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18. Juni 2014

Familienunternehmen bauen Bankkredite ab

Die 30 deutschen Familienunternehmen, die im „DAXplus Family 30“-Index der Deutschen Börse notiert sind, haben 2012 den Anteil der Bankkredite an ihren Finanzierungsquellen um 4,7 Prozentpunkte auf 54,2 Prozent gesenkt. Im Vergleich zu den 30 Unternehmen aus dem Blue-Chip-Index Dax immer noch ein hoher Wert: Bei ihnen machen Bankkredite nur 26 Prozent der Verbindlichkeiten aus. Insgesamt haben Familienunternehmen ihre Bankverbindlichkeiten im vergangenen Jahr aber um 15,7 Prozent auf 6,8 Milliarden Euro gesenkt, wie aus einer Untersuchung der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC hervorgeht.

Der Analyse zufolge nutzen vor allem größere Familienunternehmen im „DAXplus Family 30“-Index neben dem Bankkredit zunehmend alternative Finanzierungsquellen. So beträgt bei Metro und ThyssenKrupp der Anteil der Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten nur knapp über 15 Prozent beziehungsweise knapp unter 17 Prozent. Die durchschnittliche Nettofinanzverschuldung der untersuchten Familienunternehmen stieg um mehr als 16 Prozent auf 3,7 Milliarden Euro, der Verschuldungsgrad um 7,7 Prozent. Dazu trugen auch aufgeschobene Investitionen bei, die 2012 nachgeholt wurden.

Alternative Finanzierungsquellen auf dem Vormarsch

„Bei börsennotierten Familienunternehmen zeichnet sich ein Umdenken ab. Sie nutzen neben Bankkrediten verstärkt alternative Quellen zur Finanzierung. Derzeit sind Bankkredite noch sehr günstig zu bekommen. Mit Basel III und den strengen Risikovorgaben wird es für Familienunternehmen schwieriger, günstige Kredite bei Banken aufzunehmen. Börsennotierte Familienunternehmen sollten daher alternative Finanzierungsinstrumente mit längerer Laufzeit prüfen, auch wenn diese aktuell mit höheren Kosten verbunden sind als ein einfacher Kredit“, rät Dr. Peter Bartels, PwC-Vorstand und Leiter des Bereichs Familienunternehmen und Mittelstand.

Gemessen am Umsatz war 2012 für die Mehrzahl der Unternehmen im „DAXplus Family 30“ ein gutes Jahr: Die Umsätze stiegen von 194 Milliarden Euro im Jahr 2011 durchschnittlich um 5,2 Prozent auf 204 Milliarden Euro. Nur fünf Unternehmen verzeichneten Umsatzrückgänge. Den größten prozentualen Zuwachs erzielte der Internet-Modeshop Tom Tailor mit einem Umsatzplus von 53 Prozent auf 630 Millionen Euro. Ebenfalls erfolgreich agierte der Automobilzulieferer Dürr: Sein Umsatz stieg 2012 um knapp 25 Prozent auf 2,4 Milliarden Euro.

Eigenkapitalrendite fällt 2012 deutlich

Dafür fiel die durchschnittliche Eigenkapitalrendite der börsennotierten Familienunternehmen 2012 enttäuschend aus: Sie sank im Durchschnitt von 22 Prozent 2011 auf 14,9 Prozent. Dies ist jedoch primär auf Einzeleffekte von Thyssen Krupp und SolarWorld zurückzuführen. Der EBIT, also der Gewinn vor Zinsen und Steuern, der DAXplus Family-Unternehmen, fiel insgesamt von 14 Milliarden Euro um 33,6 Prozent auf 9,3 Milliarden Euro. Die Summe der Jahresüberschüsse fiel sogar um 65,8 Prozent auf 2,4 Milliarden Euro. Diese Entwicklung ist jedoch zum großen Teil auf Einzeleffekte zurückzuführen. Bereinigt um diese Effekte ist das EBIT nur um 8,8 Prozent, die Jahresüberschüsse nur um 14,9 Prozent gesunken. Immerhin 15 Unternehmen konnten 2012 ihren EBIT verbessern. Auch hier nimmt der Automobilzulieferer Dürr mit einem Zuwachs von 66 Prozent auf 177 Millionen Euro eine Spitzenposition ein.

Der „DAXplus Family 30“-Index der Deutschen Börse berücksichtigt die nach Umsatz und Marktkapitalisierung größten deutschen Familienunternehmen. Zum Zeitpunkt der Erhebung umfasste der Index die DAX-30-Konzerne Fresenius, Henkel, Metro, SAP, ThyssenKrupp sowie die MDAX-Unternehmen Axel Springer, Dürr, Elring, Fielmann, Gerry Weber, Klinger, Krones, Rational, Symrise, Vossloh und Wacker Chemie sowie Adva, Bauer, Bechtle, Delticom, Drägerwerk, Drillisch, Fuchs Petrolub, KWS Saat, LPKF Laser & Electronics, QSC, SMA Solar, SolarWorld, Tom Tailor und United Internet.