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7. September 2012

Wie Unternehmen der Zukunft entgegengehen sollten

Unternehmer sollten der Zukunft mit Spaß entgegengehen

Trendbeobachter Mathias Haas mit seinem Fahrrad, das er sich nach seinen Vorstellungen
in einer Rad-Boutique hat zusammenstellen lassen. Ein Trend, der in Skandinavien längst Realität ist.

„In jedem von uns steckt ein kleiner Angsthase“, sagt der Trendbeobachter Mathias Haas. Das gelte besonders in Bezug auf die Zukunft. Sie sei ungewiss und bringe Veränderung mit sich. Hinzu komme der Druck, immer alles (richtig) machen zu müssen, nichts verpassen zu dürfen und stets der Beste zu sein. Das fange bereits mit den E-Mails an, die man meine, jeden Tag beantworten zu müssen. „Lesen Sie drei Tage lang keine E-Mails und beschäftigen Sie sich während dieser Zeit mit der Zukunft Ihres Unternehmens“, rät Haas seinen Zuhörern. „Wenn Sie der Zukunft vorbereitet entgegensehen können, verliert sie ihren Schrecken und Veränderung macht dann sogar Spaß.“

Der Veränderung kann sich kein Unternehmen entziehen und auch der Globalisierung nicht – davon ist der Trendbeobachter überzeugt. Das zeige sich bereits heute: „Megatrends entwickeln sich über fünf bis zehn Jahre. Die Themen kommen nicht über Nacht. Durch die richtige Einordnung kommender, unumkehrbarer Megatrends, können sich Unternehmen in eine komfortable Ausgangslage bringen. Vorbereitet zu sein, bedeutet weniger Stress.“ Unternehmen sollten sich ab und zu fragen, was sie ab morgen nicht mehr tun werden, empfiehlt der Trendbeobachter. „Die meisten fragen sich, was sie noch alles tun sollten. Etwas nicht zu tun, produziert Profil. Ich zum Beispiel lehne es ab, Galamoderationen zu machen. Dadurch unterscheide ich mich von anderen Rednern und Moderatoren. Ich fokussiere auf Workshops und Tagungen.“ Solche Überlegungen würden eventuell in anderen Kernkompetenzen, einer anderen Teamzusammensetzung oder sogar neuen Geschäftsmodellen münden. „Heute ist es schon möglich, Heizung und Energieverbrauch in einem Haus über eine Software zu steuern, demnächst mit einer App“, so Haas weiter. „Weshalb sollte sich der Kaminbauer da nicht überlegen, ob er nicht mehr IT-Kompetenz braucht und stattdessen weniger Ofenbauer?“

Zukunft ist berechenbar

Der Trendforscher belegt an zahlreichen Beispielen, dass die Informationen über die Zukunft in der Regel alle vor uns liegen, aber wir sie entweder nicht als relevant erkennen oder nicht die entsprechenden Schlüsse ziehen. „In Stuttgart leben mittlerweile in 82 Prozent aller Haushalte keine Kinder. Ein Dachdecker muss sich doch überlegen, was das für ihn heißt“, sagt Haas. „Oder die Globalisierung. Im ‚Global 500’ der Financial Times wurden 2008 68 Unternehmen aus BRIC-Staaten aufgeführt. 2011 waren es bereits 117. 2013/14 wird vermutlich die Hälfte aller dort gelisteten Unternehmen aus den BRIC-Staaten kommen. Das zeigt ganz klar, dass die Zukunft deutscher Unternehmen nicht mehr ausschließlich in Deutschland oder Europa liegt.“ Es bedeute auch, dass Unternehmen interkulturelle Kompetenz und Sprachkenntnisse aufbauen müssten. Ein erster Schritt wäre, dass Unternehmer zum Beispiel Messen in relevanten Absatzmärkten nutzten, um eine Karte für den Markteintritt zu erstellen. „Sie müssen den Markt fühlen, damit sie ihn bewerten können. Sie müssen die Akteure kennen lernen, Kontakte knüpfen und die Möglichkeiten des Marktes erkennen“, sagt Haas. „Aber vor allem geht es darum, eine Kultur der Veränderung zu akzeptieren und Spaß daran zu gewinnen. Nur so werden aus Angsthasen Heldenhasen. Heldenhasen laufen Zickzack, schlagen Haken und hängen so ihre Verfolger ab.“ Dafür brauche es unbequeme Mitarbeiter und eine Unternehmenskultur, die Fehler zulasse. „Nehmen Sie 30 Prozent Ihres Marketingbudgets und verwenden Sie es für Zukunftsprojekte. Bei Amazon zum Beispiel dürfen Mitarbeiter aus einer Idee einen Business-Case machen – Scheitern inklusive.“

