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11. April 2014

Projekt: Mädchen für MINT-Berufe begeistern

Anfang April wurde das Modellprojekt „MINTrelation“ erfolgreich abgeschlossen. Ziel war es, an Technik interessierte Mädchen im Alter zwischen 13 und 17 Jahren darin zu bestärken, einen Beruf im MINT-Bereich zu ergreifen.

„Es war einfach großartig, welche Begeisterung die Botschafterinnen für ihren Beruf mitbrachten“, schwärmt Lizzynet-Geschäftsführerin Ulrike Schmidt von den 38 Frauen aus über zwanzig Unternehmen, die in einem so genannten MINT-Beruf arbeiten und die sich im Rahmen des Projekts für mehr weibliche Fachkräfte in diesem Bereich tatkräftig einsetzten. Von Ingenieurinnen über Meisterinnen bis hin zur Auszubildenden waren alle Positionen vertreten. „Ihrem großartigen Engagement ist es zu verdanken, dass das Projekt so erfolgreich verlief“, unterstreicht Schmidt und verweist auf die „tollen Berichte“ der Botschafterinnen über ihr Wirken auf der Homepage www.lizzynet.de. „Damit haben sie ihren Berufen ein ganz eigenes, positives Gesicht gegeben.“

Auf allen Kanälen unterwegs

Doch aller Anfang ist schwer, so auch der Projektstart im Oktober 2010. „Es stellte sich als äußerst schwierig heraus, talentierte und technikbegeisterte Mädchen zu erreichen. Wir haben rund 200 Schulen in der Region Ostwestfalen-Lippe kontaktiert, viel telefoniert, Info-Veranstaltungen durchgeführt und standen im regelmäßigen Kontakt mit der Presse. Sehr aufwändig war die Kommunikation, denn wir mussten alle Kanäle bedienen, die heutzutage von jungen Menschen genutzt werden. Das fängt bei Facebook an, geht über Mails bis hin zu Telefon und Brief“, erzählt Schmidt. Der Aufwand hat sich aber gelohnt. Ingesamt konnten rund 60 Mädchen für das Projekt gewonnen werden.
Im Rahmen von mehr- und eintägigen Workshops und über eine betriebs- und schulübergreifende Online-Community traten die Botschafterinnen mit den Schülerinnen in Dialog und verabredeten Termine für mehrmalige Betriebserkundungen, in denen die Schülerinnen nicht nur das Unternehmen kennen lernten, sondern auch in praktischen Übungen erfuhren, wie Berufe etwa in der Metall- und Elektroindustrie in der Realität aussehen. Währenddessen wurde experimentiert, dokumentiert und fotografiert, um die Ergebnisse in neue Darstellungsformen für MINT-Berufe einfließen zu lassen, die auch Mädchen ansprechen. Am Ende der Erkundungsphasen erarbeiteten die Botschafterinnen zusammen mit den Schülerinnen Vorschläge für innovative Materialien zur Nachwuchs-Akquise: Flyer, Postkarten, Radiobeiträge und sogar Filme entstanden. Alle hatten das Ziel, MINT-Berufe zu einem lebendigeren Image zu verhelfen und die Unternehmen bei ihrer Suche nach weiblichem Nachwuchs zu unterstützen. In diesem Kontext ist auch ein Praxis- und Handlungsleitfaden entstanden, den interessierte Unternehmen hier herunterladen können.

Zeitlicher Aufwand überschaubar

Und wie sah es mit dem zeitlichen Aufwand für die Botschafterinnen aus? Die Zeit, für die die Mitarbeiterinnen von den Unternehmen freigestellt werden mussten, war laut Schmidt überschaubar und auch für kleinere Firmen leistbar. „Im Schnitt waren es ungefähr vier Stunden im Monat. Je nach Kapazität machten die einen mehr, die anderen etwas weniger.“ Neben der eigentlichen Zusammenarbeit mit den Mädchen musste Zeit für die Vorbereitung und, je nach Bedarf, für Coachings der Botschafterinnen eingeplant werden. Den Unternehmen kam zugute, dass einige der Workshops am Wochenende stattfanden. „Sicherlich haben Großunternehmen hier mehr Möglichkeiten, doch die Zusammensetzung der teilnehmenden Betriebe zeigt, dass auch der klassische Mittelstand, die Chance aktiv genutzt hat, hier mitzumischen“, möchte Schmidt mit dem Vorurteil aufräumen, dass so etwas nur Großunternehmen auf die Beine stellen könnten. „Wichtig ist nur, dass man etwas in diesem Bereich tut.“ Als Beispiel nennt sie die „MIT Moderne Industrietechnik GmbH & Co. KG“, ein Hersteller von Industriearmaturen, der sich als kleiner Mittelständler viel einfallen ließ, großes Engagement an den Tag legte und innerhalb von anderthalb Jahren fünf Betriebsbegehungen auf die Beine stellte. Die Lizzynet-Chefin verweist auch immer wieder gerne auf weitere Vorteile, die sich für alle Beteiligten ergeben. „Für die Unternehmen ist das in der Außen- und Innenwirkung gut fürs Image. Die Botschafterinnen ihrerseits werden in ihrem Tun bestärkt und, wie wir es erleben durften, auch in ihrer Rolle im Betrieb ernster genommen.“

Zwei Drittel bleiben dabei

Viele Mädchen zeigten sich sehr angetan vom Projekt. So konnten laut Schmidt zwei Drittel der Teilnehmerinnen in Sachen MINT-Beruf „bei der Stange gehalten werden“. Drei Mädchen fangen dieses Jahr eine Ausbildung im technischen Bereich an. „Uns ist es gelungen, den MINT-Berufen ein weibliches Gesicht zu geben, dass nicht nur Schülerinnen unbefangener an diese Berufe herangehen lässt, sondern auch in Presse und Öffentlichkeit wahrgenommen wurde“, zeigt sich die Lizzynet-Geschäftsführerin zufrieden. „Es sind viele neue Ideen entstanden, wie Unternehmen Technik-Nachwuchs gendergerecht anwerben und langfristig begeistern können. Zudem entstand in den Unternehmen ein sehr effektiv arbeitendes Netzwerk von weiblichen Fachkräften.“ (-hf)

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Das Projekt

Am Projekt „MINTrelation“ beteiligten sich über 20 Unternehmen aller Größe aus der Region Ostwestfalen-Lippe. Initiatoren waren die Lizzynet GmbH, eine Online-Plattform für Mädchen, das Innovationsnetzwerk OWL Maschinenbau und der Arbeitgeberverband Gesamtmetall im Rahmen der Initiative „Think ING“. Das Projekt wurde im Rahmen der Bundesinitiative „Gleichstellung von Frauen in der Wirtschaft“ unterstützt und mit Mitteln des Bundesarbeitsministeriums und des Europäischen Sozialfonds gefördert.

www.lizzynet.de
www.owl-maschinenbau.de
www.think-ing.de

Mehr zum Thema Frauen und MINT-Berufe gibt es in der aktuellen Ausgabe der NEWS.