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9. März 2012

Vorbereitet auf Tag X

Familienunternehmer müssen für den Ernstfall vorsorgen

Auf den plötzlichen Ausfall der Geschäftsleitung, sei es durch einen tödlichen Unfall oder eine schwere Krankheit, sind viele Unternehmen nur unzureichend vorbereitet. Dabei können nicht nur die Firma und die Mitarbeiter in eine prekäre Schieflage geraten, sondern auch die Unternehmerfamilie. Es gilt, gezielt Vorsorge zu treffen.

Herzinfarkt, Schlaganfall, Krebs, Koma oder tödlicher Verkehrsunfall – das Leben kann unabhängig vom Alter von einer auf die andere Minute vorbei sein oder sich komplett verändern. Doch die meisten Menschen beschäftigen sich nur ungern mit der Endlichkeit ihres Seins. Vor allem Unternehmer, die eine Firma alleine führen, stehen hier in besonderer Verantwortung, frühzeitig die Weichen für den Fall der Fälle zu stellen. Und der kommt nach einer Untersuchung des Instituts für Mittelstand in Bonn (IfM) gar nicht so selten vor: Rund jede vierte Nachfolge in Deutschland tritt unerwartet ein – das sind etwa 18.000 Nachfolgen jährlich.

Reicht ein Testament aus?

Den ersten Schritt zu einer umfassenden Vorsorge stellt ein Testament dar. „Etwa drei Viertel aller Unternehmer haben ein Testament“, sagt Dr. Karin Ebel, Geschäftsführerin der auf die Beratung von Familienunternehmen spezialisierten Confida Unternehmer-Societät in Köln. Das Problem sei aber, dass es laut einer IfM-Studie etwa nur bei der Hälfte auf dem aktuellen Stand sei. „Im Prinzip reicht ein Testament aus. Ein veraltetes Testament kann aber für erheblichen Ärger sorgen, denn es bleibt rechtlich wirksam“, hebt Ebel hervor. Daher empfiehlt die Rechtsanwältin, das Dokument bei Veränderungen im Privaten wie Geschäftlichen stets an die neuen Gegebenheiten anzupassen.

Dr. Karin Ebel empfiehlt Unternehmern frühzeitig
Was-wäre-wenn-Szenarien durchzuspielen.

Für Klarheit sorgen

Auch ein nicht auffindbares Testament kann zu Turbulenzen im Unternehmen führen. „In der Regel tritt hier die gesetzliche Erbfolge in Kraft. Doch dann kann es in Einzelfällen bis zu drei Monate dauern, bis der Erbschein vorliegt und ein Unternehmen wieder handlungsfähig ist beziehungsweise Entscheidungen fällen kann. Die Expertin rät daher, das Testament beim Amtsgericht, beim Notar oder einer zentralen Stelle zu hinterlegen. „Auf jeden Fall nicht in ein Bankschließfach einschließen, denn für die Öffnung muss der Bank ein Erbschein vorliegen“, warnt die Rechtsanwältin.

Sieht der Gesellschaftervertrag beim Tod oder Ausfall eines Gesellschafters eine andere Regelung vor als dieser in seinem Testament festgelegt hat, so gilt in jedem Fall der Gesellschaftervertrag. „Angenommen ein Gesellschafter bestimmt im Testament, dass seine Ehefrau seine Geschäftsanteile erbt, sie aber im Gegensatz zu ihren Kindern laut Gesellschaftervertrag nicht Gesellschafterin werden darf, hat das zur Folge, dass sie in der Regel ihre geerbte Beteiligung an die anderen Gesellschafter abgeben muss. Das führt nicht selten zu massiven Streitigkeiten. Daher appelliere ich immer wieder an die Unternehmer, in diesem Punkt für Klarheit zu sorgen.“

Überbrücken mit Vollmachten

Um die Zeit zwischen dem Tod des Unternehmers und dem Erhalt des Erbscheins zu überbrücken, sollten Unternehmer Vollmachten hinterlegen. Besonders Vollmachten, die die Ausübung von Stimmrechten regeln, sind für die Kölner Rechtsanwältin von besonderer Bedeutung: „Jeder Gesellschafter sollte frühzeitig bestimmen, was mit seinen Stimmrechten passiert, wenn er nicht mehr in der Lage sein sollte, diese auszuüben. Das trifft vor allem auf Gesellschafter zu, die über die Stimmenmehrheit verfügen. Ansonsten ist die Gesellschafterversammlung über einen gewissen Zeitraum nicht mehr beschlussfähig.“

Doch nicht nur für den Fall des Todes ist Vorsorge zu treffen, sondern auch für eine eventuelle Handlungsunfähigkeit, zum Beispiel infolge eines Schlaganfalls. „Hier greift ja kein Testament. Mit einer Vollmacht lässt sich detailliert bestimmen, wann was unternommen werden kann. Einer unserer Mandanten hat zum Beispiel unter anderem bestimmt, dass das Unternehmen verkauft werden darf, falls er länger als ein Jahr im Koma liegen sollte.. Ein anderer Unternehmer, der viel in Krisenregionen unterwegs ist, hat festgelegt, dass seine Stimmrechte automatisch an die anderen Gesellschafter übergehen, wenn er sich zwei Wochen lang nicht meldet“ zeigt Ebel die vielfältigen Möglichkeiten auf. So bleibe das Unternehmen auch in einer solch prekären Lage handlungsfähig. (hf)

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