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13. Juni 2014

Bildung braucht Vielfalt

Niemand bestreitet, dass Intelligenz und Innovationsfähigkeit die wertvollsten Ressourcen Deutschlands sind. Doch der Staat tut sich zunehmend schwer mit der Sicherung bester Bildungschancen. Hier springt die neu gegründete „werte / aus / bildung gemeinnützige GmbH“ in Mannheim ein. Das unter anderen von Götz W. Werner, Gründer und Aufsichtsrat der Drogeriemarkt-Kette dm, initiierte Projekt konnte in kurzer Zeit prominente Persönlichkeiten und Unternehmer für sich begeistern. Noch bevor eine Serie von Fundraising-Veranstaltungen gestartet ist, konnten beträchtliche Spendenzusagen notiert werden.

Zu den Unterstützern gehören neben Götz W. Werner die älteste deutsche Privatbank Berenberg, IMAP M&A Consultants AG und Argumento PR ebenso wie die GoingPublic Media AG, der ehemalige BDI-Präsident Michael Rogowski und Helmut Wohland, Honorarprofessor an der Stuttgarter Hochschule der Medien. „Bildung ist der Ursprung und das Fundament einer funktionierenden Gesellschaft“, begründet Werner seine Unterstützung. „Unternehmen sind auf gut ausgebildete Mitarbeiter angewiesen, wenn sie erfolgreich am Markt bestehen wollen.“

Die eine Schule gibt es nicht

Ziel der von Schulformen und Pädagogikkonzepten unabhängigen und neutralen Gesellschaft ist es, die bestehende Bildungs- und Pädagogik-Vielfalt in Deutschland langfristig zu erhalten. Dabei sollen interessierte Bildungsorganisationen und Unternehmen unterstützt werden.

„Der Staat alleine kann diese Aufgabe auch wegen der beschlossenen Schuldenbremse nicht mehr bewältigen. Allein in Baden-Württemberg soll eine Vielzahl von Schulen geschlossen und mehr als 10.000 Lehrerstellen gestrichen werden“, sagt Mathias Weidner von IMAP M & A Consultants und einer der ersten Unterstützer. „Die Unterstützung für private Schulen, obwohl gesetzlich festgeschrieben, wird immer weiter zurückgefahren. Doch viele Eltern sehen Schulen in freier Trägerschaft als die beste Entwicklungschance für ihre Kinder. Wir möchten daher, dass die pädagogische Vielfalt erhalten bleibt. Denn es gibt nicht die eine richtige Schule oder die richtige Pädagogik. Es geht darum, für jedes Kind die beste Pädagogik zu finden, damit es sich optimal entfalten kann.“

Der Fahrplan für die gGmbH steht fest: Die ersten Projekte wird man mit Spenden finanzieren. Es soll sogar ab Herbst 2013 eine Spendenplattform (www.crowd-charity.de) im Internet eingerichtet werden. Doch nicht immer muss es sich um Spenden handeln. „Manche Schulen brauchen ein neues Gebäude. Andere brauchen jemand, der in der Lage ist, einen Businessplan für ein Erweiterungsprojekt zu schreiben oder zu überarbeiten. Wieder andere brauchen vielleicht ein professionelles Marketing“, erläutert Weidner das Konzept. Hier können wir mit Expertise einspringen. Irgendwann soll sich das Unternehmen als Dienstleister für Bildung selbst tragen.“ Kinderbetreuung zum Beispiel zähle nicht zu den Kernkompetenzen von Unternehmen. Denkbar sei hier aber die Beratung bei der Einrichtung und dem Betrieb von Kitas oder gar deren Betrieb in Eigenregie. Doch das ist Zukunftsmusik. Momentan wird am ersten Projekt gearbeitet und dafür sind immerhin rund 10,2 Millionen Euro nötig.

