Aktuelles
10. Oktober 2012

Wenn der Staatsanwalt gegen Unternehmer ermittelt

Kommunikation in juristischen Auseinandersetzungen

Die Arbeit von Uwe Wolff und seinem Team beginnt, wenn Auseinandersetzungen vor Gericht enden. Litigation-PR steuert Kommunikationsprozesse während juristischer Auseinandersetzungen. Sie hilft den Anwälten, den Verlauf einer juristischen Auseinandersetzung im zivil- und strafrechtlichen Bereich im Sinne ihres Mandanten zu beeinflussen und bewahrt den Mandanten vor weiterem Imageschaden und finanziellen Verlusten, die mit einer Auseinandersetzung vor Gericht einhergehen können.

Familienunternehmen sind auf das Vertrauen ihrer Kunden angewiesen, das durch eine juristische Attacke leicht erschüttert werden kann. Und ein Freispruch vor Gericht heißt noch lange nicht, dass das Unternehmen beziehungsweise der Unternehmer auch von der Öffentlichkeit freigesprochen wird. Umgekehrt kann die öffentliche Meinung Gerichte und Staatsanwälte dazu bewegen, sich einen Sachverhalt genauer anzuschauen. Gemeinsam mit den Anwälten entwickelt Wolff Strategien, mit denen man die Perspektive des Mandanten darstellen, zu seiner Entlastung beitragen und seine Reputation schützen kann. „Auch Staatsanwälte suchen die Öffentlichkeit“, sagt Wolff. „Natürlich haben sie eine Auskunftspflicht gegenüber Journalisten, aber die Frage ist immer was, wann und wie viel erzählt wird.“ Man könne auch bei Staatsanwälten Eitelkeiten und Profilierungsversuche beobachten. „Während der Vorermittlungen der Staatsanwaltschaft haben die Anwälte keine Chance, die öffentliche Meinung zu beeinflussen, denn die Akten liegen noch bei der Staatsanwaltschaft, die nicht nur die Ermittlungshoheit, sondern damit auch die Informationshoheit hat und so das Bild des Beschuldigten in der Öffentlichkeit formen kann“, so Wolff weiter. „Meistens hüllen sich Beschuldigte und Anwälte in Schweigen, um nichts zu verderben. Damit überlassen sie dem Gegner und der Staatsanwaltschaft die Bühne.“

Uwe Wolff gilt in Deutschland als Pionier der Litigation-PR.
In Berlin gründete er „NAÏMA Strategic Legal Services“, ein Unternehmen für
strategischen Rechtskommunikation.

Retten, was zu retten ist

Litigation-PR ist keine Krisenkommunikation im herkömmlichen Sinne, sondern strategische Rechtskommunikation. Sie setzt ein, wenn die Katastrophe bereits eingetreten ist und die juristischen Folgen der Katastrophe absehbar werden. Nach den Erfahrungen von Wolff ist sie oft noch Jahre danach nötig. „Ermittlungen, Hausdurchsuchungen und ein Prozess zerstören das Vertrauen von Lieferanten und Kunden. Mitarbeiter verlieren die Motivation. Im schlimmsten Fall gerät das Unternehmen sogar in die Insolvenz. Gleichzeitig wird der Ruf des oder der Geschäftsführer ruiniert“, zeichnet er das Szenario, dem er meistens gegenübersteht. „Wir sichten Material, arbeiten uns in den Fall ein und entwerfen mit den Rechtsanwälten eine Strategie, mit der wir die gegnerische Seite, gegebenenfalls auch die Staatsanwaltschaft oder das Gericht, unter Druck setzen und die Öffentlichkeit für unseren Mandanten gewinnen können. Wir versuchen, Verbündete und Multiplikatoren auf unsere Seite zu ziehen – kurzum, wir tun alles, damit unser Mandant einigermaßen unbeschadet aus dem Schlamassel herauskommt.“ Etwa 80 Prozent der Fälle, die von Wolff und seinem Team bearbeitet werden sind zivilrechtlicher Art.

Wie sehr die Öffentlichkeit mitentscheide, habe man zum Beispiel an der Auseinandersetzung zwischen Kommunen und Deutscher Bank um Zinsswaps gesehen, die bis vor den Bundesgerichtshof ging. Als die Rathauschefs mutig gegen die mächtige Deutsche Bank aufstanden und sagten „wir wurden abgezockt“, vermuteten die Medien die Schuld eher in den Rathäusern selbst. Es dauerte lange, bis zu Tage trat, dass die wahren Zocker in den Banken und nicht in den Rathäusern saßen. „Wir müssen einschätzen, wer gegen wen spielt, welche Interessen sich dahinter verbergen und wo wir ansetzen können“, sagt Wolff, aber eines sei für ihn klar: „Ich arbeite nur, wenn ich von der Sache beziehungsweise der Unschuld des Mandanten überzeugt bin. Wäre ich das nicht, könnte ich mich nicht mit der nötigen Leidenschaft engagieren.“

Die bessere Geschichte liefern

Litigation-PR kann spektakuläre Ergebnisse erzielen, aber schaut man sich Wolffs Arbeit an, kommt es in erster Linie auf Fleiß und Kompetenz an. „Oft müssen wir 30 bis 40 Aktenordner sichten. Daraus sollen dann 100 Zeilen für Journalisten werden, die das Wesentliche mitteilen, möglichst übersichtlich aufbereitet mit Schaubildern und Zitaten.“ Für diese Leistung erhält Wolff schon einmal Lob aus Journalistenkreisen. Voraussetzung für erfolgreiche Arbeit ist allerdings, dass der Auftraggeber mitspielt: „Wir erwarten eine offene Kommunikation. Der Mandant muss sich unseren Fragen stellen und bereit sein, alle benötigten Unterlagen zu liefern.“ Auch die Zusammenarbeit mit Anwälten und, so weit vorhanden, mit Unternehmenssprechern und der Unternehmenskommunikation müsse funktionieren. „Die hausinterne Kommunikationsabteilung kennt in der Regel die Ansprechpartner in den Fachblättern. Das ist zum Beispiel sehr wichtig, wenn es um Patentauseinandersetzungen geht“, sagt Wolff. „Daneben haben wir natürlich unsere eigenen Kontakte zu wichtigen Medien, in die Politik und in Verbände.“

Im Endeffekt gehe es darum, „die bessere Geschichte zu liefern“, so der Kommunikationsprofi weiter. „Besonders der Mittelstand tut sich schwer, wenn Unternehmen oder Unternehmer am Pranger stehen. Sie haben oft die Meinung, die Presse habe sich gegen sie verschworen und dagegen sei man machtlos. Wir kämpfen und gehen nach vorne. Journalisten möchten eine gute Geschichte, wir liefern die bessere.“

In der Oktober-Ausgabe der News dreht sich alles um das Thema Krisenkommunikation.