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7. Juli 2014

Kommunikation von elementarer Bedeutung für Unternehmen

Zum zehnten Mal fand in Berlin am 26. und 27. September der Kommunikationskongress statt. Auf der internationale Fachtagung für Public Relations trafen sich wieder Pressesprecher und Verantwortliche für Kommunikation aus Behörden, Konzernen, Familienunternehmen und Agenturen. In seiner Begrüßung wies Dr. Jörg Schillinger, neu gewählter Präsident des Veranstalters, des Bundesverbands deutscher Pressesprecher (BdP), auf die elementare strategische Bedeutung der Kommunikation für Unternehmen hin und skizzierte das diesjährige Kongressthema „Wege zur Exzellenz“.

Die Key-Note-Sprecher befassten sich mit den übergeordneten Themen wie Bildung, Fachkräftemangel und dem Umbruch in der Medienlandschaft. In zahlreichen parallel stattfindenden Vorträgen, Workshops und den Partnerprogrammen ging es um Presse- und Kommunikationsarbeit im Detail. Zahlreiche Kommunikationsverantwortliche berichteten aus ihrer Arbeit in den Unternehmen.

Wohin gehen die Talente?

Den Auftakt am ersten Kongresstag machte Prof. Dr. Hans-Werner Sinn, Präsident des ifo-Instituts. „Brain Gain oder Brain Drain“ war der Titel seines Vortrags. Sein Fazit war eindeutig: Deutschland leidet eher unter einem Brain Drain als unter einem Brain Gain. Die Deutschen seien „Weltmeister bei der Kinderlosigkeit“, sagte der Professor. Und auch wenn es Zuwanderer gebe, aktuell vor allem aus Rumänien und Polen, so hätten doch nur 18,9 Prozent der Immigranten eine Hochschulausbildung. In Großbritannien seien das immerhin fast 50 Prozent. Der deutsche Sozialstaat ziehe im Verein mit dem starken Inklusionsprinzip der EU eher gering qualifizierte Menschen an. Deutschland brauche aber hoch qualifizierte Fachkräfte. Außerdem finde eine Emigration aus Deutschland statt. Aus der Türkei sei keine Zuwanderung mehr festzustellen, sondern eine Rückwanderung. „Die Türkei boomt“, sagte Sinn. „Besonders die hier gut ausgebildeten Rückkehrer haben beste Chancen.“ Auch junge deutsche Talente um die 30 würde es zunehmend ins Ausland ziehen. Die Emigration sei inzwischen fast so hoch wie 1954 vor den Wirtschaftswunder-Jahren. Etwa 150.000 Menschen brutto würden pro Jahr Deutschland den Rücken kehren, der Wanderungssaldo sei negativ. Das sei eine Entwicklung, die sich Deutschland nicht leisten könne.

Können statt Wissen

Der Philosoph und Schriftsteller Dr. Richard David Precht befasste sich mit dem Thema Bildung. In seinem Vortrag „Exzellenz: Ziel und Bedingung der Bildungsgesellschaft“ plädierte er für Nicht-Exzellenz im medialisierten und leistungsorientierten Alltag. Mit wenigen Fragen machte er seinen Zuhörern deutlich, dass wir häufig Können mit Wissen verwechseln und dass unser Bildungssystem noch immer in erster Linie auf Wissen ausgerichtet ist. Wissen bleibe jedoch nicht und außerdem könne man es jederzeit abrufen, vor allem im Zeitalter von Google und Wikipedia. Viel wichtiger seien Kreativität und die Fähigkeit, Dinge zu kombinieren, um damit Probleme zu lösen. Die Berufswelten der Zukunft könnten wir uns jetzt noch nicht einmal vorstellen. Etwa 60 Prozent der künftigen Berufe gebe es heute noch gar nicht. „Wir dürfen den Arbeitsmarkt von heute nicht in die Zukunft übertragen“, mahnte er. „Wir können Kinder, die jetzt eingeschult werden, nicht auf konkrete Berufe vorbereiten. Viel wichtiger sind die Querschnittsanforderungen wie soziale Kompetenz, Kenntnisse in Jura und Wirtschaft, das Wissen darüber, wie eine Stadt funktioniert. Moderner Unterricht muss nach diesen und Erkenntnissen der Hirnforschung stattfinden. Wir brauchen künftig nur noch diejenigen, die mehr können als die PC-Programme.“