Ausbildung von Waldorf-Pädagogen

Das Pilotprojekt von werte / aus / bildung unterstützt die Ausbildung von mehr Waldorf-Pädagogen. Seit 1988 hat sich die Anzahl der Waldorfschulen verdoppelt. In ganz Deutschland gibt es mittlerweile 230 davon mit rund 85.000 Schülern – Tendenz weiter steigend. Der Bedarf an qualifizierten Lehrern wächst. Jährlich werden rund 1.000 neue Lehrer gebraucht. Dafür reicht die bisherige Finanzierung über Elternbeiträge, Spenden und staatliche Zuschüsse nicht aus. Um die Ausbildung der Waldorf-Lehrer zu sichern, soll die Anzahl der Studienplätze an der Waldorf-Akademie in Mannheim von derzeit 160 auf bis zu 300 im Jahr 2018 nahezu verdoppelt werden. Dazu muss die Akademie sowohl vom Gebäudeumfang als auch im Bereich der technischen sowie Lehrmittelausstattung ausgebaut werden. Insgesamt beträgt das Investitionsvolumen bis 2018 rund 10,2 Millionen Euro. „Wir haben einen Businessplan geschrieben, der den Finanzierungsbedarf detailliert beschreibt sowie den Nutzen errechnet“, sagt Weidner. „Wenn in einigen Jahren mehr qualifizierte Pädagogen ausgebildet werden als in den Waldorfeinrichtungen benötigt werden, sollen weiterführende Bildungsangebote für Dritte außerhalb der Waldorfbewegung entwickelt und angeboten werden.“

Die Initiatoren und Unterstützer der gGmbH betonen, dass werte / aus / bildung keineswegs auf Walddorf-Pädagogik festgelegt sei. „Das Waldorf-Projekt ist unser Pilotprojekt“, sagt Weidner, „aber jede Bildungseinrichtung und sogar staatliche Einrichtungen können sich an uns wenden. Wir prüfen alle an uns herangetragenen Projekte sorgfältig. Es geht uns darum, die Vielfalt der Bildungslandschaft zu erhalten.“

Fundraising und Networking

Zwischen September 2013 und April 2014 finden bundesweit Fundraising-Veranstaltungen statt, um möglichst viele Personen und Unternehmen für das erste Projekt der Gesellschaft „Etablierung einer dritten Finanzierungssäule für die Bildungsalternative Waldorf“ zu gewinnen. Die ersten Gespräche mit potenziellen Spendern haben gezeigt, wie wichtig das Thema Bildung ist. Aus zwei Gesprächen ergaben sich Spendenzusagen in Höhe von 750.000 Euro. Die erste Veranstaltung findet im September in Mannheim statt. Ein Kurzvortrag führt ins Thema ein. Götz Werner erzählt, weshalb er das Projekt unterstützt. Anschließend findet eine Diskussion zum Thema Bildung und Bildungsalternative Waldorf statt.

Prof. Dr. Helmut Wohland von der Stuttgarter Hochschule der Medien fasst den Nutzen der Initiative für die Unternehmen zusammen: „Führung heißt, dadurch erfolgreich zu sein, dass man seine Mitarbeiter erfolgreich macht. Das ist nur möglich, wenn die Mitarbeiter eine solide Basisausbildung haben, verbunden mit einer lebenslangen Lernbereitschaft.“ Michael Rogowski ergänzt: „Bildung ist die Basis für unseren Erfolg in der Zukunft.“

Und übrigens: Ein Mann mit Studium, kann bezogen auf sein gesamtes Erwerbsleben, zusätzliche Einnahmen von durchschnittlich 120.000 Euro verbuchen. Das entspricht einer jährlichen Rendite von neun Prozent. An diesen höheren Einnahmen partizipiert auch die öffentliche Hand: Höhere Steuereinnahmen, Beiträge zur Sozialversicherung und ein geringeres Arbeitslosigkeitsrisiko summieren sich auf durchschnittlich 150.000 Euro. Bildung ist also nicht nur ein Wert, sondern schafft auch Wert. In Deutschland wird der Wert aus Bildung offensichtlich nicht hoch genug geschätzt: Deutschland wendet 5,3 Prozent seines BIP für Bildung auf, der OECD-Durchschnitt liegt bei 6,2 Prozent.

www.werte-aus-bildung.de