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25. Juni 2014

Von grünen Helden

Ein kleines internationales Team – fünf junge Frauen und Max Schön, Präsident des Club of Rome in Deutschland – macht mit einem virtuellen Unternehmen vor, wie man Gutes tun und dabei Geld verdienen kann. „Next Green Leaders“ verdient das Geld, mit dem das Non-Profit-Projekt „Next Green Heroes“ finanziert wird. Die jungen Frauen kommen aus Deutschland und der Schweiz, aus Südafrika, von der Elfenbeinküste und aus London. Alle haben einen Beruf, der sie ernährt, sodass wirklich der Großteil des mit Next Green Leaders verdienten Geldes den Next Green Heroes zugutekommt.

So funktioniert’s:
Die Unternehmen haben erkannt, dass sie ihre Führungskräfte ausbilden und entwickeln müssen. Eine langfristige Personalentwicklung wird einer der entscheidenden Punkte für Erfolg und Wachstum in der Zukunft sein. Gleichzeitig sind die meisten Unternehmen inzwischen global aufgestellt. Führungskräfte werden künftig noch mehr mit verschiedenen Kulturen und Führungsstilen umgehen müssen. „Um diese zwei Aspekte herum haben wir die Next Green Leaders aufgebaut“, erklärt Vera Knauer, eine der Mitinitiatorinnen und Geschäftsführerin von Cum Nobis, Gesellschaft für systemische Unternehmensentwicklung. „Wir gehen mit den Führungskräften, die in unsere Seminare kommen, zwei Wochen lang in Länder, in denen auch deutsche Unternehmen fertigen. Im kommenden Jahr geht es zum Beispiel nach Südafrika. Der Nachhaltigkeitsgedanke und die Führungskompetenzen der Zukunft stehen im Mittelpunkt.“

Ein großer Teil der Einnahmen aus den Seminaren fließt in das Non-Profit-Projekt Next Green Heroes. „Jeder Teilnehmer der Führungskräfteentwicklung unterstützt durch seine Teilnahme einen Jugendlichen bei der Schwesterorganisation“, sagt Knauer. „Der Verein Next Green Heroes kümmert sich um die Lebensbildung von Jugendlichen und möchte nachhaltiges Denken und unternehmerisches Handeln verankern.“ Jugendliche aus Europa treffen sich für drei Wochen mit einheimischen Jugendlichen in den Entwicklungsländern. Gemeinsam besuchen sie Sozialunternehmen und lernen dabei, welche positiven Auswirkungen diese auf Gesellschaft oder Umwelt haben können. „Trash Back“ in Cape Town ist so ein Unternehmen. Wer Müll aus den Slums abliefert, erhält einen Bon, den er entweder ansparen oder gegen Essen eintauschen kann. Mittlerweile ist der Slum ziemlich sauber und das Unternehmen verdient Geld und kann wachsen.

Begleitet wird das Projekt von ausgebildeten Pädagogen, die das nötige Wissen vermitteln. „Die Jugendlichen sollen einander kennenlernen. Deshalb haben auch Spaß und Action einen hohen Stellenwert“, sagt Knauer. „Dadurch bilden sich Netzwerke für die Zukunft.“

Unterstützung erhalten die Gründer von zahlreichen Unternehmen, meistens in Form von Sachleistungen, wie Knauer sagt. „Eine Werbeagentur entwirft unsere Prospekte, ein anderes Unternehmen kümmert sich um die Website.“ Natürlich sei man auch über Spenden sehr froh. Schließlich wolle man expandieren und die Next Green Heroes in immer mehr Ländern anbieten. Für 2015 stehe Indien auf dem Plan. „Freiflüge von der Lufthansa fehlen uns noch“, lacht Knauer.

Nachhaltigkeit gehört in die Strategie

Die Beraterin ist sicher, dass wirtschaftlicher Erfolg allein künftig nicht ausreichen wird, um Kunden und Mitarbeiter anzuziehen. Beispiele dafür gebe es bereits genügend. Amazon habe Probleme mit der Belegschaft bekommen, weil die Dimension des Sozialen vernachlässigt worden sei. Nespresso verliere Marktanteile durch neue Wettbewerber, die kompostierbare Kapseln mit Fair-Trade-Kaffee anbieten. „Wirtschaftlich betrachtet sind Familienunternehmen schon vorbildlich, denn sie denken in Generationen. Ökologische und soziale Verantwortung betrachten sie noch oft als Beiwerk, doch beides muss in der Strategie verankert werden“, sagt Knauer. „Im Kern geht es bei der Strategie für den Unternehmer darum, sich die Frage zu stellen, welches positive Vermächtnis er mit seinem Unternehmen den Kunden, der Gesellschaft und der Umwelt hinterlässt, welchen Nutzen es bietet.“ Geld verdienen und eine Nachhaltigkeitsstrategie zu verfolgen, seien kein Widerspruch. Jedes Unternehmen müsse Geld verdienen. Das sei die Voraussetzung, dass es überhaupt operieren könne. „Doch ein Unternehmen kann großen Schaden anrichten, wenn es sich unabhängig von der Gesellschaft und seiner Umwelt betrachtet. Es ist in ein ganzes System eingebettet und seine Aktivitäten werden möglicherweise noch Auswirkungen in 30 oder 50 Jahren haben“, so die Beraterin weiter. „Man denke nur an die Wertschöpfungskette, die inzwischen bei den meisten Unternehmen global ausgerichtet ist. Unsere Verantwortung endet weder in fünf oder sieben Jahren noch an den Landesgrenzen.“

Fragt man die Unternehmerin, was sie antreibt, neben ihrer Tätigkeit als Beraterin noch Geld, Zeit und Energie in ein Projekt wie die Next Green Heroes zu investieren, sagt sie: „Es ist mein Herzensprojekt. Ich hatte bisher sehr viel Glück in meinem Leben. Mit 15 konnte ich eine Weltumsegelung machen. Ich war immer international unterwegs und konnte mit 24 Jahren schon die Geschäftsführung einer Strategieberatung übernehmen, in der ich sehr viel lernen durfte. Ich möchte etwas davon an Jugendliche, Führungskräfte und Unternehmer zurückgeben. Und wenn es noch mehr Leute gibt, die ähnlich denken wie wir bei Next Green Heroes, müssten wir einen positiven Schneeball-Effekt bekommen. Das ist mein größter Wunsch.“

www.nextgreenleaders.com
www.nextgreenheroes.com

Tipp: In der September-Ausgabe von „Die News“ finden Sie weitere Artikel zum Thema Unternehmen, Ökologie und Nachhaltigkeit.