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4. April 2012

Generationswechsel bei Fischer gescheitert

Klaus Fischer zurück an der Unternehmensspitze

Klaus Fischer führt das Unternehmen seit 30 Jahren.

Die Kunststoff-Dübel sind keinem Handwerker fremd, den Fischertechnik-Baukasten kennt wohl fast jedes Kind. Nun krempelt das Familienunternehmen seine Führung wegen eines Familienkonflikts um. Das leidige Thema Generationswechsel ist hier gescheitert. Klaus Fischer hat „mit sofortiger Wirkung“ die Leitung von seinem Sohn Jörg übernommen, der gerade mal vor einem Jahr peu à peu in die Geschäftsführung eingestiegen war.

Es konnte ihm scheinbar kaum schnell genug gehen: Schon am Dienstag lächelt Klaus Fischer wieder als Inhaber und Vorsitzender der Geschäftsführung der Unternehmensgruppe Fischer von der Homepage. Da ist die Meldung gerade erst raus, dass der Generationswechsel beim Familienunternehmen aus dem Schwarzwaldstädtchen Waldachtal gescheitert ist. „Wir haben in den vergangenen Wochen feststellen müssen, dass unsere Vorstellungen im Hinblick auf Ausrichtung und Führung des Unternehmens gravierend unterschiedlich sind“, kommentierte Klaus Fischer kurz in einer Mitteilung. Die Trennung sei einvernehmlich erfolgt; sein Sohn habe die Firma auf eigenen Wunsch verlassen. Dem Vernehmen nach sollte vor allem der Familienfrieden gerettet, Streit über die Ausrichtung der weltweit tätigen Gruppe nicht unterm Weihnachtsbaum ausgetragen werden.

Schwarzwälder Hartholz

Am Bau kennt jeder Fischer-Dübel und -Befestigungselemente.

Als der Generationswechsel vor knapp einem Jahr begann, hatte Klaus Fischer seinen Sohn noch gelobt und war zuversichtlich von einem problemlosen Übergang ausgegangen. Junior Jörg hatte – im Gegensatz zu seinem jüngeren Bruder – eine Wirtschaftsausbildung in England genossen. Nur noch ein bis zwei Tage pro Woche wollte der Alte in die Firma gekommen. Doch daraus wurde scheinbar nichts.

Hinter den Kulissen soll es gebrodelt haben. Vor allem bei der Personalpolitik wollte Klaus Fischer immer noch ein Wörtchen mehr mitreden, als der 36-jährige Jörg wohl gedacht hatte. Zuletzt eskalierte der Konflikt an der Besetzung einer hochrangigen Managerstelle. Insider beschreiben die beiden als „Alphatiere mit Dickköpfen aus Schwarzwälder Hartholz“. Das scheint in der Familie zu

liegen: Schon der Übergang von Firmengründer Artur Fischer auf seinen Sohn Klaus vor mehr als 30 Jahren verlief nicht reibungslos.

Dass dies bei Generationswechseln häufiger der Fall ist, wissen Experten. Schätzungen zufolge sind rund 90 Prozent aller Unternehmen in Deutschland in Familienhand; tausende müssen in den kommenden Jahren an die nächste Generation übergeben werden. Zuletzt machte die schwäbische Drogeriekette Schlecker Schlagzeilen, die nach knapp anderthalb Jahren unter Regie des Nachwuchses Insolvenz anmeldete.

Zurück auf den Chefsessel

Fischertechnik-Baukästen sind in den Kinderzimmern beliebt.

Klaus Fischer will laut einem Sprecher nun „wieder voll reinspringen und die Fäden in die Hand nehmen“. Den Chefsessel übernehme der 61-Jährige zunächst auf unbestimmte Zeit. Sein Vater Artur hatte ihn 30 Jahre nach ihrer Stabübergabe gelobt: „Meinem Sohn ist es gelungen, die Modernisierung und die Internationalisierung der Firma voranzutreiben und sie auf neue Herausforderungen vorzubereiten. Und auch die Innovationskraft hat er erhalten.“

Der neue und alte Herr im Haus, Klaus Fischer, betont: „Fischer wird auch in Zukunft ein Familienunternehmen bleiben.“ Sohn Jörg ist erst einmal raus aus dem operativen Geschäft, behält wie sein Bruder zwar ein Prozent der Anteile, hat damit aber seinem Vater überhaupt nichts zu sagen. Wie es mit dem 36-Jährigen weitergeht, ist unklar.

Die Gruppe mit rund 3.900 Mitarbeitern setzte im vergangenen Jahr rund 606 Millionen Euro um. Ein ähnliches Ergebnis wird für das laufende Geschäftsjahr angepeilt. Angaben zum Gewinn gibt es traditionell nicht.

Von Marco Krefting und Anika von Greve-Dierfeld, dpa