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23. März 2014

Gewachsene Vision

ZhiLiang Jiang hat sein Unternehmen 2007 in Laizhou in der Provinz Shandong registrieren lassen. 2009 begann er mit der Produktion. Heute hat das Unternehmen 110 Mitarbeiter. Der chinesische Familienunternehmer ist derzeit auf der Suche nach einem Partner in Deutschland.

Die „Yantai Dongyi Powder Metallurgical Manufacture Co., Ltd“ produziert pulvermetallurgische Teile. Das Produktspektrum umfasst Produkte und Zubehör sowohl für Agrarmaschinen als auch für die Automobilindustrie. Als Jiang mit der Produktion startete, konzentrierte er sich auf die Planung und den Aufbau von Anlagen, Maschinen, Fabrik und Infrastruktur. Heute, drei Jahre später, sieht es anders aus. „Unser wichtigstes Ziel ist es derzeit, einen passenden Kooperationspartner zu finden, mit dem eine rasche, aber zugleich stabile Unternehmensentwicklung möglich ist“, sagt der Unternehmer. „Unsere langfristige Vision ist es, ein möglichst hohes Technologie-Niveau zu erreichen.“

Auch mit einem anderen Ziel hat sich der 59-jährige Jiang bereits befasst: „Im Alter von 65 Jahren möchte ich die Betriebsführung an meinen Sohn übergeben.“ Dafür sieht er ihn nach einem finanzwissenschaftlichen Studium in den USA bestens qualifiziert. Zwei seiner Neffen werden dem Nachfolger später einmal zur Seite stehen. Einer von ihnen wird als Vize-Geschäftsführer für den Einkauf verantwortlich zeichnen.

Aufgeschlossen und kompetent

Fragt man Jiang nach den Stärken eines chinesischen Familienunternehmens, nennt er an erster Stelle die Fähigkeit des Managements zur Unternehmensentwicklung. Bei der Besetzung der Führungsposition setze man auf Kompetenz und nicht auf Familienzugehörigkeit. Aufgeschlossenheit und die Fähigkeit zu lernen, zeichnet nach Meinung von Jiang einen guten Unternehmer ebenso aus wie der starke Wille, das Unternehmen voranzubringen. „Chinesische Familienbetriebe sind heute sehr viel besser aufgestellt, als noch vor ein paar Jahren“, sagt der Unternehmer. „Manchmal gibt es allerdings innerhalb der Familie Probleme bei der Verteilung von Macht und Zuständigkeiten.“

Aufbruch nach Deutschland

Deutschland habe für chinesische Industrieunternehmen eine Vorbildfunktion, sagt Jiang. „Deutschland setzt hier die Standards. Die deutsche Industrie hat in China ein hohes Ansehen, vor allem im Bereich Produktqualität. Chinesische Unternehmen stellen selbst gute Produkte her, aber langfristig möchten wir unsere eigenen Industrie- und Zertifizierungsstandards schaffen. Dafür können wir von Deutschland lernen.“

Jiang ist zuversichtlich, einen deutschen Partner zu finden. „Deutsche Unternehmen sind derzeit sehr interessiert am chinesischen Markt. Deshalb bin ich optimistisch“, sagt er. „Ich weiß, dass unsere Technologie noch verbesserungsbedürftig ist, dass unsere Sprach- und Kommunikationskompetenz noch zu wünschen übrig lässt, aber wir bemühen uns um Verbesserungen.“ Nach seinem Abschluss in den USA wird der Sohn des Unternehmers nach Deutschland gehen und dort an einem Aufbaustudium teilnehmen. Damit wird einmal eine gut ausgebildete, welterfahrene Generation das Unternehmen erben. Und: „Deutsche Unternehmen sehen chinesische Unternehmen mittlerweile sehr viel positiver als früher“, ist Jiang überzeugt.

Chinesen und Deutsche ticken ähnlich

„Chinesische Familienunternehmer sind genauso risikobewusst wie deutsche Unternehmer und handeln ganz ähnlich“, sagt Lutz Berners, Managing Director von Berners Consulting in Stuttgart. „Das zeigt sich zum Beispiel daran, dass sie es bevorzugen, eigenständig zu agieren. Ein Partner kommt nur in Frage, wenn gemeinsame Interessen bestehen und Vertrauen herrscht. Bei Minderheitsbeteiligungen und Joint Ventures kommt es darauf an, inwieweit sich die Ziele des chinesischen Partners durchsetzen lassen. Das ist genauso, wenn deutsche Unternehmen in China investieren.“ Auch die weiteren Sorgen der Chinesen gleichen denen deutscher Mittelständler, die im Ausland investieren, ist der Berater überzeugt, der fast 15 Jahre China-Erfahrung mitbringt und Unternehmen beim Markteintritt in China sowie bei der Suche nach chinesischen Partnern berät. „Die Unternehmen müssen zueinander passen“, sagt Berners. „Und ein chinesisches Familienunternehmen passt sicher besser zu einem deutschen als ein großer Staatsbetrieb.“


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