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18. März 2013

Oettinger zur Energiewende in Deutschland

EU-Kommissar Günter Oettinger auf Heimspiel

Gut gelaunt besuchte der ehemalige baden-württembergische Ministerpräsident und heutige EU-Kommissar für Energie, Günther Oettinger am Mittwoch, 13. März, den Gemeinschaftsstand der Stadt Stuttgart und des Verbands Immobilienwirtschaft Stuttgart IWS e.V. auf der internationalen Immobilienmesse Mipim in Cannes. Zuvor hatte er bereits über die wichtigsten Herausforderungen der EU-Energiepolitik gesprochen. Der Energie-Kommissar lobte die Zusammenarbeit zwischen Stadt und Wirtschaft: „Bei Ihnen klappt die Zusammenarbeit besser als derzeit beim VfB.“

Der jährliche Auftritt der Stadt bei der Immobilienmesse sei ein Erfolg und „klappern gehört zum Handwerk“, sagte Oettinger. Dann kam er auf sein Lieblingsthema zu sprechen: die Energiewende, die seiner Ansicht nach sowieso nur eine Stromwende sei. Die Energiewende erschöpfe sich nicht in neuen Leitungen, Photovoltaik auf den Dächern und ein paar Windrädern im Schwarzwald. Die Realität sei viel anspruchsvoller. „Es geht darum, Energie zielgenau zu verwenden, Energie zu sparen und einen intelligenten Energie-Mix zu nutzen“, sagte der EU-Kommissar. „Es gibt kein Geschäftsfeld, wo es so sehr auf die Zusammenarbeit von Wirtschaft und Politik auf allen Ebenen ankommt.“

EU-Kommissar Günther Oettinger sprach bei strahlendem Sonnenschein über Energieeffizienz.

Die Energiewende biete für Deutschland große Chancen. „Deutsche Ingenieurskunst und ihre Lösungen für technische Probleme sind in der ganzen Welt hoch angesehen“, so Oettinger weiter. „Selbst die Chinesen hören auf uns, wenn es um Materialien, Smart Grids und die ganzheitliche Entwicklung von Gebäuden und Management geht. Wir haben den großen Vorteil, dass es in Deutschland kaum Rohstoffe gibt. Wer Energie importieren muss, macht sich mehr Gedanken um andere Lösungen.“

Happy Hour für Strom

Zur Steigerung der Energieeffizienz gebe es mehrere Instrumente. Da sei zum einen das marktwirtschaftliche Instrument, das über den Preis zum Sparen zwinge. Allerdings sieht Oettinger hier nicht mehr viel Spielraum: „Der Höhepunkt ist erreicht. Energie muss auch für sozial Schwächere bezahlbar bleiben. Für mich ist das wichtigste Instrument das Bewusstsein der Verbraucher“, sagte Oettinger. „Wir wissen alle, wie viel Benzin unser Auto verbraucht. Der durchschnittliche Verbrauch wird ebenso angezeigt wie der aktuelle. Bei Strom, Heizung und Kühlung wissen wir überhaupt nichts.“

Günther Oettinger im Gespräch mit Ines Aufrecht, Leiterin der Wirtschaftsförderung der Landeshauptstadt Stuttgart, und Peter Brenner, Vorstandsvorsitzender des Verbands Immobilienwirtschaft Stuttgart IWS e.V.

Es gebe zum Beispiel Vorgänge, bei denen Strom verbraucht werde, die rund um die Uhr stattfinden müssten, andere jedoch könne man auf Zeiten verlegen, in denen der Strom billig ist. Als Beispiel nannte Oettinger die Waschmaschine. „Wenn wir sie Montag morgens anschalten, wenn der Strom am teuersten ist, statt sie in der Nacht mit billigem Strom laufen zu lassen, ist es, als ob wir spätabends in eine Bar gehen und uns wundern, dass die Cocktails das Doppelte kosten wie während der Happy Hour um 18 Uhr.“ Hier müsse sich das Bewusstsein der Verbraucher ändern, sagte der EU-Kommissar. „Smart Grids, smart Meters und intelligente Geräte gibt es schon. Für moderne Tiefkühl-Technik reichen 30 Stunden Strom pro Woche. Und auch in den Unternehmen gibt es Prozesse, die nicht an bestimmte Zeiten gebunden sind.“

Zum Schluss mahnte er die öffentliche Hand als größten Immobilienbesitzer in Deutschland, bei der energetischen Sanierung bestehender Gebäude mit gutem Beispiel voranzugehen. „Wir sollten den Bestand mit den Ressourcen weiterentwickeln, die uns zur Verfügung stehen. Natürlich rechnet sich das erst in der nächsten Generation und reißt jetzt ein Loch in den Beutel. Aber das könnte eine spannende Aufgabe für die nächsten Wahlkämpfe sein – Politik für die Zukunft, für künftige Generationen anbieten.“

-ap