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15. August 2014

Serie: Wirksame Führung, Teil 4

Verbindlich sein.

Es gibt Unternehmen, in denen in Meetings keine konkreten Maßnahmen verabschiedet werden. Es wird nicht geregelt, wer was wann zu tun hat, sondern alles bleibt unverbindlich. Ein beliebter Satz ist: „Wir sollten uns mal darum kümmern.“ Er lässt viele Fragen offen, während der Satz „ich werde bis übermorgen folgendes tun…“ Verbindlichkeit ausdrückt. Schwache Führungskräfte drücken sich gerne vor Verbindlichkeit. Sie sitzen Themen aus und warten darauf, dass irgendetwas passiert. Sie verweisen gerne auf „die da oben“, um die Verantwortung von sich selbst abzuwälzen. Sie drücken sich vor Entscheidungen, besonders vor schwierigen. Die Mitarbeiter werden hingehalten oder erfahren zu spät, was auf sie zukommt. Ganz schlimm wird es, wenn die Mitarbeiter für Versäumnisse des Vorgesetzten geradestehen sollen. In Unternehmen mit solchen Führungskräften werden Strategien nicht umgesetzt, Pläne nicht ausgeführt.

Fataler Führungsfehler Nr. 4: „Kill engagement“
Zwei der wichtigsten Werte – Verbindlichkeit und Vertrauen – werden mit Füßen getreten.

Die Reaktion der Mitarbeiter: Durch unverbindliche Ankündigungen bleiben Aufgaben liegen oder werden nicht beendet. Die Mitarbeiter sehen keinen Fortschritt und sind selbst ebenfalls immer weniger bereit, etwas Konkretes zu tun, denn es könnte am nächsten Tag schon falsch sein. Schließlich wissen sie nicht, was der Vorgesetzte nun wirklich will und wo die Reise hingehen soll. Der Vorgesetzte behindert nicht nur das Engagement der Mitarbeiter, sondern macht es nahezu unmöglich und gefährdet durch sein Verhalten den Unternehmenserfolg. Gute Mitarbeiter suchen nach Alternativen.

Hinter den Mitarbeitern stehen

Die Werte Verantwortung und Verbindlichkeit spielen hier die zentrale Rolle. Jede Führungskraft sollte sie sich auf die Fahnen schreiben. Verantwortung heißt, Verantwortung für sich selbst und andere zu übernehmen, zu den eigenen Entscheidungen und auch zu Fehlern zu stehen. Dazu gehört, verlässlich und ehrlich zu sein und im Zweifelsfall hinter den mir Anvertrauten zu stehen. Verbindlichkeit bedeutet, zu meinem Wort zu stehen, nicht nach Ausflüchten zu suchen, Zusagen einzuhalten und Konsequenz zu zeigen, Terminabsprachen einzuhalten, nichts zu versprechen, was ich nicht halten kann. Führungskräfte, die diesen beiden Werten glaubhaft folgen, werden von ihren Mitarbeitern als ehrlich und authentisch wahrgenommen. Mitarbeiter möchten wissen, woran sie sind. Besonders in Krisenzeiten brauchen Mitarbeiter klare Aussagen. Sie wollen sich darauf verlassen können, dass der Vorgesetzte zu seinen Entscheidungen steht und hinter ihnen steht.

In einem Interview zum 100-jährigen Firmenjubiläum sprach Dr. H. Werner Utz, der die Ulmer Uzin Utz AG in dritter Generation führt, in den „News“ über Führung und Nachfolge. Zu den unterschiedlichen Führungsstilen der Generationen sagte er: „Mein Vater hat zwar seine Mitarbeiter geschätzt, aber das konnte auch sehr schnell ins Gegenteil umschlagen. Wenn etwas nicht so funktionierte, wie er sich das vorstellte oder der Mitarbeiter ein Problem nicht schnell genug lösen konnte, wandte sich mein Vater von ihm ab.“ Der Führungsstil heute sei von Vertrauen, Offenheit und Transparenz geprägt. „Wir fordern unsere Mitarbeiter, indem wir ihnen Vertrauen entgegenbringen und Verantwortung übertragen“, so Utz weiter. „Kritik ist uns sehr wichtig und vor allem Wertschätzung.“

Jill Schmelcher
www.weissman.de

Teil 1 der Serie finden Sie hier.

Teil 2 der Serie finden Sie hier.

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Teil 7 der Serie finden Sie hier.