Aktuelles
22. April 2014

Menschen emporheben

Der Familienunternehmer-Tag des Weissman-Instituts hat sich zu einer Institution in Sachen Führung und Strategie entwickelt. Am 7. und 8. Juni kamen wieder zahlreiche Familienunternehmer nach Nürnberg ins Hotel Schindlerhof. Diesmal stand die Veranstaltung ganz im Zeichen des Mitarbeiters.

Prof. Arnold Weissman, Gründer und Geschäftsführer der Weissman-Gruppe, versteht es wie kein Zweiter, essenzielle Führungsparameter, die über den Erfolg oder Misserfolg eines Unternehmens entscheiden, auf den Punkt zu bringen. Und er kann sie in sehr einprägsame Sätze verpacken, wie er es auch in seiner Eröffnungsrede am Unternehmer-Tag tat: „Führung heißt, andere emporzuheben“ oder „Ob Sie eine Führungskraft sind, entscheiden nicht Sie, sondern Ihre Mitarbeiter“. Damit hob er ganz bewusst die Wichtigkeit eines jeden Mitarbeiters für ein Unternehmen hervor – ein zentraler Erfolgsfaktor, der neben einer Vision, einem Ziel, einer klaren Strategie, und gelebten Werten ein Unternehmen zu etwas Besonderem macht.

Mit Pool und Volleyball-Feld

Wie das Aussehen kann, zeigte Wido Fath, Geschäftsführer der Fath-Gruppe, einem Hersteller mechanischer Komponenten für den Maschinenbau: „Unser Ziel ist es, ein attraktiver Arbeitgeber zu sein – und zwar für Menschen, die einen ethisch hohen Anspruch an ihr Leben haben.“ In einer sehr authentisch wirkenden Art beschrieb er, wie das Familienunternehmen kontinuierlich an einer Unternehmenskultur arbeitet, in der Menschen gefördert werden und sich weiterentwickeln können. Der internen Kommunikation schenkt Fath besonders viel Aufmerksamkeit. Dazu gehören nicht nur das klassische Montagsgespräch oder Schnittstellenbesprechungen, sondern auch Mitarbeiterbefragungen, nach denen „die Beschäftigten auch merken müssen, dass etwas passiert“.
Zwei weitere Erfolgspfeiler sind für ihn Spaß und Fitness: „Dinge gemeinsam unternehmen und die Freude am Leben teilen, ist für uns sehr wichtig.“ So befinden sich am Stammsitz etwa ein Swimmingpool und ein Volleyball-Feld, Sport betreibt man auch außerhalb des Unternehmens gemeinsam. „Menschen gehen dort zur Arbeit, wo es Spaß macht, die Chemie stimmt – und das versuchen wir, tagtäglich umzusetzen“, so der Unternehmer.
Nach diesem sehr lebhaften und leidenschaftlichen Vortrag hatte es Cornelia Mockwitz von „T3 The Architects GmbH“ nicht gerade leicht, ihr Thema rund um Wissensdatenbanken den Unternehmern zu präsentieren. Dennoch gab sie interessante Einblicke in Techniken, die es heute Firmen ermöglichen, das Know-how ihrer Mitarbeiter systematisch zu bündeln und jederzeit mit wenigen Klicks verfügbar zu machen.

Vom Haufen zum Team

Mannschaftssport und Unternehmen haben vieles gemeinsam. Es geht um eine Gruppe von Menschen, die im Idealfall gemeinsam an einem Ziel arbeiten. Doch der Weg vom losen Haufen zum erfolgreichen Team ist beschwerlich – im Sport wie im Unternehmen. Der Bundestrainer der Deutschen Herren-Hockeymannschaft, Markus Weise, begeisterte die Gäste mit einem wahren Feuerwerk an Anekdoten aus seinem Trainer-Alltag. Ganz oben auf seiner Agenda steht nicht etwa ein Erfolgs-, sondern ein Leistungsziel. Seine wesentliche Aufgabe sieht Weise darin, jeden Spieler entsprechend seiner Stärken einzusetzen und die Aufmerksamkeit immer wieder auf das Leistungsziel zu lenken – die Spieler ins Tun zu bringen. Oder wie es Weise formulierte: „Aus Charlie Brown Superman machen.“ Wer es dann noch schaffe, dass das „Wir-Gefühl“ über dem „Ich-Gefühl“ stehe, habe ein Superteam. Mit kurzen Sequenzen aus Länderspielen, die er kommentierte und analysierte, rundete er seinen mitreißenden Vortrag ab.
Ins Handeln zu kommen stand auch im Fokus des Vortrags von Gesundheitsexperte Steffen Kramer. „Nur gesunde Mitarbeiter können Spitzenleistungen bringen“, so sein Credo. Unternehmen müssten ihre Mitarbeiter dazu motivieren, an ihrem eigenen Gesundheitsverhalten etwas zu ändern. „Damit man auch unmotivierte Mitarbeiter erreicht, gilt es, die Einstiegsschwelle möglichst niedrig zu halten. Oft kann man schon mit Kleinigkeiten vieles verändern“, so sein Tipp.

Mitarbeiter mitnehmen

„Einen Braumeister zum Anfassen“ erlebten die Teilnehmer mit Jeff Maisel, Geschäftsführer der Weissbier-Brauerei Gebr. Maisel. Geführt in vierter Generation hat das Unternehmen in seiner über 125-jährigen Geschichte viel erlebt: Restrukturierung, ein teilweiser Verkauf der Unternehmensanteile an eine Großbrauerei, dann wieder der Rückkauf. Dem Unternehmen ist es nach einer recht schwierigen Zeit gelungen, wieder auf die Beine zu kommen. Heute wächst es in einem schrumpfenden Markt. Erheblichen Anteil daran haben nicht nur hochwertige Produkte, sondern auch eine ganz besondere Unternehmenskultur mit klar beschriebenen Werten, die alle Mitarbeiter einbinden und auf die Reise des Unternehmens mitnehmen. „Begeisterte Mitarbeiter schaffen begeisterte Strukturen, schaffen begeisterte Kunden“, lautet einer von Maisels Leitsätzen, die der Unternehmer den Teilnehmern mit auf den Heimweg gab. (Ein Interview mit Jeff Maisel auf Familienunternehmer-News finden Sie hier).
Viele der Gäste werden wohl im nächsten Jahr wieder mit dabei sein: am 9. und 10. Mai 2014 im Hotel Schindlerhof in Nürnberg. (Text: Hendrik Fuchs; Fotos: Boris Stöbe und Dr. Theo Breitsohl )

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Tipp: Einen noch ausführlicheren Bericht über den Familienunternehmer-Tag des Weissman-Instituts finden Sie in der Juli-Ausgabe von DIE NEWS.