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14. Dezember 2012

Automobilzulieferer Elring-Klinger auf neuen Wegen

Automobilzulieferer auf neuen Wegen

Das Unternehmen investiert jedes Jahr rund sechs
bis acht Prozent des Umsatzes in Forschung und Entwicklung.

Die Elring-Klinger AG mit Hauptsitz im baden-württembergischen Dettingen/Erms hat in den vergangenen Jahren einen rasanten Aufstieg hingelegt. Dem Automobilzulieferer ist es dank seiner zahlreichen Innovationen gelungen, sich als Erstausrüster für Zylinderkopf- und Spezialdichtungen sowie in Bereichen Kunststoff-Gehäusemodule und Abschirmteile international unverzichtbar zu machen. Doch das Unternehmen hat noch weitaus mehr zu bieten.

Sie war früher häufig der Grund, warum ein Motor den Geist aufgab, das Auto dampfend am Straßenrand stand und die Fahrer wutschnaubend um ihr Fahrzeug liefen: die Zylinderkopfdichtung. Vor allem Modelle älterer Bauart waren für hohe Temperaturschwankungen sehr anfällig. Doch findige Ingenieure der heutigen Elring-Klinger AG entwickelten Anfang der 90er-Jahre eine Metalllagen-Zylinderkopfdichtung und legten damit den Grundstein für den Weg des Unternehmens an die Weltspitze. Dieser Erfolg kam nicht von ungefähr, denn über viele Jahre wurde eine sehr innovationsfreudige Unternehmenskultur aufgebaut und gepflegt. Das Ziel: Der Konkurrenz immer einen Schritt voraus zu sein.

Vorstandsvorsitzender Dr. Stefan Wolf im Interview mit den Familienunternehmer-News.

„Wenn von uns ein Produkt auf den Markt kommt, ist es für uns schon ein altes Produkt. Dann sind wir schon längst an der Entwicklung besserer oder neuer Lösungen dran“, sagt der Vorstandsvorsitzende Dr. Stefan Wolf stolz. Von diesem Vorsprung lebe das Unternehmen. Das sei aber nur möglich, wenn Mitarbeiter genügend Raum für ihre Entfaltung hätten. „Wir geben zum Beispiel unseren Jungingenieuren viel Gesamtverantwortung. Sie dürfen eigene Projekte durchführen und diese auch später draußen beim Kunden präsentieren. So etwas motiviert ungemein und setzt neue Kräfte frei“, unterstreicht der Elring-Klinger-Chef. Ein enges Kommunikationsnetz innerhalb des Unternehmens ist für den Vorstandsvorsitzenden ein weiteres wichtiges Element hin zu mehr Innovationen. Das zeigt sich etwa an der räumlichen Nähe von Produktion und Entwicklungsabteilung, die einen unkomplizierten Gedankenaustausch jederzeit möglich macht. „Da lässt sich im Dialog schnell klären, ob ein angedachter Ansatz möglich ist oder nicht“, sagt Wolf.

Megatrends für sich nutzbar machen

Die Automobilbranche steht in den nächsten Jahrzehnten vor großen Veränderungen. Alternative Antriebssysteme werden eine immer größere Rolle spielen. Da heißt es für Automobilzulieferer wie Elring-Klinger, die ihr Geld hauptsächlich mit Komponenten für Verbrennungsmotoren verdienen, sich rechtzeitig auf diesen Wandel einzustellen. „Man muss Visionär sein. E-Mobility ist einer der Megatrends, den wir uns zunutze machen können“, sagt Wolf. Und hier tut sich bei den Schwaben einiges. Im Bereich Elektroantrieb setzt das Unternehmen auf den Einsatz von Batterien und die Brennstoffzellentechnologie. Hier gibt es zahlreiche Einsatzgebiete, etwa für die Abschirmung empfindlicher Elemente, denn auch bei alternativen Antriebsformen entstehen hohe Temperaturen. Im Werk in Dettingen/Erms wird bereits eine erste Komponente, ein Zellverbinder auf Edelstahlbasis für den Einsatz in Lithium-Ionen-Batterien, gefertigt. „Dank unseres Know-hows in Sachen Stanzen und Kunststofftechnik konnten wir eine Lösung entwickeln, die mit hohen Temperaturschwankungen gut zurecht kommt“, so Wolf.

