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15. Februar 2014

Lebhafte 7. Familienunternehmer-Konferenz

Lebhaft, ereignisreich, nutzenbietend. So fasste Dr. Theo Breitsohl, Verleger von „Die News“ und Mitveranstalter, die Ereignisse des Tages in seinem Resümee am Ende der Veranstaltung zusammen. Über 230 Familienunternehmerinnen und -unternehmer waren in die Alte Stuttgarter Reithalle gekommen, um sich auszutauschen. Vorträge, eine Podiumsdiskussion und fünf Gesprächskreise boten ein breites Spektrum der Themen, die Unternehmer bewegen.

Nach der Begrüßung durch die Veranstalter Dr. Breitsohl, Joachim Schramm, Mitglied des Bundessenats von „Die Familienunternehmer – ASU“, und Stephanie Bschorr, Präsidentin des Verbands deutscher Unternehmerinnen (VdU), ging es gleich in medias res.

Wissen nutzen und recyceln

Felix Fiege, Vorstandsmitglied des Experten für Kontraktlogistik „Fiege Logistik Holding Stiftung & Co. KG“, begann seinen Vortrag mit einer dramatischen Geschichte aus dem Jahr 1959, dem Unfalltod seines Großvaters Josef Fiege jun., der das 1873 gegründete Unternehmen seit 1938 geführt hatte. Die Folgen seines Todes seien fast zehn Jahre gewesen, in denen das Unternehmen ohne eine fehlende unternehmerische Kraft vor sich hin dümpelte. „Eine Nachfolgekrise trifft den Lebensnerv des Unternehmens. Es ist unerlässlich, sich möglichst früh Gedanken über unerwartete Ereignisse und den Generationswechsel zu machen“, sagte Fiege. Heute mache das Unternehmen 1,4 Milliarden Umsatz, davon etwa die Hälfte in Deutschland, und sei in 18 Ländern vertreten. In den 90er-Jahren habe man zusammen mit den Kunden die Globalisierung vorangetrieben. Gleichzeitig hätten viele Firmen begonnen, die Logistik an Spezialisten abzugeben, um sich auf das eigene Geschäft zu konzentrieren. Fiege übernehme heute für seine Kunden bei Bedarf das Management der gesamten Logistik. „Wir erfinden das Rad nicht neu, aber wir verbessern es stetig. Dafür schaffen wir im Unternehmen das entsprechende Inkubator-Umfeld, entwickeln gemeinsam mit unseren Kunden Lösungen und entschließen uns auch einmal, Ideen zu verwerfen“, sagte Fiege. „Im Grund genommen profitieren wir von zusammengeführtem und recyceltem Wissen.“

Wachsen in einem schrumpfenden Markt

Jeff Maisel, in vierter Generation Chef der gleichnamigen, 1887 gegründeten Bayreuther Brauerei, zog die Konferenzteilnehmer ebenfalls mit einer spannenden Familien- und Unternehmensgeschichte in seinen Bann und provozierte Träume von einem hellen Kristallweizen. Das Unternehmen habe sich von einer Regionalbrauerei zu einer der führenden Weißbierbrauereien Deutschlands entwickelt und wachse seit 2007 in einem schrumpfenden Markt, sagte Maisel. Jede Generation habe ihren Beitrag zur Entwicklung des Unternehmens geleistet. Wie bei Fiege gibt es auch bei Maisel zwei Familienzweige, die je 50 Prozent am Unternehmen halten und je einen Vertreter jeder Generation in die Geschäftsführung entsenden. Und wie Fiege wurde auch Maisel durch einen tragischen Tod getroffen. Nachdem sein Cousin Andreas 2007 gestorben war, musste Jeff Maisel die gesamte Verantwortung tragen und die Restrukturierung, die die beiden gemeinsam angestoßen hatten, alleine fortführen. In einem Strategieprozess wurde das gesamte Unternehmen einer Überprüfung unterzogen, um die Ziele, die man sich gesetzt hatte, umzusetzen. Für die Zukunft wünscht sich der Brauereichef, gemächlich und ruhig zu wachsen, „demütig und mit Gottes Hilfe“.

Podium mit internationalem Flair

Moderator Wolf Hirschmann von der Agentur Slogan sah sich mit einem sehr heterogen besetzten Podium einer schwierigen Aufgabe gegenüber, die er mit Bravour löste. Nelly Kostadinova, Gründerin der Lingua-World GmbH, Kurt Schär von der Biketec AG und Entrepreneur des Jahres 2011 in der Schweiz, diskutierten mit Karsten Engel, Leiter Vertrieb Deutschland der BMW Group, Volker Klosowski, Chief Technologie Office TÜV Rheinland, und seinem aus Taiwan zugeschalteten Kollegen Uwe Halstenbach, sowie Markus Linha, Leiter Bereich Unternehmenskunden der Baden-Württembergischen Bank, über die nationalen und internationalen Herausforderungen, denen sich mittelständische Unternehmen derzeit gegenüber sehen. Quintessenz der Diskussion war, dass „kein Unternehmen national ist“, wie es Linha ausdrückte. Globalisierung ist nach Meinung der Podiumsrunde keine Frage mehr, sondern eine Notwendigkeit, wenn auch je nach Unternehmen mit unterschiedlichen Anforderungen.