Der Schreiner und die neue Mobilität

Ein wichtiges Merkmal von Megatrends ist auch ihr Zusammenwirken. Das kann man zum Beispiel am Trend zu neuen Mobilitätskonzepten sehen. Hier spielen abnehmende Ressourcen und Umweltbewusstsein ebenso eine Rolle wie die Digitalisierung und ein Wertewandel in der Gesellschaft. „Junge Menschen wollen benutzen statt besitzen. Das Auto ist für sie kein Statussymbol mehr. Das zeigt sich in Umfragen und an der Tatsache, dass in Deutschland in den letzten drei Jahren etwa zehn Prozent weniger Führerscheine ausgestellt wurden. Der Trend geht eindeutig zur ‚persönlichen Mobilitätskarte’. Durch die Fülle an Informationen, die die digitale Welt zur Verfügung stellt, entscheiden die Menschen kurzfristig, ob sie einen Leihwagen, die Bahn, das Fahrrad oder eine Mitfahrgelegenheit nutzen“, sagt Haas. Es komme schon lange nicht mehr auf die Verarbeitung von Blechen, Metallen und Kunststoffen beim Autobau an, sondern auf die intelligente Software. Die steuere fast alles, vom Motor bis zum Scheibenwischer, vom Bordcomputer bis zur Klimaautomatik. „Der deutschen Automobil- und Zulieferindustrie drohen sehr potente Wettbewerber. Sie kommen aus Japan und Korea, und mit einer völlig anderen Denkweise aus den USA. Denn dort ist die IT-Wirtschaft zuhause“, beschreibt Haas das Szenario. Software und das Wissen um die Wünsche der Kunden sei das eigentliche Kapital der heutigen Zeit. Digitalprofile ließen sich auch nutzen, um Autos zu bauen, die die Welt wirklich haben möchte, Marktwissen inklusive. „Und die virale Vermarktungsstrategie bringen Facebook, Apple, Google und Co. auch gleich mit“, meint der Trendbeobachter. „Das IBM-Mobil oder das iCar wird kommen. Metall und Produktionsprozesse werden schon bald nicht mehr darüber bestimmen, wer Marktführer ist.“

Was der Schreiner damit zu tun hat? Im Rahmen der neuen Mobilität wird das Fahrrad immer akzeptierter und zum Statussymbol wie früher das Auto. Haas kann sich vorstellen, dass es künftig in der Lobby eines Fünf-Sterne-Hotels und in stylishen Wohnräumen Designer-Fahrradständer gibt – vielleicht vom Schreiner, bestückt mit Software, die ein leichtes Andocken und Diebstahlsicherung möglich macht. Levi’s zum Beispiel hat schon eine Jeans speziell für Leute entwickelt, die mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren. „Jede Branche muss mit dem Thema Mobilität spielen“, sagt Haas. „Und das gilt nicht nur für diesen Trend. Man muss über den eigenen Tellerrand hinaus schauen.“

www.trendbeobachter.de

In der September-Ausgabe der News dreht sich alles um Trends, den Wandel und wie Unternehmen beides für sich zunutze machen können.