Medien im Umbruch

Den Auftakt am zweiten Kongresstag machte Dr. Thomas Rabe, Vorstandsvorsitzender der Bertelsmann AG. Er wagte einen Blick in die Zukunft der Medien. Obwohl er das E-Book als größte Revolution im Verlagsgeschäft seit der Erfindung des Buchdrucks bezeichnete, sieht er die Printmedien nicht als aussterbende Gattung. Bei den Zeitschriften zum Beispiel seien Angebot und Reichweite höher als je zuvor. Verlage müssten allerdings ihre Geisteshaltung ändern und die Online-Konkurrenz eher umarmen als ablehnen. Die Eigenveröffentlichungen unentdeckter Autoren bergen laut Rabe ungeahnte Chancen. Das habe sich deutlich am Boom von „Shades of Grey“ gezeigt. Außerdem sei mehr Technologiekompetenz vonnöten und digitale Modelle müssten ausreichend monetarisiert werden. Das Urheberrecht müsse an die Digitalisierung angepasst werden, allerdings seien dafür die Regeln aus der analogen Welt nicht mehr geeignet. In der Musik finde eine Entbündelung der Angebote statt, die man auch im Zeitungs- und Zeitschriftenbereich beobachten könne. Zunehmend würden einzelne Songs oder Artikel heruntergeladen und nicht mehr ganze Alben oder Zeitschriften gekauft. Auch hier erhebe sich die Frage nach einer angemessenen Vergütung. Der Vorstandsvorsitzende zeigte sich überzeugt, dass traditionelle Formate auch weiterhin eine Rolle spielen würden. Man müsse es differenziert betrachten. So liege der Marktanteil der elektronischen Ausgabe von „Shades of Grey“ bei 50 Prozent, bei Kinderbüchern seien das nur zehn Prozent. Und: „Wer will schon die Fliege mit dem iPad erschlagen?“

Exzellenz beginnt im Kopf

So lautete die Botschaft von Prof. Dr. Hans-Dieter Hermann, Sportpsychologe der Deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Er widmete sich der Frage, wie man es schaffen kann, immer wieder vorauszugehen und sich selbst zu übertreffen. An zahlreichen Beispielen aus der Welt des Leistungssports zeigte er, dass die Überzeugung entscheidend ist: „Das ist mein Weg. Ich gehe ihn gerne.“ Hinzu kommen müsse die Fähigkeit, an sich selbst zu arbeiten und die Schuld für schlechte Leistung („Man hat nicht jeden Tag den besten Tag.“) nicht bei anderen oder den Umgebungsbedingungen zu suchen. „Die Welt ist eine Konstruktion, die im Kopf entsteht“, sagte Hermann. „Die Wahrheit ist individuell.“ Spitzenleistung entstehe durch Talent und Fleiß, Freude, gepaart mit ambitionierten Zielen. Nur dann könne man sich immer wieder neu motivieren und die Energie für Veränderung aufbringen.

„Wenn man mit dem Gedanken antritt, 'heute wird’s sowieso nichts', dann kann es auch nichts werden“, so Hermann und empfahl als Strategie gegen fehlende Motivation unterstützende Selbstgespräche. Exzellenz beginne nun mal im Kopf und die Niederlage ebenfalls. Auch Drucksituationen aufzubauen, könne nützlich sein. Sehr wichtig sei die persönliche Unterstützung durch Freunde, Familie und Kollegen – fachlich, praktisch und auch emotional. Nicht vergessen dürfe man auch das Finish, den Abschluss. Wer die Sache nicht durchziehe bis zum Schluss, verliere die Motivation.

Diskussionsrunden mit Pfiff

Die Diskussionsrunde mit einer Nachbetrachtung der Bundestagswahl zum Abschluss des ersten Kongresstags sowie der traditionelle Presseclub mit einem Rückblick auf das Medienjahr als Abschluss des Kongresses zeichneten sich beide durch die Schlagfertigkeit der Teilnehmer aus. Frank Stauss von Butter auf jeden Fall fand den Wahlkampf nicht langweilig. Es sei nur nicht viel passiert. Im Juni 2012 habe die CDU bei 34 Prozent gelegen, die SPD bei 32 Prozent. Am Wahlabend habe der Unterschied 15,8 Prozent betragen. Dazwischen sei nichts passiert. „Die Kandidatenkür der SPD war nicht vorbereitet. Sie ist der Schlüssel zur Niederlage der SPD. Alles hausgemacht“, sagte Stauss. Rudi Hoogvliet hielt den Grünen ihren „bescheuerten Veggie-Day“ vor, der sie im Empfinden zur Verbotspartei gemacht habe. Peter Radunski bezeichnete die Grünen-Kandidaten als „missgelaunt und nicht souverän“. Es sei bei der Wahl im Grunde über zwei Deutschland-Modelle abgestimmt worden. „Das der CDU war positiv und das der SPD vermittelte den Eindruck, das Land sei nicht im Lot. Offenbar empfanden die Wähler eher positiv“, sagte Radunski.

Der Presseclub war mit Josef Joffe, Herausgeber der Zeit, Anne Will, Jörg Schönenborn, Chefredakteur des Westdeutschen Rundfunks, und Hans-Ulrich Jörges, Chefredakteur des „Stern“ gut besetzt. Die Runde diskutierte über gefälschte Doktorarbeiten, Snowdon und die NSA, Online-Medien und Sexismus am Beispiel von Rainer Brüderle – letzteres besonders engagiert. Und dass Hajo Schumacher in diesem Jahr nicht moderierte, sondern Marco Seiffert vom Rundfunk Berlin-Brandenburg fiel nicht weiter auf und wenn, dann positiv. Er amüsierte sein Publikum mit frechen Bemerkungen und Schlagfertigkeit und sammelte Pluspunkte, weil er sich selbst nicht allzu ernst nahm.