Aktuelles
17. Juli 2014

Technik im Olymp angekommen

Die Olymp Bezner GmbH hat am 17. Oktober 2013 am Firmenstandort Bietigheim-Bissingen ein weltweit einzigartiges Logistikzentrum (OLZ) in Betrieb genommen. Das Unternehmen, das laut Geschäftsführer Mark Bezner bis Ende 2013 die 200-Millionen-Umsatzschallmauer durchstoßen will, hat nach zweijähriger Bauzeit die größte Investition der 62-jährigen Firmengeschichte erfolgreich umgesetzt und dafür 40 Millionen Euro in die Hand genommen.

Deutschland ist nach wie vor der umsatzstärkste Markt, obwohl im Bereich Hemden der Umsatz rückläufig ist. Dafür steigt der Bedarf an Freizeit- und Strickmode. Dass trotzdem eine Verdreifachung des Umsatzes in nur zehn Jahren erzielt worden ist, ist der ständig steigenden Nachfrage in den Nachbarländern Österreich, Schweiz, Skandinavien, Frankreich und England geschuldet. Das wachsende Produktionsvolumen und der zunehmende Bedarf nach einer kurzfristigen Verfügbarkeit machten den Bau eines leistungsfähigen, schnellen und zuverlässig funktionierenden Lager- und Logistikzentrums zwingend erforderlich. Die gesamte Produktion aus allen weltweiten Fertigungsstätten sowie die Warendistribution sämtlicher Produkte kommen jetzt in Bietigheim räumlich und zeitlich zusammen. Die Aufwendungen für die Außenlager entfallen somit und – ein weiteres Plus – die Angestellten konnten übernommen werden. Denn trotz Vollautomatisierung arbeiten in dem neuen Zentrum nach wie vor rund 84 Frauen und Männer.

Gigantische Technik

Das in der Kombination von Shuttle und Hängefördertechnik größte Hemdenlager der Welt verfügt über elf elektronisch gesteuerte Lagergassen und ein Fassungsvermögen von bis zu 265.000 Warenkartons mit nahezu vier Millionen Bekleidungsstücken. Allein die Zahlen machen schwindelig: Der Bau umfasst eine Raumdimension von 142 Meter Länge, 47 Meter Breite und 20 Meter Höhe. Von den insgesamt elf Lagergassen wurden zunächst acht Gassen voll ausgebaut. Sie sind 100 Meter lang und haben jeweils 37 Ebenen. Die Ein- und Auslagerung der Warenkartons erfolgt über 407 Transport-Shuttles. Mark Bezner zeigte sich zuversichtlich: „Endlich sind wir wieder in der Lage, für alle Marken über eine geschlossene und höchst leistungsfähige Lagerorganisation zu verfügen. Das stärkt unsere Logistikkompetenz und Wettbewerbsfähigkeit national und global in deutlichem Umfang.“

Dem kaufmännischen Direktor, Matthias Eggle, sah man bei der Eröffnung den Stolz über das neue technische Wunderwerk förmlich an. Um eine Vorstellung zu bekommen, was hinter all diesen Zahlen steckt, führte er die Gäste ins automatische Kartonlager, den sicher imposantesten Teil des Logistikzentrums: Hier sausen die Shuttles durch das gigantische Regalsystem, deren Betriebslärm Eggle mit einem „Streichorchester“ verglich. Am Anfang steht der Wareneingang. An mit Computern ausgestatteten Arbeitsplätzen werden die Warenkartons kontrolliert. Die Wareneingangsleistung stieg um die bis zu dreifache Menge von 400 bis 500 Kartons auf bis zu 1.500 pro Stunde. Faszinierend zu beobachten, wie die wie von Geisterhand herumsausenden, am Vereinzelungsplatz manuell mit Kleidungsstücken befüllten und mit einem Chip versehenen Taschen, ihr Ziel am Taschen-Sorter erreichen, wo sie auftragsbezogen umsortiert werden.

Die Warenausgangskartons werden über 18 Rampen versandfertig gemacht und bis 18 Uhr von den Transporteuren abgeholt. Nach wie vor gilt die Olymp-Maxime: Sämtliche Bestellungen, die pro Werktag bis 13 Uhr eingehen, werden noch am selben Tag ausgeliefert.

Nachhaltiges Energiekonzept

Das Thema Nachhaltigkeit spielt im neuen Logistikzentrum eine große Rolle: Die Anforderungen der aktuellen Energieeinsparverordnung wurden deutlich übertroffen. Möglich macht es eine ökonomische Baukörperstruktur mit Wärmedämmsystem und ein Energiekonzept mit Blockheizkraftwerk, Abwärmenutzung, Wärmepumpen sowie einem innovativen Kühlkonzept. An regenerativen Energiequellen werden die Geothermie und Sonnenenergie nutzbar gemacht. So ist es möglich, durch das Blockheizkraftwerk und die Photovoltaik bei Sonnenschein fast den gesamten Strombedarf der Anlage selbst zu erzeugen. Auch im Kleinen zeigt sich die ökologische Ausrichtung des Konzerns: Die Kartons sind zu 80 Prozent recyclebar. Das Bekenntnis zum schwäbischen Standort ist Firmenchef Marc Bezner wichtig; so hat er auch überwiegend mit Betrieben aus dem „Ländle“ zusammengearbeitet. Unterstützt wurde das Unternehmen vom Logistikausrüster Knapp AG aus Graz/Österreich. Dort wurden auch die Mitarbeiter geschult und konnten ihre Vorstellungen von einem ergonomisch gestalteten Arbeitsplatz einbringen.

Bezner hofft auf kühles Herbstwetter, denn erfahrungsgemäß gehören Oktober, November und Dezember zu den umsatzstärksten Monaten. Ihm ist nicht bange: Das neue Logistikzentrum ist auf Wachstum angelegt – es sind noch Kapazitäten vorhanden.

Angelika Rothermel-Geiger

Tipp: In der Oktober-Ausgabe von „Die News“ finden Sie weitere Informationen zum Thema Logistik