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24. März 2014

Export bleibt Erfolgsfaktor

Die neue Studie der Commerzbank-Initiative „UnternehmerPerspektiven“ zeichnet ein zwiespältiges Bild der internationalen Aufstellung des Mittelstands. Während international tätige Unternehmen ihre Geschäfte ausbauen, schrecken viele der potenziellen Globalisierer vor den Risiken zurück. Nur neun Prozent der 4.000 für die Studie befragten Unternehmen planen derzeit, ihre Geschäftstätigkeit über Deutschland hinaus auszuweiten. In einer Studie von 2007 lag dieser Anteil noch bei 23 Prozent. Dabei sind sich die Unternehmen wohl bewusst, dass der Internationalisierungsdruck steigt. 61 Prozent stellen gegenwärtig fest, dass Produkte und Dienstleistungen ihrer Branche zunehmend international gehandelt werden – das sind immerhin 26 Prozent mehr als 2007.

„Auf der einen Seite stehen die Unternehmen, die bereits vor längerer Zeit den Schritt in neue Märkte gewagt haben und dort Wachstumschancen nutzen. Auf der anderen Seite tun sich Mittelständler, die noch nicht in Auslandsmärkten aktiv sind, derzeit schwer, den ersten Schritt zu machen“, fasst Markus Beumer, Mitglied des Vorstands der Commerzbank AG, die Ergebnisse zusammen. „Die Studie zeigt aber auch, dass der deutsche Mittelstand bei aller Skepsis im internationalen Geschäft gut aufgestellt ist“, so Beumer weiter. Allerdings sei der typische Weg – erst in EU-Nachbarländern wachsen, dann die Internationalisierung in weiter entfernten Märkten voranzutreiben, durch magere Konjunkturaussichten im Euroraum für viele Mittelständler derzeit wenig attraktiv. Den direkten Schritt zum Beispiel nach Asien trauten sich viele Mittelständler nicht zu. Dadurch ergebe sich eine Art Internationalisierungsstau im ersten Schritt.

„Am Schritt ins Ausland führt aber kein Weg vorbei. Mehr als je zuvor kommt es deshalb darauf an, gut zu planen, sich zu vernetzen und Beratung bei anderen Unternehmen, bei Verbänden, Kammern und natürlich auch bei uns Banken einzuholen“, ergänzt Beumer. Dieser Ansicht ist auch Ulrich Grillo, Präsident des BDI und Schirmherr der aktuellen Studie: „Die Märkte kommen nicht zu uns. Deutsche Unternehmer dürfen sich nicht auf den Erfolg ihrer Produkte verlassen. Sie müssen sich Potenziale in verschiedenen Märkten erschließen.“

Wissenschaftler optimistischer

Ein Grund für das Zögern von Unternehmen mit Potenzial für eine erfolgreiche Internationalisierung liegt in den schwächelnden Rahmenbedingungen der Weltwirtschaft. So rechnen vier von fünf mittelständischen Unternehmen für den Euroraum mit einer schwachen Konjunktur in den nächsten drei bis fünf Jahren. Nahezu 90 Prozent der Unternehmer stellen sich generell auf Grenzen des Wachstums ein. Gleichzeitig fordern 85 Prozent eine Intensivierung des Außenhandels jenseits der EU.

Eine positivere Haltung bezüglich der Rahmenbedingungen nehmen die für die Studie mit dem Titel „Neue Märkte, neue Chancen – Wachstumsmotor Internationalisierung“ ebenfalls befragten rund 150 Wirtschaftswissenschaftler ein, besonders im Hinblick auf ordnungspolitische Risiken. So gehen nur acht Prozent der Wissenschaftler von einer Eindämmung von Exportüberschüssen durch die EU aus, während 30 Prozent der befragten Mittelständler mit solchen Maßnahmen rechnen. 60 Prozent der Unternehmer machen sich darüber hinaus Sorgen um die Aussicht einer starken Inflation im Euroraum.

Mut wird belohnt

Zwei Drittel aller international tätigen deutschen Mittelständler nutzen bereits Wachstumschancen jenseits von Europa, Nordamerika und Japan. Die Unternehmen sind dabei vor Ort weit stärker vernetzt als noch 2007. Jedes dritte Unternehmen hat sich vertraglich an ausländische Partner gebunden, jedes vierte unterhält einen eigenen Auslandsstandort.

Weiter zugenommen hat die internationale Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen. 83 Prozent der Befragten sagen, ihre Kunden schätzten die bessere Qualität. 75 Prozent sehen sich als Innovations- und Technologieführer. Verbessert hat sich aus Sicht der Befragten auch ihre Aufstellung bei Service und Beratung. Potenzial bestehe noch bei Marketing und Vertrieb. Insgesamt kann man nach der Studie sagen, dass die international tätigen Unternehmen deutlich selbstbewusster geworden sind. Die Geschäftskonzepte haben sich bewährt, Marktorientierung bleibt oberstes Gebot.

Doch wo Licht ist, gibt es auch Schatten: Mangelnde Rechtssicherheit, rechtliche Hemmnisse und Handelsbarrieren sind die am häufigsten genannten Schwierigkeiten (58 Prozent). Auch der Schutz geistigen Eigentums stellt weiterhin für 40 Prozent der Unternehmen mit Auslandsabsatz eine große Herausforderung dar.

Ein bemerkenswertes Ergebnis der Studie ist, dass im Ausland mittlerweile nicht mehr nur „Made in Germany“ zählt, sondern auch „Managed in Germany“. Internationale Kunden legen vor allem Wert darauf, dass ein deutsches Unternehmen die Qualität garantiert und den Produktionsprozess steuert. Diese Erfahrung machen 79 Prozent der Befragten mit Auslandsabsatz. Erst an zweiter Stelle steht die Herstellung der Produkte oder Dienstleistungen in Deutschland (63 Prozent). Das unterstützt die Strategie des Global Sourcing. Knapp die Hälfte aller mittelständischen Unternehmen kauft Produkte oder Dienstleistungen bereits im Ausland ein. Jeder fünfte deutsche Mittelständler produziert selbst im Ausland. Auslandsstandorte haben für die Unternehmen einen mehrfachen Nutzen. Natürlich der Marktzugang, aber 59 Prozent geben auch einen besseren Zugang zu qualifiziertem Personal und zu strategischen Kooperationspartnern an.

Bei der Commerzbank sieht man sich als Unterstützer und Begleiter auf dem Weg in internationale Märkte. „Wir müssen den Unternehmen, die noch zögern, mehr Mut machen, in die Internationalisierung einzusteigen“, sagt Beumer. „Sie brauchen mehr Unterstützung, damit sie die Lernkurve nicht zwangsläufig über die Nachbarn in Mittel- und Südeuropa machen müssen.“ Die Commerzbank unterstütze den Mittelstand sowohl aus Deutschland heraus als auch vor Ort. Die eigene Internationalisierungsstrategie sei eng an die der Kunden gekoppelt. „Die Bank muss für ihre Kunden das notwendige Know-how vorhalten und ständig aktualisieren. Dazu gehört ganz besonders die Kenntnis der Märkte vor Ort. So weit die Pflicht“, sagt der Vorstand. „Die Kür ist es dann, wenn die Bank in der Lage ist, den Erfahrungsaustausch der Unternehmen untereinander zu fördern und bei der Vermittlung geeigneter Partner hilfreich zur Seite zu stehen.“

http://www.unternehmerperspektiven.de