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30. Juli 2014

Serie: Wirksame Führung, Teil 2

Gefühle zulassen

Wo fühlen wir uns wohler? Dort, wo man uns mit einem Lächeln und einem freundlichen Gruß begegnet oder dort, wo man uns kaum ein mürrisches „guten Tag“ entgegenbringt? „Ein Unternehmen ist keine Wellness-Oase, sondern dort wird gearbeitet“, werden jetzt einige entgegnen, doch damit machen sie es sich zu einfach. Die im Wettbewerb „Deutschlands beste Arbeitgeber“ ausgezeichneten Unternehmen haben eine Gemeinsamkeit, die zu denken geben sollte: Die meisten von ihnen sind wirtschaftlich überdurchschnittlich erfolgreich, wie Studienleiter Frank Hauser, Geschäftsführer von „Great to work Deutschland“, bestätigt. Außerdem sind in Unternehmen, in denen die Mitarbeiterzufriedenheit hoch ist, Krankenstand und Fluktuation vergleichsweise niedrig. Befragungen bestätigen außerdem, dass der direkte Vorgesetzte entscheidenden Anteil daran hat, wie wohl sich ein Mitarbeiter im Unternehmen fühlt. Mitarbeiter kündigen in der Regel nicht dem Unternehmen, sondern ihrem direkten Vorgesetzten.

Fataler Führungsfehler Nr. 2: „kill emotion“
Gefühle verboten – in diesem Unternehmen gibt es keine Herzlichkeit.

Die Reaktion der Mitarbeiter: Wenn die Führung sich nicht wertschätzend verhält, wirkt dieses Verhalten auf die Mitarbeiter und ihre Leistung. Wie man in den Wald hinein ruft, so schallt es heraus. Das hat Auswirkungen auf die Unternehmenskultur, die auch von außen negativ wahrgenommen wird. Denn ein Unternehmen, in dem keine Herzlichkeit oder zumindest lächelnde Zuversicht herrscht, kann das auch nicht nach außen transportieren. Es ist einfach nichts da. Das wirkt sich schlecht auf den Unternehmenserfolg aus und wird die Laune weiter dämpfen.

Ein Lächeln öffnet die Herzen

Sich wohl fühlen, bedeutet nicht, keine Leistung zu verlangen. Es geht um das Klima im Unternehmen, um das Arbeitsumfeld, den Umgang und die Kommunikation miteinander, um die Anliegen der Mitarbeiter. Freude wird größer, Enttäuschung kleiner, wenn man sie teilt. Kritische Momente lassen sich besser aushalten, wenn alle freundlich und fair bleiben. Menschen erreicht man im Herzen und nicht im Kopf. Wer mit offenem Herzen und einem Lächeln auf andere zugeht, wird den anderen für sich einnehmen und ein offenes Ohr finden. Gute Laune breitet sich aus.

„Für eine gute Arbeitsplatzkultur braucht es nicht viel Geld, sondern viele kleine Ideen“, sagt Klaus Kobjoll, Gründer des vielfach preisgekrönten Seminar- und Tagungshotels Schindlerhof in Nürnberg. 2013 wurde das Hotel mit dem „Hospitality HR Award“ ausgezeichnet. Das Hotel hat mit Mahsa Amoudadashi sogar eine Herzlichkeitsbeauftragte, die sowohl für Mitarbeiter als auch für Gäste zuständig ist. Echte Herzlichkeit öffnet, heißt Menschen willkommen und bindet sie. Natürlich kann man Herzlichkeit nicht erlernen, aber man kann sich ihr nur schwer entziehen. Im Schindlerhof wird Höchstleistung verlangt, doch gleichzeitig honoriert das Unternehmen besondere Leistungen „immer und ohne Ausnahme“, wie Unternehmensnachfolgerin Nicole Kobjoll sagt. Dazu gehören Blumensträuße als kleines Lob zwischendurch, Weihnachtspräsente und Teampartys. Rückkehrgeschenke nach dem Urlaub und ein persönlicher Anruf zum Geburtstag sind ebenfalls selbstverständlich. „Wir unterscheiden zwischen Anerkennung für gute Arbeit und Bausteinen, die für eine gute Stimmung im Team sorgen sollen“.

Doch Vorsicht: Gefühle zuzulassen, darf nicht bedeuten, sich gehen zu lassen. Führungskräfte und Mitarbeiter sollten höflich und wertschätzend miteinander umgehen. Persönliche Angriffe und Ausraster vergiften die Atmosphäre, vor allem, wenn sie vom Vorgesetzten kommen. Der Mitarbeiter sieht sich hier in der Rolle des Unterlegenen und Gedemütigten, der nicht mit gleicher Münze zurückzahlen kann. Das macht ihn hilflos und wütend. Das Schlimmste ist, wenn Mitarbeiter die Freude an der Arbeit verlieren und die „Extrameile“ nicht mehr gehen, die den Unterschied macht. Dabei macht es keinen Unterschied, ob sie sich wegen zu wenig Empathie oder wegen unangemessener Gefühlsausbrüche zurückziehen. (Von Jill Schmelcher)

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Teil 1 der Serie finden Sie hier.

Teil 3 der Serie finden Sie hier.

Teil 4 der Serie finden Sie hier.

Teil 5 der Serie finden Sie hier.

Teil 6 der Serie finden Sie hier.

Teil 7 der Serie finden Sie hier.