Brennstoffzelle gehört die Zukunft

Der Vorstandsvorsitzende Wolf setzt nach dem Motto „Über die Zukunft nachdenken und als Erster dort ankommen“ vor allem auf die Brennstoffzellentechnologie große Hoffnungen. Für ihn sei es logisch, dass sich diese Technik früher oder später bei Antrieben durchsetze, denn im Gegensatz zu einer Batterie würde eine Brennstoffzelle den benötigten Strom selbst produzieren. Doch bisher stimme die Gesamtenergiebilanz von künstlich erzeugtem Wasserstoff noch nicht. Daher ist der Automobilzulieferer bestrebt, mit nationalen und internationalen Projekten die Technologie voranzutreiben. So entwickelt man zum Beispiel mit den Partnerunternehmen Behr und Eberspächer Prototypen von Brennstoffzellensystemen für die Bordstromversorgung in Lkw. Erstmals zum Einsatz kommen sollen sie als Energiequelle zur elektrischen Standklimatisierung der Fahrgastzellen bei schweren Lkw im US-Markt. In Kombination mit einem Reformer wandelt das Brennstoffzellen-Modul diverse Energieträger wie Diesel, Erdgas oder Bioethanol mit hohem Wirkungsgrad und weitgehend emissionsfrei in elektrische Energie um. Ein lukrativer Markt, denn die US-Regierung hat verboten, dass Lkw-Motoren in Pausen weiterlaufen dürfen.

Auch in anderen Bereichen verspricht sich das Unternehmen interessante Einsatzmöglichkeiten. „Aufgrund unserer hohen technologischen Kompetenz auf diesem Gebiet der Brennstoffzelle planen wir, diese hocheffiziente Technologie auch für den stationären Einsatz im Bereich der Kraft-Wärme-Kopplung in Ein- und Mehrfamilienhäusern zu adaptieren. Zur Zeit läuft hier ein entsprechendes Test-Projekt“, so Wolf.

Noch viel Potenzial bei Verbrennungsmotor

Nach Ansicht von Wolf wird es aber noch gut zwanzig Jahre dauern, bis sich alternative Antriebstechnologien auf dem Markt endgültig durchsetzen. Bis dahin werde sich alles auf die Optimierung des klassischen Verbrennungsmotors konzentrieren. „Downsizing ist das Thema der nächsten Jahre. In der ersten Phase ging es darum, Teile aus Metall gegen Komponenten aus Kunststoff auszutauschen. Heutzutage wird sogar dieser Kunststoff durch neu entwickelte, noch leichtere Kunststoffarten ersetzt.“ In diesem Bereich sei auch noch in Sachen Dichtungen und Abschirmung einiges Verbesserungspotenzial vorhanden.

Über Automobilbereich hinaus

Das schwäbische Unternehmen ist sich seiner Abhängigkeit von der Automobilbranche durchaus bewusst und versucht, in den kommenden Jahren den Anteil am Umsatz, der aus dem Non-Automotive-Bereiche kommt, Stück für Stück zu erhöhen. Produkte aus der Kunststoffsparte auf Teflonbasis finden zum Beispiel Anwendung in der Medizintechnik, etwa in Dialysegeräten oder in der mikroinvasiven Chirurgie, aber auch in der Lebensmittelindustrie mit speziell beschichteten hitzenbeständigen Folien. Ganz neue Einsatzgebiete erlaubt der Zukauf des Schweizer Abgasspezialisten Hug Engineering AG. Inzwischen werden Lösungen zur Abgasbehandlung nicht nur für Land- und Baumaschinen, sondern auch für Schiffe, in erster Linie Kreuzfahrtschiffe, angeboten. „Es gibt auch erste Versuche mit Gewächshäusern in den Niederlanden“, erzählt Dr. Wolf. „Diese werden mithilfe von Dieselaggregaten beheizt. Wir haben nun eine Lösung entwickelt, die mit dem dabei entstehenden CO2 die Pflanzen in den Gewächshäusern begast. Das führt zu einem schnelleren und kräftigeren Wachstum.“ (von Hendrik Fuchs)

Das Unternehmen

Der Hauptsitz in Dettingen/Erms.

Die Wurzeln der Elring-Klinger AG reichen bis ins 1879 zurück. Damals gründete Paul Lechler in Stuttgart ein Handelshaus für technische Produkte und Dichtungen. 2012 zählt das Unternehmen rund 6.500 Mitarbeiter und erzielte 2011 einen Umsatz von über einer Milliarde Euro. Noch heute hält die Familie Lechner über 50 Prozent der Konzernanteile und ist unter anderem mit Walter H. Lechler als Aufsichtsratsvorsitzendem im Unternehmen vertreten.

www.elringklinger.de