Aktuelles
20. März 2012

Wie der Mittelstand sein Geld anlegt

Sicherheit steht im Vordergrund

In Frankfurt stellten heute (20. März 2012) die Fachhochschule des Mittelstands (FHM) und die Commerzbank AG die „3. Studie zum Finanzanlageverhalten und Finanzanlagebedürfnis Mittelständischer Unternehmen“ vor. Für die repräsentative Studie waren zwischen Oktober und Dezember 2011 mittelständische Unternehmen befragt worden. Ergänzt wurde die schriftliche Befragung durch Experteninterviews. Die Sicherheit steht bei den Anlagekriterien danach deutlich an erster Stelle.

Sicherheit vor Rendite

Die wichtigsten Anforderungen der Mittelständler an die Anlage von Unternehmensgeldern können zusammengefasst werden mit den Schlagworten: sicher und kurzfristig. Die Mittelständler bewerteten die Sicherheit auf einer Rangskala von 1 (sehr wichtig) bis 6 (unwichtig) im Durchschnitt mit 1,28. Das gilt sowohl für die Sicherheit durch den Staat als auch durch den Emittenten. Gefolgt wird diese Anforderung von dem Wunsch nach einer hohen Verzinsung und leichter Verständlichkeit des Produkts. Diese Ergebnisse decken sich im Wesentlichen mit denen der 2007 und 2009 durchgeführten Befragungen.

Sichteinlagen (81 Prozent), Festgeld/Termineinlagen (70 Prozent) und Geldmarktfonds (35 Prozent bleiben die beliebtesten Anlageformen. Ein fester Zinssatz und eine vorab festgelegte Laufzeit ermöglichen den Unternehmen Planungssicherheit. Währungskonten (23 Prozent) und Derivate (21 Prozent) dienen der Absicherung von Währungen und Rohstoffpreisen. Während im Jahr 2007 nur zwei Prozent der Befragen Derivate einsetzte, ist es nun fast ein Viertel der Befragten.

Bei den Zinserwartungen geben sich die Mittelständler mit 2,6 Prozent zufrieden. 2009 wollten sie noch eine Verzinsung von 5,24 Prozent erreichen. Doch auch die bescheidenen Erwartungen sind in der Realität kaum erfüllbar, auch wenn es Banken gibt, die ihren Firmenkunden für längerfristige Termineinlagen über zwei Prozent Zinsen anbieten.

Gestiegener Anlagebedarf

Ein gegenüber 2009 verändertes Ergebnis zeigte die Frage nach dem Anlagebedarf. Während 2009, nach dem Ausbruch der Finanzkrise, nur 52 Prozent der Mittelständler Anlagebedarf sahen, waren es dieses Mal rund 60 Prozent. Dieser Wert ist ein Indiz dafür, dass die Wirtschaft boomt und der Anlagebedarf mittelständischer Unternehmen in Deutschland stark von der wirtschaftlichen Entwicklung abhängig ist. Diese Erkenntnis korrespondiert nach Meinung der FHM mit dem Anlagevolumen, dessen Durchschnittswert in der aktuellen Studie bei über 1,1 Millionen Euro liegt, 2009 aber nur bei rund 100.000 Euro lag. Allerdings ist trotz des Booms das Anlagevolumen von 1,7 Millionen Euro von 2007 noch nicht wieder erreicht. Doch die Mittelständler haben es definitiv geschafft, nach der Krise ein gewisses Maß an Liquidität aufzubauen.

Anlagehorizont kurzfristig

Mittelständler haben vor allem kurzfristigen Anlagebedarf. 74 Prozent der Unternehmen legen ihre liquiden Mittel mit einer Laufzeit von bis zu einem Jahr an. Diese Gelder stellen Liquiditätspolster dar und werden deshalb kurzfristig geparkt. Nur 18 Prozent der Befragten gaben einen Anlagehorizont von mehr als einem Jahr an. Länger als fünf Jahre wollen nur acht Prozent ihr Kapital binden. Über das „Parken“ von liquiden Mitteln hinaus sind weitere Anlagegründe die Abdeckung von Pensionsverpflichtungen oder die Speisung eines betrieblichen Altersvorsorgesystems oder die Schaffung eines Mitarbeiterbeteiligungssystems.

Beratung zählt

Für 40 Prozent der Befragten spielt die persönliche Beratung bei der Anlage von Unternehmensgeldern eine sehr wichtige Rolle, 90 Prozent halten sie zumindest für wichtig. Die steigende Komplexität der Finanzmärkte sowie veränderte Risiken tragen dazu bei. Außerdem zählt die Geldanlage nicht zu den Kernkompetenzen mittelständischer Unternehmen. Eine gute Beratung sollte sich nach dem Wunsch der Befragten vor allem durch hohe Kompetenz, gute Servicequalität und hohes Vertrauen gegenüber dem Berater definieren.

Nicht zuletzt vielleicht eine Begleiterscheinung der Finanzkrise: Für rund drei Viertel der Befragten ist es für die Anlageentscheidung wichtig, dass das Kreditinstitut einem Einlagensicherungsfonds angehört. Hierzu gibt es allerdings keine Vergleichszahlen, da die Frage erstmalig gestellt wurde. Eine ebenso große Rolle spielt für die Unternehmen die Bonität der Bank. Die Schulden- und Eurokrise dagegen hat nur geringen Einfluss auf das Anlageverhalten der Unternehmen. Nur rund ein Viertel hat deswegen sein Anlageverhalten geändert. Die Unternehmen sehen sich hier mit ihren risikobewussten Investitionen auf dem richtigen Weg.