verlagern, wirft er Verantwortungslosigkeit und Gier vor. Es sind solche Sätze, die Grupp immer wieder in die Schlagzeilen bringen.

„Ich bleibe solange hier sitzen, bis ich sterbe“

Kritiker unken deshalb schon lange, dass Grupp seine markigen Äußerungen genau kalkuliere, um den Namen Trigema trotz eines begrenzten Werbe-Budgets in die Öffentlichkeit zu bringen. Doch so einfach dürfe man es sich aber nicht machen, findet Grupp-Biograf Erik Lindner. Er schätzt das öffentliche Auftreten des Trigema-Chefs anders ein: „Es scheint aus ehrlicher Empörung gespeist zu sein, wenn nicht gar persönliche Verletzungen dahinterstecken.“ Mit 70 Jahren macht sich Wolfgang Grupp inzwischen trotzdem immer häufiger Gedanken, wie es nach ihm mit der Firma weitergeht. Seine beiden Kinder Bonita (22) und Wolfgang junior (20) wollen nach Abschluss ihres Studiums in den nächsten Jahren bei Trigema einsteigen. Doch bis Wolfgang Grupp den Chefsessel wirklich freimacht, müssen sie wohl noch einige Zeit warten. Grupp selbst sagt: „Ich bleibe solange hier sitzen, bis ich sterbe.“ (Von Marc Herwig, dpa)