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22. Februar 2014

Kompetenzzentren für mehr Innovation

Deutschland punktet international nicht durch besonders niedrige Löhne oder billige Produkte, sondern durch Innovationen und hohe Qualität. Mittelständische und Familienunternehmen haben oft nicht die Ressourcen für eigene Forschungs- und Entwicklungsabteilungen. Die Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen und der Wissenschaft können dieses Manko auffangen. Politik und Verwaltung bemühen sich hier um Unterstützung. In der Großen Kreisstadt Leonberg in der Region Stuttgart zeigt das Beispiel des „Kompetenzzentrums Industrielle Bauteile- und Oberflächenreinigung Leonberg e.V.“, CEC (Cleaning Competence Center), wie es geht.

Im CEC bringt man alle Akteure der Prozesskette an einen Tisch. Eine der wichtigsten Aufgaben ist deshalb die Erstellung eines Branchenatlas und eines „Cleanwiki“. Das gebündelte Wissen des Zentrums soll interessierten Unternehmen im Rahmen von Kontaktvermittung, Schulungsangeboten, Projekten, Workshops und Fachveranstaltungen zugänglich gemacht werden.

Gebündelte Reinigungskompetenz

CEC-Vereinsvorstand Gerhard Koblenzer, Chef der Firma LPW Reinigungssysteme, sagt: „Das Thema Sauberkeit in der Industrie hat sich in den letzten Jahren verändert. Immer mehr Zulieferer, zum Beispiel in der Automobilindustrie sehen sich mit vorgeschriebenen Restschmutzanforderungen an ihre Bauteile konfrontiert.“ Vorstandsmitglied und CEC-Mitinitiator Ralf Nerling ergänzt: „Es nützt nichts, wenn der Zulieferer das Teil unter optimalen Bedingungen reinigt und verpackt und es dann beim Kunden durch das Auspacken wieder verschmutzt wird. Durch die Zusammenarbeit im CEC können wir die Probleme in der gesamten Prozesskette betrachten. Die Zusammenarbeit erhöht das Wissen und die Kompetenz der Branche und des einzelnen Unternehmens.“

Stadt als Kontaktbörse

Doch nicht nur für die mittlerweile rund 40 Mitglieder des CEC erweist sich das Netzwerk als Gewinn. Die Stadt Leonberg, die das Kompetenzzentrum mit insgesamt 250.000 Euro über fünf Jahre unterstützt, betrachtet die Ansiedlung als wichtigen Impuls für den Standort und freut sich, dass die Stadt ein maßgeschneidertes Paket für das Netzwerk schnüren konnte. „Die Region wird attraktiver für Unternehmen aus dieser Branche, sowohl für bestehende als auch für neue. Möglicherweise werden wir dadurch auch für andere Branchen attraktiver“, sagt der Leonberger Oberbürgermeister Bernhard Schuler. „Das CEC hat sogar schon internationale Aufmerksamkeit auf sich gezogen und damit auch auf unsere Region. Kürzlich war eine Delegation mit 18 chinesischen Wirtschaftsförderern aus der Hafenstand Tianjin zu Besuch im CEC.“

Für die Stadt am Engelberg, die nur etwa halb so viele Gewerbeflächen pro Einwohner habe wie der Durchschnitt der Großen Kreisstädte insgesamt, sei das CEC ein Glücksgriff, so der Oberbürgermeister weiter: „Das Kompetenznetzwerk hat nur einen geringen Flächenbedarf, aber wir können uns damit als Anker- und Drehpunkt für innovative mittelständische Unternehmen positionieren. Das erhöht die Wertschöpfung vor Ort.“

Die Stadt, die ebenfalls Mitglied des Vereins ist, sieht sich in erster Linie als Kontaktvermittler. „Die Unternehmensvertreter sollen sehen, welche Vielfalt an Unternehmen es in der Region gibt und sich kennen lernen. Wenn sie wissen, welche Angebote und Kompetenzen es hier gibt, werden sie vielleicht künftig mehr Aufträge in der Region vergeben und auch erhalten“, so Schuler. „Als Stadt können wir Möglichkeiten zur Begegnung und zum Erfahrungsaustausch bieten – nicht nur im CEC. Mit dem Leonberger Business Network, einem IT- und einem Kreativ-Netzwerk sowie einem Engineering Netzwerk im Aufbau können wir weitere Kontaktbörsen bieten. Unser Wirtschaftsförderer findet heraus, wo die Unternehmen der Schuh drückt und fungiert als Lotse im Rathaus. Wir können nicht alle Wünsche erfüllen, aber Lösungen finden.“

Hilfe zur Selbsthilfe

Wirtschaftsförderer Markus Niedermaier von der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart (WRS) machte bei einer Veranstaltung für die chinesischen Besucher deutlich, worum es geht: „Kleine und mittlere Unternehmen müssen befähigt werden, am Fortschritt der Technologie teilzuhaben. Es ist die Aufgabe eines Kompetenzzentrums, Industrie, Forschung und Lehre zusammenzubringen und neue Technologien in das Tagesgeschäft zu übersetzen.“ Letztlich betrachten die Wirtschaftsförderer die Kompetenznetzwerke als Hilfe zur Selbsthilfe. „Die Mitglieder müssen begreifen, dass das Netzwerk nur so gut und nachhaltig ist, wie sie sich einbringen“, sagt Dr. Martin Zagermann von der WRS, zuständig für die Kompetenzzentren der Region. Die 1999 gestartete Initiative der WRS bringt innovative Partner aus Wirtschaft, Wissenschaft, Forschung und Verwaltung zusammen. Mittlerweile beteiligen sich rund 450 meist kleinere und mittlere Unternehmen, nahezu 50 wissenschaftliche Einrichtungen und 15 Kommunen in den bestehenden 13 Kompetenzzentren.

www.cec-leonberg.de
www.kompetenzzentren.region-stuttgart.de