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1. September 2014

Beiräte in Familienunternehmen mit mehr Kompetenzen

Für eine gemeinsamen Studie von PwC, der WHU – Otto Beisheim School of Management und der Intes- Akademie für Familienunternehmen gaben 286 Familienunternehmen Auskunft über Bieräte und Aufsichtsräte, deren Kompetenzen und Zusammensetzung. Rund drei Viertel aller Familienunternehmen verfügen inzwischen über Beiräte und Aufsichtsräte: 49 Prozent haben einen Beirat installiert und weitere acht Prozent verfügen sowohl über einen Beirat als auch über einen Aufsichtsrat. Ausschließlich einen Aufsichtsrat haben 17 Prozent aller Familienunternehmen eingerichtet: Aufsichtsräte sind bei Aktiengesellschaften in Familienbesitz oder bei einer GmbH mit mehr als 500 Mitarbeitern vorgeschrieben, dagegen sind Beiräte freiwilliger Natur.

Hauptaufgabe der Beiräte ist die Beratung der Geschäftsführung (86 Prozent). Mittlerweile sind drei Viertel der Beiräte zudem mit Kompetenzen ausgestattet, die einem Aufsichtsrat entsprechen: Sie sind mit der Kontrolle der Geschäftsführung betraut, haben ein Stimmrecht bei wichtigen Entscheidungen und können die strategische Ausrichtung beeinflussen. Damit haben Familienunternehmen die Befugnisse ihrer Beiräte in den vergangenen Jahren erweitert. 2002 hatten erst 45 Prozent der Beiräte auch Kontrollaufgaben, 2008 lag der Anteil bei knapp 60 Prozent.

„Aus einer Governance-Perspektive ist es sinnvoll, dem Beirat neben der Beratungsrolle auch eine Kontroll- und Entscheidungsfunktion einzuräumen, um die Unternehmensführung zu verbessern und Risiken vorzubeugen. Die Studienergebnisse belegen damit auch einen fortschreitenden Trend zur Professionalisierung der Beiratsarbeit“, kommentiert Peter Bartels, PwC-Vorstandsmitglied und Leiter des Bereichs Familienunternehmen und Mittelstand.

Kompetenz geht vor Familienzugehörigkeit

Bei der Auswahl der Beiratsmitglieder steht die fachliche Kompetenz mit 83 Prozent an erster Stelle. Dagegen sind Kontakte zu Institutionen, persönliche Verbundenheit oder Familienzugehörigkeit weniger wichtiger. Nach wie vor sind Männer überdurchschnittlich vertreten: „Frauen sind trotz der anhaltenden Debatte über eine Frauenquote in den Kontrollgremien der Familienunternehmen unterrepräsentiert. So machen Frauen in den Beiräten nur einen Anteil von 9,6 Prozent aus, der auch in den Aufsichtsräten mit 10,6 Prozent nur unwesentlich höher ist“, sagt Professor Sabine Rau von der WHU – Otto Beisheim School of Management.

Beiräte haben sich in der Praxis bewährt

Beiratsmitglieder erhalten für ihre Arbeit im Schnitt eine jährliche Vergütung von 15.000 Euro, der Beiratsvorsitzende etwas mehr. Bei zwei von drei befragten Familienunternehmen ist der Beirat mit Gesellschaftern und Mitgliedern der Familie besetzt. Steht ein Familienmitglied an der Spitze der Geschäftsführung, ist der Beiratsvorsitzende eher familienfremd. Auch dies zeigt, dass Beiräten oft die Rolle eines objektiven, von familiären Befindlichkeiten unabhängigen Beobachters und Ratgebers zugesprochen wird: „Familienunternehmen haben mit Beiräten in der Praxis überwiegend gute Erfahrungen gemacht. Sie tragen dazu bei, Probleme frühzeitig zu thematisieren und zu lösen. Immer mehr Unternehmen haben erkannt, dass sie durch einen Beirat ihren Erfolg steigern und die Zukunftsfähigkeit sicherstellen können“, betont Professor Dr. Peter May, Gründer der Intes-Akademie für Familienunternehmen.