Aktuelles
8. April 2012

Mittelstandsanleihen praxisnah

Neues Buch klärt auf und geht ins Detail

Immer mehr mittelständische und Familienunternehmen ziehen Anleihen als alternative und zusätzliche Form der Finanzierung in Betracht. An verschiedenen deutschen Börsen haben sich inzwischen entsprechende Segmente etabliert. Trotzdem herrscht in den Unternehmen nach wie vor Unsicherheit über die Vor- und Nachteile dieser Finanzierungsform, über die daraus entstehenden Pflichten und über die konkreten Abläufe sowie die Kosten. Ein neues Buch aus dem Springer-Gabler-Verlag informiert praxisnah und ausführlich und richtet sich ausdrücklich an Unternehmer.

Herausgeber des Buchs sind die beiden Vorstände des Beratungsunternehmens Blättchen & Partner AG aus München, Dr. Konrad Bösl und Peter Thilo Hasler. Beide Herausgeber verfügen über umfangreiche Erfahrung in den Bereichen Börsengang und Anleiheemissionen, insbesondere von mittelständischen Unternehmen. Es ist ihnen gelungen, für das Buch namhafte Kapitalmarktexperten als Autoren zu gewinnen, die die verschiedenen Aspekte des Themas verständlich und übersichtlich darstellen. Der Leser kann sich durch die Aufteilung der Kapitel in einzelne Themen gezielt über die ihn interessierenden Aspekte informieren.

Alle Aspekte berücksichtigen

Der Betriebswirtschaftler Dr. Konrad Bösl ist erfahrener Corporate Finance Spezialist.

In ihrem Vorwort schreiben die Herausgeber: „Wer eine erfolgreiche Anleiheemission vor Augen hat, muss eine Vielzahl unterschiedlicher Aspekte berücksichtigen, denn nur jene Unternehmer, die sicher mit der Komplexität und der vielschichtigen spezifischen Begriffswelt einer Anleiheemission umgehen können, werden eine Anleihe erfolgreich platzieren.“ Das Buch hilft hier den entscheidenden Schritt weiter. In den vier Kapiteln geht es um die Gestaltungsparameter von Mittelstandsanleihen, um die technische Umsetzung der Emission, und um die Platzierung. Abgerundet wird das Themenspektrum durch drei Erfahrungsberichte aus Sicht eines Wirtschaftsjournalisten, aus Börsensicht und auch Sicht des Emittenten.

Gleich eingangs geben die beiden Herausgeber einen Überblick über den Markt für Mittelstandsanleihen und die Weiterentwicklungspotenziale. In fünf Beiträgen geht es in diesem Kapitel außerdem um die Stellung der Anleihe im Finanzierungsmix, um den rechtlichen Rahmen, um Convenants, Ratings und die „richtige“ Verzinsung. Schon allein der Beitrag von Dr. Michael Munsch von der Creditreform Rating AG ist lesenswert. Der Unternehmer erhält hier sehr konkrete Informationen zu den Anforderungen eines Ratings und den Prozess insgesamt. EU-Anforderungen, Ratingklassen und Nutzen und Wirkung des Ratings sind nur einige Stichworte. Im Kapitel über die technische Umsetzung einer Emission werden die Marktsegmente für den Mittelstand vorgestellt, die Bedeutung des Wertpapierprospekts und seine Erstellung erläutert. Die Bond Story, Pressearbeit und die Vermarktung der Anleihe sind weitere Themen.

Klarheit über die Kosten

Peter Thilo Hasler ist bei Blättchen & Partner Vorstand
für Börsengänge, Anleiheemissionen und Unternehmensbewertung.

Im dritten Kapitel befassen sich sieben Autoren ausführlich mit der Platzierung der Mittelstandsanleihe. Die Entscheidungskriterien für die Unternehmen und Platzierungsstrategien werden diskutiert, die Rolle der Emissionsbank erläutert und die Erwartungen von institutionellen und privaten Anlegern sowie die Kommunikationsstrategie besprochen. Bemerkenswert in diesem Kapitel ist der Beitrag von Peter Thilo Hasler über die Kosten einer Mittelstandsanleihe. Häufig ergehen sich Autoren bei diesem Thema in vagen Andeutungen. Das tut Hasler nicht. Nach der Lektüre dieses Beitrags weiß der Unternehmer ziemlich genau, was auf der Kostenseite an variablen und fixen Kosten auf ihn zukommt. „Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass die Gesamtkosten einer Anleiheemission an den Segmenten für mittelständische Unternehmen zwischen 3 % und 5 % des Emissionsvolumens liegen, wobei sich auch Werte von mehr als 10 % beobachten lassen.“ Doch davon, so der Experte, sollten sich Unternehmen nicht abschrecken lassen, denn bei der Begebung einer Mittelstandsanleihe würden dem Unternehmen in der Regel höhere finanzielle Mittel zufließen als bei anderen Finanzierungsformen wie Bankkrediten.

Und noch eines weiß der Unternehmer, wenn er dieses Buch gelesen hat: Eine Anleihe an die Börse zu bringen, ist kein Spaziergang. Gleichzeitig ist der Prozess aber auch ein Gewinn für das gesamte Unternehmen, denn im Verlauf des Prozesses wird das gesamte Unternehmen inklusive Strategie und Finanzierung auf den Prüfstand gestellt. Daraus ergeben sich auch Erkenntnisse, die das Unternehmen dazu zwingen, Schwachstellen zu beseitigen. Letztlich sind alle auftretenden Probleme lösbar, wie ein Emittent beschreibt: „Je näher der Zieleinlauf kommt, desto größer muss die Bereitschaft sein, nochmals alle Ärmel hochzukrempeln, um aufkeimende Probleme umgehend zu lösen und in die richtige Bahn zu lenken. Wer das beherzigt und bedingungslos umsetzt, den wirft im langen Anleiheprozess nichts aus der Bahn.“

Mittelstandsanleihen. Ein Leitfaden für die Praxis, Springer-Gabler-Verlag, ISBN 978-3-8349-3398-0, 49,95 Euro