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22. Juli 2014

Besser Energie tanken mit der Mañana-Kompetenz

Ein Seminar mit der Psychologin Dr. Maja Storch, Inhaberin des ISMZ – Institut für Selbstmanagement und Motivation Zürich, ist alles andere als eine trockene Angelegenheit. Das stellten die Teilnehmer des Systemischen Tags von „Cum nobis Gesellschaft für systemische Unternehmensentwicklung mbH“ am 24. Oktober in Stuttgart ziemlich schnell fest. Dazu trugen nicht nur die Erzählungen über Storchs Hund, den Mastino Gustl, bei, sondern auch ihre iPhone-Metaphern und die Gruppenarbeit im Garten des Waldhotels Stuttgart-Degerloch bei strahlendem Sonnenschein.

Thema der Psychologin war die Mañana-Kompetenz, die sie gemeinsam mit dem Arzt Gunter Frank entwickelt und in einem Buch vorgestellt hat. Dabei geht es um die Frage, wie wir unsere Batterien wieder füllen, Energie tanken können und uns so davor bewahren, im Dauerstress zu leben und letztlich krank zu werden. Dafür gibt es kein Patentrezept, aber Storch und Frank haben ein Verfahren entwickelt, mit dem jeder herausfinden kann, wo beziehungsweise wie er am besten entspannen und auftanken kann. Denn was dem einen gut tut, kann für den anderen Stress sein. Gut kann man das an den verschiedenen Urlaubsentwürfen beobachten. Die einen brauchen im Urlaub Aktivität – wollen wandern, surfen oder Fahrrad fahren. Liegestühle am Strand sind für sie Teufelswerk. Für die anderen ist Nichtstun der Himmel auf Erden und die Aussicht auf eine Fahrradtour setzt sie unter Stress.

„Das Gerede von der Work-Life-Balance ist nicht hilfreich, sondern stresst uns eher zusätzlich“, sagte Storch. „Wir sollen Quality Time mit den Kindern verbringen, einem tollen Hobby nachgehen, prima Sex haben und gesund und fit sein. Wann bleibt da Zeit, um wirklich auszuspannen, wenn wir all diesen Forderungen entsprechen wollen?“ Die Mañana-Kompetenz dagegen habe mit Nichtstun zu tun im Sinne von nichts Sinnvolles zu tun. Die Fähigkeit, den Schalter umzulegen, und sei es nur für eine Viertelstunde, habe nicht mit Aktivität zu tun, sondern mit aufladen. „Das, was man seinem iPhone gönnt, wenn man es an die Steckdose hängt, sollte man sich selbst auch gönnen“, sagte Storch. „Kompromissloses Abschalten muss ohne schlechtes Gewissen und ohne Druck erfolgen, nur dann ist es erfolgreich im Sinne von Auftanken, neue Energie sammeln.“

Hundehaufen sammeln oder gärtnern?

Um herauszufinden, wobei man sich wirklich entspannen und die Batterien wieder aufladen kann, ist es laut Storch wichtig, zunächst einmal die individuellen Mañana-Zonen herauszufinden. „Entspannung ist sehr individuell“, sagte Storch und erzählte, dass sie ungeheuer gut abschalten könne, wenn sie im Garten die Haufen ihres Hundes Gustl aufsammle, auch wenn das lächerlich klinge.

Mit einem kurzen Test fanden die Seminarteilnehmer schnell ihre individuelle Mañana-Zone heraus. Das gab ihnen Hinweise auf die Aktivitäten, bei denen sie gut entspannen und auftanken können – die einfachste Übung. Viel schwieriger ist es nämlich, im Alltag die Auftankzeit tatsächlich zu nehmen. Überall lauern so genannte Affordanzen – Menschen oder Gegenstände mit Aufforderungscharakter –, die uns davon abhalten, unsere Auszeit zum Aufladen zu nehmen. Das kann das schlechte Gewissen ebenso sein wie Pflichtgefühl, Loyalität oder aber das Laptop auf dem Sofa, die Post auf dem Küchentisch oder der volle Wäschekorb auf der Treppe.

Bilder für das Unbewusste

Mit Hilfe der anderen Seminarteilnehmer ging es auf die Suche nach den persönlichen „Mañana-Bingowörtli“ und dem Mañana-Code. Dafür suchte sich jeder Teilnehmer ein Fotomotiv aus, das ihm am besten geeignet schien, mit den Affordanzen fertig zu werden. „Wir können unser Unbewusstes nicht mit Argumenten erreichen, sondern nur mit Bildern“, erklärte Storch. „Deshalb brauchen wir ein Bild zu Zielabschirmung, das uns dabei hilft, unsere Energie-Ladezeit gegenüber uns selbst und anderen Menschen oder Aufgaben durchzusetzen.“ Die Teilnehmer hielten dafür Esel im Sonnenblumenfeld ebenso geeignet wie Flusspferde, Oldtimer, einen Strand, einen Adler oder eine Hexe.

In kleinen Gruppen wurde aus den Bildern heraus ein Ideenkorb entwickelt, aus dem die Bingowörtlich und der Mañana-Code der einzelnen Teilnehmer abgeleitet wurden. „Mit dem Mañana-Code werden Ziele für das Unbewusste bildhaft dargestellt“, erklärte Storch. „Wenn man das Unbewusste anspricht, verfügt man über mehr Ressourcen. Deshalb eignet sich diese Methode auch für Unternehmen, zum Beispiel in Veränderungsprozessen.“ Mañana-Codes sind zum Beispiel: „Ich gönne mir Freiheitsinseln“; „Ich sammle jeden Tag drei Sonnenblumen“; oder „Mein Baloo-Bär ist Herr in seinem Revier!“. „Jedes Mal, wenn der Mañana-Code benützt wird, hat das eine positive Auswirkung auf das Unbewusste und es fällt uns leichter, zu entspannen“, sagte Storch.

Zum Schluss des Seminars gab sie den Teilnehmern noch Tipps für den Umgang mit Mañana-Störenfrieden. Im Speed-Dating mit den anderen erhielt jeder Teilnehmer noch zahlreiche Ideen für den Umgang mit seinem Mañana-Elch, dem Haupthindernis für die Umsetzung der jeweiligen Mañana-Absichten. Ganz am Rande erfuhr man noch, dass Wenn…dann-Sätze das Unbewusste stimulieren und dadurch die Umsetzung von Absichten um zwei Drittel höher ist als bei anderen Absichtsbekundungen.

Der positive Effekt der Mañana-Kompetenz zeigte sich daran, dass die Teilnehmer am Ende des Tages entspannter und fröhlicher waren als am Morgen und – wie es eine Teilnehmerin formulierte: „Wir waren heute bestimmt die am besten gelaunte Seminargruppe in diesem Hotel.“

Tipp: Der nächste Systemische Tag findet laut Cumnobis-Geschäftsführerin Vera Knauer voraussichtlich am 21. Oktober 2014 mit Prof. Dr. Arist von Schlippe von der Universität Witten-Herdecke statt.

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