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2. Juni 2014

Punkten bei Nachwuchskräften

Der Kampf um qualifizierte Nachwuchskräfte ist auch bei den mittelständischen Unternehmen deutlich spürbar, und nicht selten haben Familienunternehmen das Nachsehen gegenüber großen Konzernen, wenn es um die Qualität der Bewerber geht. Hinzu kommt, dass gerade mittelständische Unternehmen häufig sehr spezifische Anforderungen an ihr Mitarbeiter haben, sodass diese meistens eine recht lange Einarbeitungszeit benötigen, bevor sie eigenverantwortlich im Unternehmen tätig werden können.

Generell berichteten laut der Hochschulumfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertags 2011 etwa 17 Prozent von Problemen bei der Suche nach geeigneten Bewerbern. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, suchen viele Unternehmen nach Kooperationsmöglichkeiten mit Hochschulen, um sich so direkt an den Hochschulen nach ihren künftigen Mitarbeitern umzuschauen. Duale Studiengänge sind eine von zahlreichen Optionen, um Nachwuchskräfte bereits im Studium an die Herausforderungen im Arbeitsalltag heranzuführen und mit den Abläufen in einem Unternehmen vertraut zu machen. Unternehmen, die berufsintegrierte oder duale Studienprogramme als Recruiting-Kanal nutzen, werden dadurch attraktiver für gut ausgebildete Nachwuchskräfte.

Praxis und Theorie vereint

Insbesondere berufsintegrierte Masterstudiengänge sind eine effektive Methode, den Transfer von Theorie und Praxis herzustellen. Die School of International Business and Entrepreneurship (SIBE) der Steinbeis Hochschule Berlin führt ein solches Masterprogramm durch. Bachelorabsolventen aller Fachrichtungen erlangen im Rahmen des dort angebotenen Master of Arts in General Management betriebswirtschaftliche Kenntnisse, um insbesondere auf Führungspositionen vorbereitet zu werden. Das Studium selbst ist in Form des so genannten Projekt-Kompetenz-Studiums (PKS) aufgebaut. Das bedeutet, dass jeder Student ein Projekt im Unternehmen selbstständig, jedoch unterstützt von einem Mentor, umsetzt und dabei auch die nötige theoretische Fundierung und Begleitung durch die Dozenten erhält. Außerdem müssen die Studieninhalte in Form von Transfer- und Projektstudienarbeiten auf das jeweilige Projekt angewandt werden. „Wir legen sehr großen Wert auf den Transfer zwischen Wissenschaft und Wirtschaft. Es ist uns wichtig, dass die Studierenden in die Abläufe des Unternehmens eingebunden sind und zeitgleich lernen, wie sie ihr theoretisches Wissen in der Praxis gewinnbringend anwenden können.

Diese Verknüpfung ist aus meiner Sicht der zentrale Aspekt eines berufsintegrierten Studiums“ sagt Joachim Sailer, Direktor des Studiengangs an der SIBE. Durch den interdisziplinären Ansatz des Master of Arts bringen die Studenten das nötige fachspezifische und methodische Wissen aus unterschiedlichen Fachrichtungen ihres Bachelorstudiums mit und ergänzen dies durch die Management-Komponente. Zusätzlich zu der Transferorientierung wird im Studium großer Wert darauf gelegt, internationale Wirtschaftszusammenhänge kennen zu lernen und zu verstehen. Daher ist auch eine dreiwöchige Auslandsstudie in einem Wachstumsmarkt fester Bestandteil des zweijährigen Programms.

Unternehmen und Studenten gewinnen

Die Studenten profitieren von diesem Konzept, das ihnen neben dem akademischen Abschluss Berufserfahrung und eventuell den Einstieg in ihr Partnerunternehmen nach Abschluss des Studiums bietet. Neben der praxisnahen Ausrichtung ist auch das Finanzierungsmodell des Studiums ein entscheidendes Auswahlkriterium für Bachelorabsolventen. Das Unternehmen trägt den Großteil der Studiengebühren sowie meistens die Reisekosten der Auslandsstudie und zu Seminaren in Deutschland und bezahlt dem Studenten zusätzlich ein Gehalt, das sich an den üblichen Sätzen eines Graduiertenstipendiums orientiert. Hiervon wird dann auch der Eigenanteil an Studiengebühren bezahlt.

Die Unternehmen ziehen ebenfalls zahlreiche Vorteile aus dieser Kooperation, da sie einerseits einen effektiven Recruiting-Kanal zur Verfügung haben und selbst dazu beitragen, dass ihre künftigen Fachkräfte ihren Anforderungen entsprechend ausgebildet werden – zumindest was praktische Erfahrungen anbelangt. Gerade für mittelständische Unternehmen stellt ein solches berufsintegriertes Programm also ein attraktives Angebot dar, um qualifizierte und motivierte Nachwuchskräfte auf sich aufmerksam zu machen.

Gerard Meindertsma, Geschäftsführer der „WestWind Projektierungs GmbH & Co. KG“ in Kirchdorf, beschäftigt derzeit die erste SIBE-Studentin in seinem Unternehmen. Er sieht in der Zusammenarbeit eine Win-Win-Situation für beide Seiten und schätzt die Tatsache, dass der Student eine ausgewogene Mischung aus Theorie und Praxis erlernt. Wie viele Familienunternehmer sucht Meindertsma Fachkräfte, die zwar die nötigen theoretischen Grundlagen mitbringen, aber auch in der Lage sind, diese gewinnbringend in der Praxis anzuwenden. Außerdem tragen die Studenten nach seinen bisherigen Erfahrungen interessante Denkanstöße aus den Seminaren ins Unternehmen, zum Beispiel wie bestimmte Abläufe und Vorgehensweise verbessert werden könnten.

Die „G. Lufft Mess- und Regeltechnik GmbH“ nutzt das M.A.-Programm laut Geschäftsführer Klaus Hirzel bereits seit Längerem aktiv zur Gewinnung von qualifizierten Nachwuchskräften und strebt an, die Studenten nach ihrem Abschluss langfristig an das Unternehmen zu binden. Da es sich bei den angebotenen Projekten um Querschnittsaufgaben handelt, profitiert das Unternehmen auch von dem interdisziplinären Ansatz, da die Studierenden kein wirtschaftswissenschaftliches Erststudium absolviert haben müssen, sondern beispielsweise ein bereits abgeschlossenes Ingenieurstudium ergänzen.

Beide Geschäftsführer legen großen Wert darauf, zielstrebige und gewissenhafte Nachwuchskräfte zu gewinnen, die sich im Unternehmen einbringen und etwas verändern wollen, unerlässliche Eigenschaften, um die Doppelbelastung von Arbeit und Studium meistern zu können. Daher sehen sie berufsintegrierte Studiengänge wie den M.A. in General Management als wirksames Tool für die Gewinnung, Ausbildung und Bindung künftiger Fach- und Führungskräfte für ihr jeweiliges Unternehmen an und planen eine Fortführung des Konzepts in ihrem Unternehmen.

Autorin: Barbara Bozler

www.steinbeis-sibe.de