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20. Mai 2012

Studie Chinese Outbound Investment 2012

Studie Chinese Outbound Investment 2012

Der Gesamtbestand chinesischer Investitionen in Deutschland lag 2009 bei etwa 600 Millionen Euro. Ende 2010 war es bereits knapp eine Milliarde Euro. Zwischen 2003 und 2009 haben sich die chinesischen Direktinvestitionen in Deutschland mehr als vervierfacht. 70 Prozent der in Deutschland investierten chinesischen Unternehmen sind Privatunternehmen, darunter viele Familienunternehmen. Berners Consulting aus Stuttgart hat in einer Studie die Erwartungen und Absichten des chinesischen privaten Mittelstands untersucht.

Die „Berners Consulting COI Studie 2012“ ist vor allem deshalb bemerkenswert, weil es nicht um retrospektive Analysen geht, sondern um Erwartungen und Trends, um zukunftsbezogene Erwartungen und Investitionspläne chinesischer Unternehmen. Die in Landessprache geführten Tiefeninterviews erlauben weitgehende Einblicke in die Strategien, Erwartungen, Bedenken und Bedarfe der chinesischen Entscheidungsträger und geben auch Auskunft über deren Beratungsbedarf beim Markteintritt in Deutschland. Lutz Berners, Managing Director mit über einem Jahrzehnt Erfahrung mit deutsch-chinesischen Kooperationsthemen, fasst zusammen: „Es geht den Chinesen bei Investitionen in Deutschland darum, die eigenen innovativen Produkte auf einen neuen Markt zu bringen und auch weiterzuentwickeln.“

Privatunternehmen befragt

Für die Studie wurden Unternehmen mit jährlichen Umsatzvolumina von etwa fünf bis 300 Millionen Euro ausgewählt, die sich in privatem (76 Prozent), idealerweise im Familienbesitz, befinden. Befragt wurden Personen mit strategischen Entscheidungsbefugnissen, möglichst ein Gesellschafter, die ein Auslandsengagement zumindest irgendwann in Betracht ziehen oder zogen. Die Unternehmen sind außerdem in einer der vom 12. Fünf-Jahres-Plan genannten sieben „strategischen“ Industrien tätig, die besonders gefördert werden. Neben Hochtechnologie, Automotive und Zuliefererdindustrie lag der Branchenschwerpunkt auf erneuerbaren Energien sowie Umwelttechnik und umweltfreundlichen Technologien. Die Mitarbeiterzahl der befragten Unternehmen lag zwischen fünf und über 1.000. Ansässig waren sie in den Regionen Beijing, Tianjin, Shanghai, Jiangsu, Zhejiang und Guangdong.

Spiel ohne Regeln?

Lutz Berners, Managing Director, und Miriam Fritz, Consultant,

stellten die Studienergebnisse vor.

Die Ergebnisse der Studie rücken das Bild chinesischer Unternehmen und ihrer Absichten in Deutschland zurecht. Längst wollen sie keine maroden Unternehmen mehr aufkaufen. Sie investieren strategisch, wollen sich den Zugang zu Märkten und Technologie sichern – damit sind sie ihren Kollegen aus deutschen Familienunternehmen gar nicht so unähnlich. In der Studie wird der Exportleiter eines chinesischen Familienunternehmens zitiert: „Ein Markteintritt in Deutschland ist vergleichbar mit der Teilnahme an einem Kartenspiel, bei dem man die Regeln nicht kennt und auch nicht danach fragen darf.“ Auf den Punkt gebracht: Chinesische Unternehmen erhoffen sich von Direktinvestitionen in deutsche Unternehmen Einblick in die Spielregeln des fremden Markts, Know-how für den Markteintritt, und sie brauchen Hilfe, wenn sie es auf eigene Faust versuchen.

Lutz Berners sagt: „Es fehlt vor allem am Verständnis des fremden Markts. Das beginnt schon bei der geographischen Aufteilung. Außerdem sind die lokalen Konsummuster nicht bekannt, ebenso wenig wie das Rechtssystem. Lokales Personal, das Markt, Produkt und Sprache versteht, ist unverzichtbar für die Überwindung dieser Hürden.“ Consultant Miriam Fritz, Projektleiterin der Studie, ergänzt: „Die Chinesen suchen Partner, die sich auf den Markt konzentrieren, technikaffin sind und eine vergleichbare Unternehmenskultur haben.“

Selbstbewusst und selbstkritisch

China boomt.

Berners Consulting hat die Ergebnisse der Studie in elf Thesen zusammengefasst. Danach kann man damit rechnen, dass künftig am deutschen Markt noch mehr Drachen zu sehen sein werden – chinesische Privatunternehmen sehen sich laut Berners gerne als Drachen (Long). Ins Ausland werden sich vor allem die Feilong, die fliegenden Drachen, wagen, während die risikoaversen Tianlong, himmlische Drachen, sich eher auf den Heimatmarkt konzentrieren. Deutschland ist für die chinesischen Drachen aufgrund seiner Technologieführerschaft sowie seiner wirtschaftlichen und politischen Stabilität eine attraktiver Standort. Die chinesischen Unternehmer orientieren sowohl ihre Strategie als auch die Anforderungen an eine Partnerschaft im Zielmarkt an ihren Hauptmotiven Marktzugang und dem Aufbau eigener Technologiekompetenz.

Doch so selbstbewusst die chinesischen Unternehmen auftreten, sind ihnen doch die eigenen Schwächen bewusst. In der Befragung nannten sie den schlechten Ruf chinesischer Produkte, die fehlende Erfahrung beim Aufbau von Kundenbeziehungen in Europa sowie das mangelnde Verständnis der Kauf- und Konsumgewohnheiten im Zielmarkt. Aus dieser Erkenntnis heraus entwickeln sie zunehmend Nachfrage nach Beratungsleistungen durch Dienstleister im Zielmarkt.

Tipp: Eine Vollversion der Studie ist voraussichtlich ab Juni 2012 erhältlich. Es gibt bereits eine Executive Summary und verschiedene Zielgruppen-Versionen, zum Beispiel für Standortförderer oder Dienstleister. Neben einer ausführlichen Diskussion der Ergebnisse und umfangreichen Zitaten enthalten die verschiedenen Versionen Kommentare, Einschätzungen und Empfehlungen der China-erfahrenen Berners-Berater.

www.berners-consulting.net