Gesprächskreise: vielfältig und intensiv

In den fünf Gesprächskreisen erhielten die Teilnehmer nicht nur Informationen zu unterschiedlichen Themen wie Nachfolge, Familiencharta, Datensicherheit und alternativen Finanzierungsformen, sondern hatten auch die Möglichkeit, ihre persönlichen Fragen einzubringen. Großen Zuspruchs erfreuten sich der Gesprächskreis, in dem sich drei junge Unternehmerinnen vorstellten und mit den Teilnehmern über Ausbildung und Berufswahl, die Zusammenarbeit verschiedener Generationen, den Wert von Erfahrungen aus anderen Unternehmen, Geschwister, Mitarbeiterführung, Familiencharta, Beirat und Frauenquote diskutierten. Ebenfalls gut besucht war der Gesprächskreis mit dem provokanten Titel „Mitten im Leben. Sterben inklusive“. Im Gesprächskreis „Alternative Wachstumsfinanzierung“ interessierten sich die Teilnehmer sehr für das Thema Rating. „Die Gesprächskreise sind für mich immer ein Höhepunkt der Familienunternehmer-Konferenz“, sagte ein Familienunternehmer. „Dort kann man sich intensiv mit einem Thema beschäftigen. Die Kurzvorträge sind immer von hoher Kompetenz geprägt.“

Essenz aus 25 Jahren Beratung

So nannte Prof. Dr. Arnold Weissman, Strategieberater für Familienunternehmen und Gründer von Weissman & Cie, seine zehn Thesen zur Good Governance in Familienunternehmen. Tatsächlich kann man diese zehn Thesen als Anleitung zu einer wertorientierten Unternehmensführung betrachten. Sie basieren auf der Annahme, dass das „einzig Beständige der Wandel ist“. Deshalb sei es Aufgabe jeder Unternehmensführung, für die gesteigerte Überlebensfähigkeit des Unternehmens in einer sich wandelnden Welt zu sorgen: profitables Wachstum mit vertretbarem Risiko. Und dafür brauche es eine angepasste Strategie auf der Basis der Kernkompetenzen eines Unternehmens. „Die wichtigste Frage ist, ob wir in der Lage sind, nachhaltige Wertschöpfung zu generieren“, sagte Prof. Weissman. Als Herzstück des Erfolgs der deutschen Weltmarktführer bezeichnete er das Prinzip: „Wir machen nur eines, aber das machen wir Spitze!“ Mit seinen weiteren Thesen zu Strategie, Werten, Führung und Kundenorientierung machte er viele Zuhörer nachdenklich. Zum Schluss wies er auf die besondere Charakteristik von Familienunternehmen hin: „Familienunternehmen brauchen immer zwei Strategien“, sagte der Professor. „Eine für das Unternehmen und eine für die Familie.“

Manchmal kommt es ganz anders

Tobias Koch, Büroleiter der Prognos AG in Stuttgart, oblag es, den versammelten Unternehmerinnen und Unternehmern klar zu machen, das man zwar den Blick in die Zukunft für die Unternehmensentwicklung nutzen, es aber auch einmal ganz anders kommen kann. Dafür erinnerte er an Vorhersagen aus dem Jahr 1984, die beileibe nicht alle eingetroffen sind. Trotzdem, so der Forscher, sollten Unternehmen die Megatrends ernst nehmen und regelmäßig mit ihren Geschäftsfeldern abgleichen. Allerdings müsse man im Auge behalten, dass langfristige Trends mitunter von plötzlichen Ereignissen überlagert würden. Als die drei zentralen Treiber der nächsten Jahrzehnte bezeichnete Koch den demografischen Wandel, den Klimawandel und die Globalisierung. „Prognosen zeigen den Unternehmen Chancen und Risiken auf“, fasste Koch zusammen. „Man kann Signale für Entscheidungen daraus ableiten, doch es kann manchmal auch ganz anders kommen.“

Diese Erkenntnis zog sich durch alle Vorträge und Diskussionen der Konferenz: Eine solide Zukunftsplanung erleichtert Unternehmen die Anpassung an den stetigen Wandel ihres Umfelds. Oft ergeben sich jedoch Situationen, in denen persönlicher Mut und unternehmerische Weitsicht gefordert sind, damit es weitergeht. (ap, alle Fotos: Bernd Hanselmann)

Hier gibt es einen kurzen Film über die 7. Familienunternehmer-Konferenz.